Die Inflationsrate in Deutschland liegt aktuell bei zehn Prozent. Nicht nur Heizen und Strom werden teurer, auch für Nahrungsmittel (+21,1 Prozent) und Kraftstoffe (+14,6 Prozent) muss man tiefer in die Tasche greifen, hat das Statistische Bundesamt ermittelt. Und auch Auto-Ersatzteile sind betroffen.

Seit 2013 haben sich Ersatzteile für Autos um durchschnittlich mehr als 53 Prozent verteuert, so eine Studie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Zum Vergleich: Der Verbraucherpreis-Index (VPI), also die Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, ist seitdem nur um 22 Prozent gestiegen (siehe Grafik).
Preisexplosion bei Ersatzteilen Tabelle
Die Grafik des GDV zeigt anschaulich, wie rasant die Preise für Ersatzteile unabhängig von der allgemeinen Preisentwicklung (Inflationsrate) steigen.
Bild: GDV

Pkw-Ersatzteile werden immer teurer

Das heißt: Die Kosten für Pkw-Ersatzteile steigen seit Jahren so rasant und unabhängig von der allgemeinen Preisentwicklung, dass man schon von einer Kostenexplosion sprechen kann. Das liegt vor allem an der verzerrten Wettbewerbssituation. Denn die Hersteller haben fast eine Monopolstellung. Neben dem Styling eines Autos genießen alle sichtbaren Karosserieelemente wie Kotflügel, Scheinwerfer und Türen einen Designschutz.
Die Teilelager der Autobauer sind eine Goldgrube. Seit Jahren steigen die Preise für Ersatzteile konstant an.
Bild: AUTO BILD/Christian Bittmann

Dieser wurde zwar Ende 2020 durch eine Bundestagsentscheidung eingeschränkt und eine sogenannte "Reparaturklausel" eingeführt, doch noch immer haben die Hersteller Möglichkeiten, die Preise zu bestimmen. "Es gibt auf diesem Markt keinen freien und fairen Wettbewerb", klagt GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen. Zwei Beispiele für die Preistreiberei der Autohersteller: Kofferraumklappen wurden seit 2013 um fast 73 Prozent, Rückleuchten sogar um 79 Prozent teurer. Mehr Beispiele in der Tabelle.

Preisentwicklung für Auto-Ersatzteile von 2013 bis 2022*

Preisentwicklung für Auto-Ersatzteile von 2013 bis 2022*
Rückleuchten
144
257
+ 79 %
Kofferraumklappe
478
830
+ 73 %
Seitenwand hinten
480
818
+ 71 %
Stoßfänger hinten
322
515
+ 60 %
Stoßfänger vorne
339
530
+ 56 %
Scheinwerfer
638
994
+ 56 %
Kotflügel vorn
191
294
+ 53 %
Tür hinten
496
753
+ 52 %
Tür vorn
480
724
+ 51 %
Motorhaube
412
609
+ 48 %
Kühler
261
370
+ 42 %
Windschutzscheibe
367
500
+ 36 %

Die gute Nachricht für viele Autofahrer: Es gibt Alternativen. Besitzer von älteren Autos, die aus der Garantiezeit raus sind, können legal mit Nachbauteilen viel Geld sparen. Die Autoindustrie hat sich nämlich freiwillig verpflichtet, eine bestimmte Anzahl freier Teileproduzenten und -händler zu dulden.

Bei laufender Werksgarantie lieber Originalteile verbauen

Um Rechtssicherheit bei Lagerung und Vertrieb von Nachbauteilen zu garantieren, befinden sich die Lager der Hersteller zum Teil im europäischen Ausland. In Belgien etwa ist der Designschutz nicht so streng. Dort sind Nachbauten und deren Vertrieb erlaubt. Aber Achtung: Sind die Autos noch über die Werksgarantie abgedeckt, empfiehlt AUTO BILD eine Reparatur mit Hersteller-Originalteilen, um Ansprüche nicht zu gefährden.
Das Sparpotenzial zu Originalteilen der Hersteller sehen Sie in der Tabelle. Wir vergleichen fünf Ersatzteilpreise eines fünf Jahre alten VW Golf. Basis für die Analyse sind die Schwacke-Preise für das VW-Originalteil. In der Tabelle finden Sie auch exemplarische Preise (inklusive Steuer, ohne Einbau) im freien Handel, einer Werkstattkette und eines Online-Anbieters wie eBay Motors. Ein Beispiel: Der Golf-Kotflügel kostet ohne Einbau beim VW-Händler 260 Euro. Im Internet, etwa bei kfzteile24.de, werden nur 99 Euro fällig. Das ist eine Ersparnis von 161 Euro.

