Kfz-Kennzeichen: Kampf um Ortskürzel
Die Schild-Bürgerbewegung

Überall in Deutschland fordern Städte ihr eigenes Nummernschild. Der Kampf ums Kennzeichen ist mehr als nur Lokalpatriotismus: In Zeiten der Globalisierung ist das Ortskürzel ein modernes Stadtwappen.
Bild: Angelika Emmerling
- Claudius Maintz
Jens Matros kennt sie alle: jedes der 26 Autos im Ennepe-Ruhr-Kreis (EN), die noch WIT für Witten im Schilde führen. Und er lässt sie nicht aus den Augen. Denn sobald einer der Klassiker mit dem bis 1974 ausgegebenen Nummernschild abgemeldet wird, verfällt die alte Nummer. "Das möchte ich verhindern", sagt Matros. Am einfachsten geht das durch Kauf: Der Kennzeichen-Schutzpatron besitzt drei Oldtimer und einen Anhänger – um das ihm so heilige Blech darauf zu retten. Gut möglich, dass Matros sein Kennzeichen-Erhaltungsprogramm bald einstellt. Wittens Stadtrat hat nach Bürgerprotesten die Rückkehr des alten Kürzels WIT beschlossen – und wartet nun auf die Zustimmung von Kreis und Land.
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Bild: Angelika Emmerling
Kennzeichen selbst wählen
In Schwäbisch Gmünd haben sechs Städte-Vertreter die sogenannte Gmünder Erklärung unterzeichnet, in der sie eigene Ortskürzel fordern. "Das Nummern- ist wie ein Namensschild am Haus. Nichts hört der Mensch so gern wie seinen eigenen Namen", sagt Stadtrat Thomas Hilsberg. Es gehe auch um Emanzipation gegenüber der Stadt Aalen (AA). "Wir wollen mit denen auf Augenhöhe sein", so Hilsberg. Oberbürgermeister Richard Arnold (CDU): "In einer globalisierten Welt ist das von uns gewollte GD ein Stück Heimat, eine Marke." Der Politiker will noch mehr: Im Ostalbkreis soll jeder – unabhängig vom Wohnort – zwischen GD oder AA entscheiden können.
Weg mit Sado-Maso-Kennzeichen
So weit will Buko Meißner aus dem thüringischen Meiningen nicht gehen. Der Stadtangestellte kämpft mit Aufklebern und bedruckten Kennzeichenhaltern ("Europas Porno-Zeichen") gegen das aus seiner Sicht schlüpfrige Nummernschild SM. Das heißt eigentlich Schmalkalden-Meiningen – und nicht Sado-Maso. Im hessischen Wetzlar stehen die Zeichen auf WZ. Bürgermeister Helmut Lattermann hat 20.000 WZ-Aufkleber in Briefkästen geworfen, 79 Prozent der Einwohner wollen nicht mehr LDK für Lahn-Dill-Kreis am Auto haben.
Entscheidung liegt bei Städten
Hessens Verkehrsminister Dieter Posch (FDP): "Wenn es der Wunsch einer Stadt und ihrer Bürger ist, das bei einer kommunalen Neugliederung verlorene Kennzeichen wiederzuerhalten, unterstützen wir das voll und ganz. Voraussetzung ist, dass dies keinen zusätzlichen Verwaltungsaufwand – etwa durch die Einrichtung einer neuen Zulassungsstelle – verursacht." Mecklenburg-Vorpommerns Verkehrsminister Volker Schlotmann (SPD): "Die Entscheidung liegt bei den Städten selbst." Die Zeichen der Zeit – die Politik hat sie anscheinend erkannt.
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