Jeep Grand Cherokee

Gebrauchtwagen-Test Jeep Grand Cherokee IV

Jeep Grand Cherokee IV: Gebrauchtwagen-Test

Der Indianer ist tapfer

Die vierte Generation des großen Jeep kommt ohne Mercedes-Technik aus. Der Zuverlässigkeit hat das nicht geschadet – im Gegenteil.
Der Grand Cherokee IV war eines der ersten Autos, die nach der Übernahme von Chrysler/Jeep durch Fiat auf den Markt kamen. Die Italiener setzten bei dem von den Amerikanern schon fast fertig entwickelten Auto noch einige wichtige Änderungen durch, die alle nur ein Ziel vor Augen hatten: Geld zu sparen. So wollten die Italiener auf keinen Fall mehr die teure Fertigung der Europamodelle durch Magna in Graz. Vor allem aber wollten sie den im Einkauf recht teuren Mercedes-V6-Diesel nicht. Als Ersatz zogen sie eine – selbstverständlich – italienische Dieselmaschine aus dem Hut. Weil Fiat selbst keinen großen und starken Diesel im Programm hatte, griff man ins Regal des Motorenherstellers VM Motori in Cento bei Bologna.
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Etwa 1000 Angebote

Der Dieselspezialist befand sich zwar seit 2007 in amerikanischer Hand (General Motors und Penske), aber Fiat war sich sicher, dass die Amerikaner den ungeliebten Zukauf bald abstoßen würden. Und siehe da: 2011 übernahm Fiat das Aktienpaket von Penske und 2013 endgültig auch die restlichen Anteile von VM Motori. Daher bezieht Fiat/Chrysler nun auch den großen Dreiliter-V6-Turbodiesel von VM sehr günstig. Der läuft zwar spürbar rauer als der im Grand Cherokee III verwendete 3.0-V6-Diesel von Mercedes. Aber Klagen über die Haltbarkeit des Italo-Selbstzünders gibt es nur ganz selten. Etliche Exemplare sind inzwischen über 200.000 Kilometer gelaufen und zeigen dabei in der Regel keine Auffälligkeiten.

Die neue Automatik kam 2013 zum Einsatz

Mit der Achtstufen-Automatik von ZF verstummten Klagen über mangelnde Haltbarkeit. Nur mit dem neuen Automatikwählhebel fremdeln einige Besitzer.

Als letztes Überbleibsel der von 1998 bis 2007 dauernden Ehe zwischen Chrysler/Jeep und Daimler darf die bis 2013 verwendete Wandlerautomatik gelten. Das Fünfstufen-Getriebe von Mercedes altert bei rasanter Fahrweise und exzessivem Anhängerbetrieb vorzeitig, weshalb etliche Getriebe ausgetauscht werden mussten. Ab 2013 bauten die Jeep-Leute eine neue Achtstufen-Automatik von ZF ein, die Chrysler/Jeep inzwischen sozusagen in Lizenz auch selbst fertigt. Dieses Getriebe senkt nicht nur den Verbrauch um gut fünf Prozent, auch sind seitdem alle Klagen über mangelnde Haltbarkeit verstummt. Nur mit dem neuen Automatikwählhebel fremdeln einige Besitzer, weil er ihnen nicht logisch bedienbar erscheint. Jeep änderte deshalb 2017 die Schaltlogik. Die neue Automatik kam 2013 gleichzeitig in sämtlichen Motorversionen des Grand Cherokee zum Einsatz. Sehr selten in Europa ist der in den USA häufig als Basismotorisierung georderte 3.6-V6-Benziner. Mit 286 PS ist er nicht zu schwach, aber der recht hochtourige Motor wirkt im schweren Grand Cherokee mäßig souverän. Lässiger und mit einem Mehrverbrauch von in der Praxis kaum mehr als einem halben Liter/100 km macht es der 5.7-V8. Noch mehr Kraft und Leistung hat der soundstarke SRT, der aber unkomfortabler abrollt und dessen aufdringlichere Optik zumindest in Deutschland nicht jedermanns Geschmack trifft. Recht deutlich – auch subjektiv – ist der Unterschied zwischen der 190-PS-Version des 3.0-V6-Turbodiesels und der 241/250-PS-Version.
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Die Jeep-Elektronik mag Updates nicht besonders

Wirkliche Schwachstellen hat der große Indianer nicht. Gut, mal geht beim Diesel ein Turbolader entzwei oder es gibt ein paar Schäden an den Antriebsgelenken; alles aber statistisch unauffällig. Mehr Probleme verursachen Elektrik und Elektronik. Aber auch das kann man nur schwer an einzelnen Bauteilen festmachen. Gefahr droht dagegen vor allem durch spätere Updates, speziell für Radio und Navigationsanlagen. Da kann es schon mal passieren, dass nach dem Aufspielen einer neuen Software weniger funktioniert als zuvor.

