Jetta TDI Cup USA: Gaststart
Amerikas neue Pioniere

Im Land der NASCAR und Ovalkurse rüsten sich Nachwuchs-Rennfahrer für eine Karriere im Rundstreckensport. Als Tourenwagen-Schule hat sich der Jetta TDI Cup in seiner dritten Saison einen guten Namen gemacht.
Peter Calhouns Daumen liegt auf dem Startknopf der runden Stoppuhr. "Three, two, one, go, go, go!", schreit mir der technische Kommissar des Sports Car Club of America durch die heruntergelassene Seitenscheibe des VW Jetta TDI Cup zu. Ich löse das Gurtschloss, hangle mich so schnell es geht aus dem Cockpit. Ohne bestandenen "Exit-Test" darf hier in Mid-Ohio niemand fahren. Auch ich nicht bei meinem Gaststart im amerikanischen Markenpokal von VW. Nach dem Vorbild der als Lupo Cup begonnenen und mittlerweile zum Scirocco R-Cup mutierten deutschen "Tourenwagenschule" erobern 16- bis 26-jährige Renntalente die Rundkurse Amerikas. Um sich für eine Rennfahrer-Karriere nach europäischer Tradition zu rüsten – ohne auf den so dominanten US-Oval-Kursen zu starten.
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Warum? Das erfahre ich gleich im freien Training am Samstagmorgen. Heylen erklärt die Ideallinie nicht nur, er fährt sie in einem der 170 PS starken Jetta mit 2,0-Liter-Turbodieselmotor auch vor. Und wie! Er legt eine Rundenzeit hin, an der sich seine Schüler das gesamte Wochenende die Zähne ausbeißen werden. 2,919 Sekunden Rückstand habe ich am Ende des ersten freien Trainings auf den Schnellsten, 1,273 sind es nach der Qualifikation. Damit starte ich nur als 20 von 26 Piloten. Respekt: Die ersten 17 Fahrer liegen alle innerhalb einer Sekunde. "In der nunmehr dritten Saison haben wir viele gute Fahrer, die direkt aus dem Kartsport kommen", erklärt Jan Heylen.
Hymne zum Rennstart
Die Mechaniker halten stolz die rechte Hand auf die Brust. Ich stehe in der Startaufstellung. Höre, wie eine weibliche Stimme über die Streckenlautsprecher die amerikanische Nationalhymne anstimmt. Die Ampel springt auf Grün. 7,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h vergehen im Idealfall. Meine Vorderreifen drehen aber nur durch. Die Traktionskontrolle ist nicht aktiviert. Schlecht, bei maximal 350 Nm Drehmoment. Ins Ziel komme ich als 21. "Du bist neuer Rekordhalter! Du warst der Schnellste", lobt mich Kommissar Calhoun. In fünf Sekunden habe ich den "Exit-Test" geschafft, 15 hätten gereicht. Sorgen müssen sich die US-Talente trotzdem nicht machen. Denn auch dafür bekommt der "German guy" keine Punkte.
Drei Fragen an Clark Campbell (43), Motorsport-Direktor VW USA

Der Start war für uns nicht einfach, da Volkswagen seit über 27 Jahren in Amerika keinen Motorsport mehr betrieben hatte. Unser Programm war für Nachwuchs-Fahrer etwas völlig Neues, eine Unbekannte – und damit ein mögliches Risiko. Nach der ersten Saison bekamen wir dann zahlreiche positive Rückmeldungen aus der Motorsport-Industrie. Wir hatten uns einen guten Namen gemacht, waren im zweiten Jahr eine gute Möglichkeit für Fahrer. Für die jetzt laufende dritte Saison haben sehr viele Talente bei uns angefragt. Nach dem Bewerbungsverfahren haben wir so ein sehr starkes Fahrerfeld bekommen.
Was haben Sie denn zu bieten?
Unsere Fahrer können sich durch den Zentraleinsatz sicher sein, dass alle gleiche Chancen haben. Eine Saison kostet 45.000 Dollar (ca. 35 .400 Euro) plus die eigenen Reisekosten und mögliche Unfallschäden. Für ein Jahr im Schaltkart sind dagegen rund 60.000 Dollar (ca. 47.000 Euro) fällig.
Inwieweit profitiert VW?
Wir haben unseren Anteil von Neuwagen mit Diesel-Motor in den USA von 11 auf 27 Prozent in drei Jahren steigern können.
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