Ersatzteilpreise im Vergleich*: VW Golf VII (Bj. 2017)

Ersatzteilpreise im Vergleich*: VW Golf VII (Bj. 2017)
Rücklicht (LED)****
454 Euro
341 Euro
435 Euro
298 Euro
271 Euro
Stoßfänger vorn
494 Euro
220 Euro
404 Euro
177 Euro
177 Euro
Kotflügel
260 Euro
194 Euro
208 Euro
164 Euro
99 Euro
Tür vorn
555 Euro
361 Euro
444 Euro
162 Euro
162 Euro
Scheinwerfer
319 Euro
217 Euro
284 Euro
232 Euro
236 Euro

Einen schnellen und guten Überblick über verfügbare Ersatzteile und deren Preise bieten Vergleichsportale wie daparto.de. Der Online-Marktplatz für Autokomponenten verspricht im Einzelfall bis zu 80 Ersparnis.
Schrottplätze sind Fundgruben günstiger Ersatzteile für Schrauber und Bastler. Hier können Sie viel Geld sparen.
Bild: AUTO BILD/Frank Stange

Auch gebrauchte Ersatzteile können Sie im Internet kaufen, etwa bei eBay oder unter autoparts24.de. Sparfüchse mit Schrauber-Talent suchen preiswert Ersatzteile beim Autoverwerter. Gerade Besitzer älterer Fahrzeuge können mit gebrauchten Teilen viel Geld sparen. Reparieren kann man entweder zu Hause, in einer Selbsthilfewerkstatt oder sich einen günstigen Reparaturbetrieb suchen.
Wichtig: Schützen Sie sich vor gefälschten Produkten, insbesondere bei sicherheitsrelevanten Teilen wie Bremsbelägen oder Glühlampen. Diese können im Zweifel zum Sicherheitsrisiko werden! Als Faustformel gilt: Bei Preisen weit unter denen von Vergleichsprodukten ist Vorsicht geboten. Hier liegt der Verdacht der Produkt-Piraterie nahe.

Wie unterscheiden sich Ersatzteile?

Es muss nicht unbedingt das Originalersatzteil vom Autobauer sein. Denn auch das produziert meist ein anderer. Fahrzeughersteller fertigen nur etwa ein Viertel der Teile selbst. Der Rest kommt von Zulieferbetrieben und trägt nur das Herstellerlogo. Wichtig: Auf Neuteile gibt es zwei Jahre Gewährleistung, auf gebrauchte Teile mindestens ein Jahr.

Das kleine Teile-ABC

Originalteil: Wird über den Teilehandel des Herstellers vertrieben. Identteil: Entspricht dem Originalteil, trägt nur nicht das Herstellerlogo. Austauschteil (AT): Gebrauchtes Teil. Alle Verschleißspuren werden beseitigt, der Rest durch Bearbeitung annähernd in den Neuzustand versetzt. Nachbauteil: Kann qualitativ besser oder schlechter als das Originalteil sein.

Welche Ziffern helfen bei der Teilesuche?

Preisexplosion bei Ersatzteilen
Diese Ziffern in der Zulassungsbescheinigung Teil 1 helfen bei der Teilesuche im Internet: Unter Punkt 1 finden Sie die Herstellernummer (HSN), unter Punkt 2 die Typschlüsselnummer (TSN).
Bild: AUTO BILD Montage

Die Herstellerschlüsselnummer (HSN) mit vier Ziffern und die Typschlüsselnummer mit drei Ziffern/Buchstaben aus der Zulassungsbescheinigung Teil 1 identifizieren den genauen Fahrzeugtyp und helfen bei der Teilesuche im Internet.

Fazit

Reparaturen müssen nicht zwingend beim Hersteller ausgeführt werden, eine freie Werkstatt repariert oft preiswerter. Und: Die Suche im Umland lohnt sich in größeren Städten. Preisvergleiche haben gezeigt, dass auf dem Land fast immer billiger repariert wird. Wenn möglich, Festpreis vereinbaren.