Mit einigen Tagen Verspätung treibt der Krieg zwischen Israel und dem Iran die Spritpreise an deutschen Tankstellen: Gegenüber Freitagmorgen notierte Diesel an einer Referenztankstelle massive 16 Cent pro Liter höher! An der Preistafel neben den Zapfsäulen sprang der Literpreis auf 1,65 Euro. Damit kostet eine Tankfüllung von 60 Litern satte 9,60 Euro mehr als Ende vergangenen Woche.
Ähnlich beim Benzin: Der Literpreis für Super E10 kletterte um 14 Cent von 1,62 Euro auf 1,76 Euro! Hier fällt das Plus pro Tankfüllung etwas geringer aus, mit 7,80 Euro wird das Tanken von 60 Litern aber auch beim Benzin immens teurer. Der Preis für Super plus klettert mittlerweile sogar wieder Richtung zwei Euro, stand zuletzt bei 1,90 Euro/Liter. Damit rückt ein Spitpreis von 2 Euro wieder in den Rahmen des Möglichen.
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Minutengenauer Spritpreis-Check

So steht der Spritpreis an Tankstellen in der Umgebung!

Preis-Check

Preiswelle erreicht die Tankstellen in Deutschland

Nun schwappt die Preiswelle vom Ölpreis also an die Tankstellen in Deutschland, wie meist mit einem Abstand von rund drei Tagen: Am vergangenen Donnerstag (12. Juni 2025) war das Barrel (159 Liter) des Nordseeöls Brent noch für 69 US-Dollar zu haben. Seitdem stieg der Preis auf 77 US-Dollar, sank immerhin auf zuletzt bei 74 US-Dollar (16. Juni 2025). Aber aktuell liegt Öl weiterhin zehn, zwölf Prozent über dem Niveau Mitte der Vorwoche.
Der Preisanstieg ist nach Einschätzung der Deutschen Bank der größte seit der Corona-Krise 2020. Macht der Ölpreis dauerhaft das Tanken teurer, wo wir uns zuletzt doch an moderate Spritpreise gewöhnt hatten? Womit ist aktuell und mittelfristig zu rechnen? Droht jetzt beim Ölpreis ein Albtraumszenario? Experten befürchten einen Anstieg auf bis zu 100 US-Dollar pro Barrel.

Warum Diesel teurer wird als Benzin

Stärker als der Benzinpreis noch reagierte der Dieselpreis, da Diesel stärker am Weltmarkt gehandelt wird und intensiver auf kurzfristige Marktveränderungen reagiert. Mit Blick auf die aktuelle Entwicklung behielt ADAC-Sprecher Andreas Hölzel recht, als er vorhersagte, dass die Mineralölkonzerne den gestiegenen Ölpreis an die Autofahrer weitergeben würden.
Tankstellentafel mit Diesel- und Benzinpreis in Hamburg-Osdorf, 16. Juni 2025
Teuer ist das neue Normal: Der Krieg zwischen Israel und Iran verteuert den Sprit, der Liter Diesel kostete zuletzt knapp 1,65 Euro, Benzin E10 knapp 1,75 Euro (Stand: 16. Juni 2025 8.50h).
Bild: Matthias Brügge/AUTO BILD

Wie geht es weiter mit dem Ölpreis – und mit Sprit?

Am wichtigsten ist, wie es jetzt weitergeht im Krieg in Nahost und mit dem Ölpreis. Aktuell sieht es so aus, als würden die offenen Luftschläge von Seiten Israels und Iran die Spannung kurzfristig erhöhen. Ein längerer Krieg zwischen Iran und Israel hätte geopolitische wie finanzielle Folgen. Aktuell bekommen die Autofahrer den Preisanstieg beim Tanken zu spüren. Ob der Spritpreis weiter steigt? Droht jetzt beim Ölpreis ein Albtraumszenario? Experten befürchten einen Anstieg auf bis zu 100 US-Dollar pro Barrel.
Tankstellentafel mit Diesel- und Benzinpreis in Hamburg-Osdorf, 13. Juni 2025
Ein Bild vor dem massiven Anstieg des Ölpreises: 1,49 Euro für Diesel und 1,62 Euro für den Liter Benzin waren der Stand am 13. Juni 2025, 9:50 Uhr.
Bild: Matthias Brügge/AUTO BILD

Wie wichtig ist die Straße von Hormus?

