Auf manche Autos wartet man mit besonderer Vorfreude. Der KTM X-Bow gehörte zu dieser Sorte, sein Aussehen machte Appetit. Besonders lecker: Dallara als Enticklungspartner, Kohlefaser-Monocoque, Rennsport-Technik und 240 PS bei rund 800 kg. Klang wie eine Verheißung, die Erfüllung eines Sportfahrertraums: ein Renngerät mit Straßenzulassung. Fahren pur.
Dann stand das scharfe Teil mit der Optik eines riesenwüchsigen Karts endlich da. Es war ein heißer Sommertag am Nürburgring, an dem das zerklüftete Batmobil auf zwei ähnlich geartete Kollegen traf: den Ariel Atom und den Lotus 2-11.
Schnell war klar: Der KTM hielt, was er versprach. Solide gebaut, gut verarbeitet, die Sitzposition passte, wenn man sich erst mal in den türlosen Innenraum eingefädelt hatte. Lenkrad und Pedalerie sind verstellbar, die Sitze dafür fest mit dem Kohlefaser-Monocoque verbunden.
KTM X-Bow RR
Der Fahrer legt den Kopf in die Kurve, der KTM KTM bleibt fast waagrecht. Die Front blickt böse – der X-Bow könnte auch im nächsten Transformers-Film mitspielen.

Den ersten Blick aus der Flunder werde ich nicht vergessen: Vorn ein Stummelscheibchen, seitlich die Insektenfühler-Außenspiegel, vorn schaute ich auf die frei liegende, verstellbare Pushrod-Feder-/Dämpfer-Einheit – und fühlte mich wie in einem Formel-Auto.

X-Bow schafft seine eigene Welt

Dann drückte ich den Startknopf in der Mittelkonsole, legte über den gut positionierten Schalthebel den Ersten ein – und schoss in eine andere Dimension. Kein Supersportler vermittelt mehr Nähe zur Straße, keiner schließt eine engere Verbindung zum Fahrer – der X-Bow (sprich: Crossbow = Armbrust), schafft seine eigene Welt.
KTM X-Bow RR
Über den Ur-X-Bow aus dem Jahr 2008 geht diese hochgezüchtete Sonderedition von Teichmann-Racing weit hinaus.

Nach zwei, drei Kurven kam ich aus dem Frohlocken über das direkte Fahrgefühl nicht mehr heraus. Nach zwei, drei Runden dachte ich wegen der extremen Kurventempi, der Physik ein Schnippchen schlagen zu können. Und dann meldete sich die Realität mit einem Dreher, der wegen des Mittelmotors so schnell kam, dass ich ihn kaum parieren konnte.
Frisch verknallt machte ich mich auf den Rückweg. Es goss aus Eimern. Eine erste Beziehungsprobe. Die Liebe hält bis heute.

Technische Daten: KTM X-Bow RR

Motor: R4, Turbo, Mitte hinten quer
Hubraum: 1984 cm3
Leistung: 221 kW (300 PS) bei 6400/min.
Max. Drehmoment: 420 Nm bei 3200/min.
Antrieb: Hinterrad/6-Gang manuell
L/B/H: 3738/1915/1202 mm
Leergewicht: 790 kg
0-100 km/h: 3,9 s
Spitze: 231 km/h
Verbrauch: 8,3 l SP
Preis: 69.967 Euro (2008)

Fazit

Wie man es auch wendet: Der KTM X-Bow ist ein perfektes Spielzeug für die Rennstrecke, sonst nichts. Er bringt Fahrspaß auf höchstem Niveau, fordert und weckt die Leidenschaft jedes ambitionierten Fahrers.