Kombis mit Power im Test
E 63 AMG verlädt M5 und RS 6

Generöse Laderäume und Beschleunigungswerte im Bereich von 4,5 Sekunden. Genau, braucht kein Mensch. Trotzdem schön, dass es sie gibt. Mercedes E 63 AMG T, Audi RS 6 Avant und BMW M5 Touring im Vergleich.
- Stefan Helmreich
Erinnern Sie sich noch ans Autoquartett-Zocken? Damals vor 20 Jahren mit den Grundschulkameraden im Stockbett? Wenn man einen Kombi hatte, konnte man doch gleich abschenken. Hubraum: selten mehr als 2000 Kubik; Leistung: kaum über 100 PS; Zylinder: fast immer vier. Es war wie verhext: egal ob Opel Rekord Caravan, VW Passat Variant oder Ford Sierra Turnier, man wurde sogar von den halbgaren Japancoupés versohlt. Was Mitte der Achtziger aber auch kein Wunder war; Kombis wurden nicht begehrt, sondern gebraucht. Von Metzgern, Blumenhändlern und Handwerkern, die von Berufs wegen kalte Platten, Hochzeitsgestecke oder Reparaturkits für Waschmaschinen herumkutschieren mussten. Heute ist das anders. Kombifahren ist trendy und längst kein Indiz mehr für raumgreifende Berufe oder Wildwuchs im Stammbaum.
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Bild: Ronald Sassen
Der Audi RS 6 gibt sich trotz mächtigem V10 akustisch zurückhaltend

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Beeindruckend ist aber vor allem die Beiläufigkeit, mit der ein RS6 in Temporegionen vordringt, die fast überall ein sofortiges Ende der Führerscheinkarriere zur Folge haben. Wenn die Tachonadel in 14,2 Sekunden von 0 auf 200 schnalzt, kommt man sich ein bisschen vor wie bei einem dieser Apokalypse-Blockbuster im Kino. Um einen herum reißt es die Erde hinweg, man selbst fläzt sich im Ledersessel, schlürft Cola und tätschelt der verschreckten Sitznachbarin den Oberschenkel. Anders der M5 Touring. Er wirkt weniger aufgepumpt, dafür athletischer und trotz 507-PS-Zehnzylinder bei der Kraftentfaltung nicht ganz so surreal. Während sich das Drehmomentreservoir des Audi-V10 bei 1500 Umdrehungen im Stile einer Staudammsprengung entleert, öffnet sich die Kraftschleuse zwischen Triebwerk und Hinterachse beim BMW kontinuierlich mit steigender Drehzahl. Was jetzt allerdings dröger klingt, als es sich anfühlt. Nicht nur, dass sich der M5 mit seinem hartmetallischen Soundtrack für immer in den körpereigenen Charts abspeichert.
Der BMW M5 Touring nimmt es mit dem Hochdrehzahlkonzept sehr ernst

Bild: Ronald Sassen
Weitere Details zu den drei deutschen Power-Kombis finden Sie in der Bildergalerie. Den kompletten Test-Vergleich können Sie sich bequem als PDF herunterladen.
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