In der Vergangenheit hatte der Iran schon mit dem Schließen der strategisch wichtigen Meerenge gedroht. Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman. Würde der Iran diese Meerenge verschließen, hätte das Auswirkungen auf die Versorgung der Welt mit Energie. Durch die Meerenge wird rund ein Fünftel der weltweiten Öltransporte transportiert. Es sind täglich rund 21 Millionen Fass Rohöl, schätzen Analysten. Zum Vergleich: Der Iran fördert täglich 1,6 Millionen Barrel. Aber noch wichtiger ist LNG: Etwa ein Viertel der weltweiten Lieferströme am verflüssigten Gas geht durch die Meerenge.

Welche Rolle spielt die Einschätzung der Lage?

Am Rohölmarkt spielt neben der politischen Konfliktlage auch die Einschätzung der Marktteilnehmer eine große Rolle. Zunächst gingen am Freitag (13. Juni) die Aktienmärkte in die Knie, in Deutschland sank der Marktindex DAX auf ein Dreiwochentief, erholte sich im Montagshandel aber wieder. Der Goldpreis stieg deutlich an.
Konkret würde ein Ausfall der iranischen Ölförderung keine große Bedeutung haben. Der Iran gehört zwar zu den zehn größten Ölförderländern der Welt, aber ein Großteil des Öls geht nicht in den Westen, sondern nach China. Nach Ansicht des ADAC könnte aber schon die Sorge vor einer dauerhaften Zuspitzung der Situation im Nahen Osten den Ölpreis und damit die Spritpreise steigen lassen.

Welche Gefahren drohen für die Weltwirtschaft?

Die größte Gefahr durch einen steigenden Ölpreis ist eine Wechselwirkung mit der Inflation: Steigende Ölpreise befeuern die Preissteigerung bei allen Energieprodukten, was wiederum die Produktion aller Güter weltweit betrifft. Damit steigt die Inflation, das aktuelle Wachstum der Wirtschaft würde erstickt. "Es steigt die Wahrscheinlichkeit einer globalen Stagflation", warnte der Chefvolkswirt der Hamburg Commercial Bank, Cyrus de la Rubia, gegenüber Reuters.

Wie wichtig ist die Geschichte?

Die Vergangenheit – etwa die islamische Revolution 1979 oder der Iran–Irak‑Krieg in den 1980ern – hat gezeigt, dass eine Instabilität beim Marktpreis reicht, um wahre Benzinpreisschocks auszulösen – auch wenn es keine Lieferengpässe gibt. Historisch stiegen Ölpreise damals stark, das machte den Sprit in Deutschland spürbar teurer. Die aktuelle Situation bestätigt, dass politische Spannungen im Nahen Osten sich unmittelbar und spürbar an der Tankstelle bemerkbar machen – oft schon allein durch die Furcht vor Eskalationen.
Die aktuelle Krise lässt die Alarmglocken schrillen, aber nach einen kurzen Preisgipfel sank der Ölpreis wieder etwas. Ein länger anhaltender, hoher Ölpreis würde die Inflation befeuern. Ein weiterer Aspekt wäre, dass Russland mehr Geld durch Ölexporte scheffelt – und den Angriffskrieg gegen die Ukraine weiter finanzieren kann. Wenn aber die aktuelle Krise dazu führt, dass der Iran vom Bau von Atomwaffen abrückt, dann wäre all das in neuem Licht zu sehen.