Ersatzteilkosten*
Kotflügel vorn 402 Euro
Scheinwerfer 345 Euro
Bremsscheiben vorn (ein Satz) 228 Euro
Bremsbeläge vorn (ein Satz) 173 Euro
Automatikgetriebe (AT) 6227 Euro
Motor ohne Anbauteile (AT) 11.272 Euro
Generator (neu) 1034 Euro
Anlasser (neu) 686 Euro
Wasserpumpe (neu) 615 Euro
Auspuff ohne Kat 2241 Euro
*Preise inklusive Mehrwertsteuer am Beispiel eines Grand Cherokee 3.0 CRD mit Automatikgetriebe, Baujahr 2011

Sollte man beachten: Für die Ausstattungsversion Summit gilt nicht die volle Anhängelast von 3,5 Tonnen, sondern nur 2949 kg.

Der Jeep wird gern wegen seiner großen Bodenfreiheit gekauft. 225 mm sind es mit Stahlfederung, sogar 280 mm in der höchsten Stufe der Luftfederung, die nur sehr selten zickt. Das Modellprogramm zeigt ein paar Eigenheiten: Für die Ausstattungsversion Summit gibt Jeep nicht die vollen 3,5 Tonnen Anhängelast frei, sondern nur 2949 kg. Das Summit-Paket umfasst einen anderen Allradantrieb mit Zentraldifferenzial, während sonst ein semi-permanenter Allradantrieb via elektronisch geregelter Kupplung die Kraft auf beide Achsen verteilt. Ordentliche Noten erhalten die Jeep-Vertragswerkstätten: 82 Prozent sind mit deren Arbeitsleistung zufrieden. Der durchschnittliche Preis für eine große Inspektion wird mit rund 690 Euro angegeben. Sind Jeep-Besitzer besonders markentreu? Ja, die Wiederkaufquote liegt zwar bei nicht so berauschenden 51 Prozent. Aber das ist heutzutage, wo schnell mal wegen Nichtigkeiten die Marke gewechselt wird, ein guter Wert. Abtrünnige wandern gern zum Porsche Cayenne (13 Prozent), zum BMW X5 (neun Prozent) oder liebäugeln mit einem Ram Pickup – der auch den 3.0-V6-Diesel von VM unter der Haube haben kann.

Gebrauchtwagen-Test Jeep Grand Cherokee IV

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Gebrauchtwagen-Preise: Jeep Grand Cherokee IV
Modell (unfallfrei mit mind. einem Jahr TÜV) 3.6 V6 Laredo 5.7 V8 Hemi Overland 6.4 Hemi SRT
Türen / Zylinder 4 / 6 4 / 8 4 / 8
kW / PS 210 / 286 259 / 352 344 / 468
Verbrauch/100 km 13,5 l S 14,0 l S 15,0 l S
Höchstgeschwind. 206 km/h 224 km/h 257 km/h
Versich. (HP/VK/TK) 23 / 25 / 24 23 / 25 / 24 23 / 25 / 24
Neupreis 51.900 74.900 87.900
2016, 42.000 km* 32.000 46.000 53.500
2015, 66.000 km* 28.000 40.500 46.500
2014, 90.000 km* 24.200 35.000 40.000
2013, 114.000 km* 20.000 29.000 34.000
2012, 138.000 km* 16.500 24.500 29.000
2011, 152.000 km* 14.000 22.000 25.000
2010, 165.000 km* 12.000 19.500
Modell (unfallfrei mit mind. einem Jahr TÜV) 3.0 CRD/MJ Laredo 3.0 CRD/MJ Limited 3.0 MultiJet Overland 3.0 MultiJet Overland
Türen 4 / 6 4 / 6 4 / 6 4 / 6
kW / PS 140 / 190 177 / 241 177 / 241 184 / 250
Verbrauch/100 km 10,0 l D 10,5 l D 10,5 l D 10,5 l D
Höchstgeschwind. 191 km/h 202 km/h 202 km/h 202 km/h
Versich. (HP/VK/TK) 23 / 25 / 24 23 / 25 / 24 23 / 25 / 24 23 / 25 / 24
Neupreis 50.900 50.500 59.800 68.900
2016, 42.000 km* 35.000 44.000
2015, 66.000 km* 30.000 38.000
2014, 90.000 km* 25.500 32.000
2013, 114.000 km* 21.000 21.500 25.000 27.000
2012, 138.000 km* 18.000 19.000 22.000
2011, 152.000 km* 16.000 17.000 20.000
2010, 165.000 km*
Quelle: Schwacke; Händlerverkaufspreise (Euro inkl. MwSt.); *für die Benziner gelten folgende Kilometerstände: 37.000, 58.000, 77.000, 96.000, 115.000, 133.000, 150.000
Martin Braun

Martin Braun

Fazit

Der Grand Cherokee IV hat keine schwerwiegenden Schwachstellen. Kleine Probleme betreffen die Elektrik, was aber dennoch nervtötend und teuer sein kann. Also: Alles probieren! Und auf unnötige Updates verzichten.

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