E-Auto-Batterien immer günstiger
Kosten für E-Auto-Akkus sinken unter magische Grenze

Bild: Mazda Motor Corporation
Die Zeit arbeitet für das E-Auto: Der Preis für sein wichtigstes Bauteil, den Speicherakku, ist dramatisch gefallen – und er wird weiter sinken, glauben Experten. Die teuren Batterien waren lange Zeit der Grund für den Preisabstand vom Elektroauto zum Verbrenner. Doch Lithium-Ionen-Akkus werden immer billiger. 2024 wurde die Preisgrenze von 100 US-Dollar für eine Kilowattstunde Speicherkapazität unterschritten, hat die Internationale Energie-Agentur (IEA) berechnet.
Die Preise sinken aktuell dramatisch weiter: Die Preisberichtsagentur Benchmark Mineral Intelligence meldete im September 2024 schon durchschnittliche Kosten für Lithium-Ionen-Batterien von 66,5 US-Dollar (aktuell 60,50 Euro) für die Kilowattstunde Batteriekapazität, das ist ein weiteres Absinken von fast 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für die günstigen Lithium-Eisenphosphat-Batterien (LFP-Akkus) werden sogar nur 60 US-Dollar für die Kilowattstunde Kapazität errechnet. Auf dieser Basis würde ein 60-kWh-Akku nur noch 3600 Dollar (3273 Euro) kosten.
Wie stark die Energiespeicher sich bereits in der Vergangenheit verbilligt haben, zeigt eine Analyse des US-Energieministeriums. Die Behörde schätzte die Kosten einer Kilowattstunde Speicherkapazität in Lithium-Ionen-Batterien aus dem Jahr 2008 auf 1415 Dollar – nach heutigem Geldwert. Der aktuell berechnete Wert liegt deutlich unter der magischen Grenze von 100 Dollar. Damit sind die Preise von Traktionsbatterien für E-Autos innerhalb der vergangenen 16 Jahre um über 92 Prozent gesunken! Der aktuelle Wert wird von Experten als Schwellenwert für erschwingliche E-Autos gesehen.
Welche Fortschritte bei der Batterietechnik erzielt wurden
Warum werden Traktionsakkus billiger? Die Internationale Energie-Agentur zählt hierfür einige Faktoren auf. So sei der Weltmarktpreis für Lithium als wichtigstem Rohstoff für die Zellchemie seit 2022 um 85 Prozent gesunken. Auch die Kostenskalierung durch wachsende Nachfrage und darauf reagierende Massenfertigung spielt eine Rolle: 2024 produzierte die Batteriebranche Speicherkapazitäten im Umfang von einer Terawattstunde (eine Milliarde Kilowattstunden), während im selben Jahr Produktionsmittel für drei Terawattstunden entstanden.
Bis 2030, schätzt die IEA, könnten sich die Produktionskapazitäten sogar verdreifachen. Die Preise für Elektroauto-Akkus dürften also weiter fallen. Gemäß der letztjährigen Analyse des US-Energieministeriums werden als Gründe für den Preisverfall auch verbesserte Fertigungsmethoden sowie technische Fortschritte in der Batterietechnologie als auch der Zellchemie genannt.

Mit dem e-Golf brachte Volkswagen 2014 erstmals ein elektrisches Pendant zum konventionellen Kompakten mit Benzin- und Dieselmotor.
Bild: Toni Bader / AUTO BILD
Frühe e-Golf-Modelle kosteten doppelt so viel wie der Verbrenner-Golf
Ein einfacher Preisvergleich macht diese Berechnung anschaulich: 2014 brachte Volkswagen den ersten e-Golf, anfangs mit einem 24,2 kWh großen Lithium-Ionen-Akku. Das ist angesichts heutiger Akkugrößen in Elektroautos ein kaum mehr ernst zu nehmendes Format. Der erste kompakte Elektro-VW in Großserie kostete zum damaligen Kaufzeitpunkt mindestens 34.900 Euro.
Einen konventionellen Verbrenner-Golf mit 1,2 Liter großem Benzinmotor gab es damals für fast die Hälfte des Preises, ab 16.975 Euro. Zehn Jahre später ist der preisliche Abstand zwischen Verbrenner-Golf und dem Elektro-Kompakten ID.3 – Nachfolger des e-Golf – auf knapp zehn Prozent geschrumpft. Und der Stromspeicher im Elektroauto ist mit 52 kWh mehr als doppelt so groß wie der im ersten e-Golf.
Welche Rolle spielt der Akku-Produktionsstandort China?
Drei Viertel der globalen Akkuproduktion befinden sich derzeit in China. 2024 sanken die Batteriepreise auf diesem Markt um 30 Prozent – schneller als irgendwo sonst auf der Welt, stellt die Internationale Energie-Agentur fest. Damit unterbieten chinesische Akkuhersteller derzeit ihre Konkurrenten in Europa um 30, die in Amerika um 20 Prozent.
Für diese höhere Wirtschaftlichkeit sieht die IEA vier Wettbewerbsvorteile Chinas:
- Inzwischen wurden etwa 70 Prozent aller je für Elektroautos produzierten Akkus in China gebaut, wodurch die dortige Industrie einen immensen Erfahrungsschatz angehäuft hat.
- Auch hätte die Branche in China Zugang zu Rohstoffen unterhalb des Marktpreises.
- Überdies könnten sich die Unternehmen in China auf eine hohe Fertigungstiefe stützen, die Wertschöpfung bleibt im Land.
- Letztlich konzentrierte sich die chinesische Industrie auf den preisgünstigeren Lithium-Eisenphosphat-Akku – zu einem Zeitpunkt, als viele Hersteller dieses Konstruktionsprinzip aufgrund seiner geringeren Energiedichte noch für ungeeignet hielten. Auch hier sammelten chinesische Hersteller eine immense Erfahrung. Inzwischen nutzen rund die Hälfte aller E-Auto-Akkus Lithium-Eisenphosphat-Zellchemie.
Mit all diesen Punkten habe sich die chinesische Branche zuletzt durch langen, unerbittlichen Wettbewerb auf dem Heimatmarkt gestählt für internationale Preiskämpfe, so die IEA.
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