Der Dummy im Kindersitz simuliert ein typisches Kita-Kind, ist nur weniger zappelig. Exakt 14,59 Kilo schwer und 98,6 Zentimeter groß. Irgendwie niedlich, der Kleine. Doch hier geht's nicht um Spiel und Spaß. Hier geht es um Kindersicherheit und Crashversuche. Darum kümmert sich auch keine Erzieherin um den Kleinen, sondern Ingenieur Florian Schaff.
Der Experte arbeitet unter dem grellen Licht des Versuchslabors von Sitzhersteller Cybex in Bayreuth. "Q3" nennt er die Testpuppe in der nüchternen Sprache der Techniker. Knapp 20 Minuten braucht er, um sie samt Sitz auf den Test-Schlitten zu montieren. Der Sitz kostet 749 Euro, Q3 hingegen 180.000 Euro. Inklusive der fünf Sensoren, die Belastungskräfte an verschiedenen Körperregionen messen. Das ist Hightech vom Feinsten. Ähnliches findet man bestenfalls bei DEKRA und TÜV.

Zehnmal so viele Tests wie mit konventionellen Sitzen

Kein Wunder also, dass die Cybex-Entwickler sich hohe Ziele stecken. Bei ihrem aktuellsten Produkt, dem Anoris T i-Size, war die Maxime ein Superlativ: den sichersten Kindersitz der Welt konstruieren. Und der konnte nach Ansicht des Entwicklerteams nur ein Modell mit Airbag sein. Für den Auslöse-Algorithmus waren ausschließlich promovierte Physiker verantwortlich. Er wird gehütet wie ein Staatsgeheimis; nur vier Cybex-Mitarbeiter kennen ihn.  
Cybex-Labor
Im Cybex-Labor können mit vier Testschlitten alle gängigen Crashversuche auf der Anlage gefahren werden.
Bild: Hersteller
Die Geheimniskrämerei liegt auf der Hand. "Der Sitz ist eine Revolution. Heute kann sich niemand mehr vorstellen, ein Auto ohne Airbag zu kaufen. Ähnlich wird es mit Kindersitzen sein", ist Cybex-Entwicklungschef Franz Peleska überzeugt.
Zehnmal so viele Tests wie mit konventionellen Sitzen hat sein Team auf der Crashbahn absolviert, um in die Berechnungen auch die sogenannten Nicht-Unfallsituationen einfließen zu lassen. Der Algorithmus rechnet 1000-mal pro Sekunde alle Eventualitäten eines Unfalls durch. Kommt es zu einer Gefährdung des Kindes oder nicht? Ein gelbes Rundumlicht leuchtet auf.

Die Kräfte, die beim Crash auf den Körper wirken, werden halbiert

Zusätzlich signalisiert ein Warnton den Testbeginn. Spezialist Florian Schaff blickt durch eine Scheibe auf die Anlage: Plötzlich schießt der Sitz los. "Ein Frontcrash aus 80 km/h" heißt das Szenario. Es folgt ein leiser Knall. Der Airbag im Brustkissen zündet und fängt den Dummy sanft ab. Das war's. 
Die ganze Dramatik wird erst beim Blick auf den Slowmotion-Film und Schaffs Erklärungen deutlich: Die Membran an der Spitze der Zündkapsel schmilzt. Dann füllt Gas in zehn Millisekunden den Luftsack.
Der Bag ist aufgeblasen, bevor sich der Dummykörper nach vorn bewegt. Ein Kind wird so von den Knien bis zum Kopf geschützt. "Und die Kräfte, die auf den Körper wirken, werden halbiert", erklären die Cybex-Experten.
Q3 interessiert das alles nicht. Er sieht aus wie vor dem Test. Das lässt hoffen, dass auch echte Kinder im Anoris T i-Size bald doppelt so sicher mitfahren wie in herkömmlichen Kindersitzen.

Fazit

von

AUTO BILD
Hightech made in Germany: Cybex zeigt eindrucksvoll, was in Sachen Sicherheit machbar ist. Die Ingenieurskunst überzeugt im Detail und an der richtigen Stelle – nämlich bei der Sicherheit unserer Kinder.