Das Leben ist manchmal unfair. Auch zu Testwagen. Und deshalb bleibt der La Strada Avanti F nicht nur für seine feine Verarbeitung und die vielen trickreich verteilten Stauräume in Erinnerung, sondern für einen blöden Druckfehler in der Bedienungsanleitung eines Zulieferteils. Einen Fehler allerdings, der Ehen in die Krise stürzen kann. Dann nämlich, wenn in kühlen Frühlingsnächten plötzlich die Truma-Heizung kalt wird. Aha, lesen wir, Fehlercode E 212H, Abluftleitung verschmutzt oder verstopft. Also raus in die Nacht, nachgesehen und nichts gefunden. Heizung neu gestartet. Und wieder aus. Der Morgen graut, als sich unter der Truma-Notdienstnummer ein ausgeschlafener Servicetechniker meldet und empfiehlt, doch einfach die Gasflasche zu wechseln. "Das Handbuch stimmt nicht, da ist uns die Zeile verrutscht."
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Wenig zu meckern: Die Defekte halten sich in engen Grenzen

La Strada Avanti F
Zwischen Norwegen und Südfrankreich spult der Avanti F in neun Monaten 23.000 Kilometer ab – und versteht es, seine Tester zu überzeugen.
Drei La-Strada-Benutzern ist das während des Dauertests passiert. Jeder fragte sich, wie Perfektionisten, die – mit Extras – über 60.000 Euro für einen Luxus-Kastenwagen hingelegt haben, auf groben Unfug im Handbuch reagieren. Und Perfektionisten werden es wohl sein, die sich das hessische Wohlfühl-Produkt hinstellen. Solche, die auch zu Hause keine Möbel aus dem Discounter stehen haben und deshalb gerne in die gediegenen Oberflächen und ebenmäßigen Fugen eines La Strada investieren. Enttäuscht werden sie im Zusammenleben mit dem Luxus-Kasten nicht, wie neun Dauertest-Monate und 23.000 Kilometer zeigten. Die Defekte passen auf eine halbe Seite des Fahrtenbuchs, und der erste geht auf das Konto des Basis-Ducato: Ein loser Unterdruckschlauch bei Kilometerstand 2098 lässt den 148-PS-Motor ins Notlaufprogramm fallen – das nervt, kann aber jedem Hersteller passieren. Bei Kilometer 15.400 fliegt in der Nähe von Pilsen (Tschechien) das Lüftungsgitter des Kühlschranks weg– kein Wunder, das Dometic-Zulieferteil wirkt so haltbar, als sei es aus recycelten Joghurtbechern gepresst. Ausgerechnet vor dem Bauhaus in Dessau bricht ein Arretierungshaken des Esstischs; die Reparatur bei einem freundlichen Camping-Spezialisten vor Ort kostet einen Zehner für die Kaffeekasse. Und gegen Testende öffnet sich bei Kurvenfahrt öfter mal die Schublade unter dem Kühlschrank. Mehr fällt nicht auf, während der La Strada durch Schottland und Norwegen tourt, durch die Pfalz und an die Ostsee schaukelt, an den Neusiedler See und zuletzt ganz in den Süden Frankreichs.

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La Strada Avanti F
La Strada Avanti F
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Kamera
La Strada Avanti F im Wohnmobil-Dauertest

Hochdach und doppelter Ladeboden: Viel Gepäck ist kein Problem

La Strada Avanti F
Familien mit Fernweh sind hier gut aufgehoben. Auch die Küche bietet genügend Stauraum und Arbeitsfläche.
Besonders gefragt ist der Avanti F erstaunlicherweise nicht bei Familien, sondern bei Freunden der Fahrdynamik und des gehobenen Reiseschnitts. Das Gedächtnis der Navigation speichert, dass der Schnellste von ihnen mit 166 km/h unterwegs ist. Den meisten anderen reichen jene 130 km/h Reisetempo, deren Akustik noch Familiengespräche zulässt. Im Schnitt bleibt der Testverbrauch aber moderat: 10,9 Liter. Mit vier Personen ist der Redaktionswagen öfter unterwegs. Das geht besser als von manchen Reisenden gedacht, weil Superhochdach und doppelter Ladeboden überhaupt keinen Verzicht beim Gepäck fordern. Auch die Küche bietet genügend Stauraum und Arbeitsfläche für die Verköstigung kleiner Gruppen. Der tägliche Umgang mit dem Hubbett hingegen braucht Gewöhnung: Wer die vordere Liegefläche nach unten zieht (das geht sehr einfach), muss vorher die Leiter zum Ausstieg aus dem schmalen Schrankfach gefingert haben (das ist ziemlich fummelig). Und wer morgens auf Knien den Kaffee unterm runtergeklappten Hochbett kocht, in dem die Kinder schlafen, denkt doch kurz an einen Alkoven. Wenigstens so lange, bis er den La Strada auf der linken Spur der A7 oder auf den engen Landstraßen Südböhmens wieder mag.

Traumhaft schlafen: Viel Lob für die Matratzen

Geschlafen haben alle gut im La Strada, speziell auf den tellergefederten Kaltschaummatratzen im Heck. Im Hubbett fühlen sich auch lange Erwachsene wohl, aber sie müssen erst mal reinkommen – kleine Kinder lachen sich bei dem Anblick kaputt. Und duschen will im Dauertester fast keiner: Vielen Benutzern ist das Bad schlicht zu klein. Sonst gibt es nicht viel, was fehlt. Das bisschen aber ist erstaunlich: Es gibt nur zwei Handtuchhaken im Avanti, eine einsame Steckdose am Küchenblock und keinen USB-Anschluss. Alles Kleinigkeiten, aber sie bleiben in Erinnerung: als einzige Verzichterklärungen eines sonst großzügigen Urlaubsautos.

Fazit

von

Christian Steiger
Wenn's schneller gehen soll und auch mal in die Stadt, dann ist der Avanti F ideal für Familien mit Fernweh. Bis aufs kleine Bad und den Platzverlust bei abgesenktem Hubbett fordert er keinen Verzicht. Und auch das zeigt der Dauertest: Detailqualität und Funktionsschliff halten dem intensiven Familienleben stand.

Von

Christian Steiger