Öffentliche Ladesäule

Ladestation für E-Autos: Zu wenig Ladepunkte, Verteilung, Hamburg, Berlin

Die Zahl der E-Autos wächst schneller als die der Ladestationen

Die Zahl der E-Autos wächst schneller als die der öffentlichen Ladesäulen! Resultat: Immer mehr Autos müssen sich eine frei zugängliche Ladestation teilen. An diesen Orten gibt's die meisten Ladepunkte pro E-Auto.
Was sind die größten Bremsklötze beim Umstieg von Diesel oder Benzinern auf ein E-Auto? Die Reichweitenangst und die Furcht, die Akkus nicht aufladen zu können. Nun drängen immer mehr neue E-Autos und Plug-in-Hybride auf deutsche Straßen, doch hält auch die Zahl der Ladepunkte mit? Eher nicht, zeigt das neue Ladenetzranking des Verbandes der Automobilindustrie (VDA): Danach gibt es in Deutschland aktuell 41.751 öffentlich zugängliche Ladepunkte (laut Bundesnetzagentur 35.845 Normal- und 5906 Schnellladepunkte).
In der Ladesäulenkarte werden Ladestationen von Betreibern aufgeführt werden, die das Anzeigeverfahren der Bundesnetzagentur abgeschlossen und einer Veröffentlichung im Internet zugestimmt haben. Daher könnte die Zahl mittlerweile ein wenig größer sein. Doch es bleibt der Fakt: Im Schnitt teilen sich 17 E-Pkw eine Ladesäule. Im November 2020 waren es noch 13, eine klare Verschlechterung der Ladeinfrastruktur.

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Das VDA-Ranking setzt die Zahl der E-Autos in 400 Städten und Kreisen ins Verhältnis zur vorhandenen Ladeinfrastruktur. In Sachsen sieht es am besten aus: 9,9 E-Autos teilen sich eine Ladesäule. In Hessen jedoch "stauen" sich 19,9 E-Autos pro Ladesäule.

Ranking: So viele E-Pkw teilen sich einen Ladepunkt

1. SACHSEN

9,9 E-Pkw pro Ladepunkt (15.141 Kfz bei 1.532 Ladepunkten)

2. SACHSEN-ANHALT

10,1 E-Pkw pro Ladepunkt (6.831 Kfz bei 677 Ladepunkten)

3 THÜRINGEN

11,2 E-Pkw pro Ladepunkt (9.621 Kfz bei 861 Ladepunkten)

4. BREMEN

11,2 E-Pkw pro Ladepunkt (3.520 Kfz bei 313 Ladepunkten)

5. HAMBURG

11,9 E-Pkw pro Ladepunkt (14.367 bei 1.212 Ladepunkten)

6. MECKLENBURG-VORPOMMERN

12,6 E-Pkw pro Ladepunkt (4.989 Kfz bei 395 Ladepunkten)

7. SCHLESWIG-HOLSTEIN

13,0 E-Pkw pro Ladepunkt (19.853 Kfz bei 1.526 Ladepunkten)

8. BRANDENBURG

13,7 E-Pkw pro Ladepunkt (11.161 Kfz bei 815 Ladepunkten)

9. BERLIN

13,8 E-Pkw pro Ladepunkt (18.197 Kfz bei 1.323 Ladepunkten)

10 BAYERN

14,0 E-Pkw pro Ladepunkt (111.619 Kfz bei 7.978 Ladepunkten)

11. NIEDERSACHSEN

14,6 E-Pkw pro Ladepunkt (62.353 Kfz bei 4.261 Ladepunkten)

12. RHEINLAND-PFALZ

15,5 E-Pkw pro Ladepunkt (25.470 Kfz bei 1.648 Ladepunkten)

13. BADEN-WÜRTTEMBERG

16,9 E-Pkw pro Ladepunkt (106.120 Kfz bei 6.272 Ladepunkten)

14. SAARLAND

17,5 E-Pkw pro Ladepunkt (5.470 Kfz bei 312 Ladepunkten)

15. NORDRHEIN-WESTFALEN

18,3 E-Pkw pro Ladepunkt (124.389 Kfz bei 6.811 Ladepunkten)

16. HESSEN

19,4 E-Pkw pro Ladepunkt (49.067 Kfz bei 2.535 Ladepunkten)
Das VDA-Ladenetz-Ranking basiert auf Daten der Bundesnetzagentur (BNetzA) zur Anzahl der Ladepunkte in deutschen Landkreisen und Städten mit dem Stichtag 1. April 2021 und des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) zum Pkw- und E-Pkw-Bestand (BEV und PHEV) zum Stichtag 1. Januar 2021.

VDA-Präsidentin Hildegard Müller fordert einen schnelleren Ausbau der Ladeinfrastruktur.

©DPA

Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie, bemängelt gegenüber BILD am SONNTAG: "Der Ausbau der Ladeinfrastruktur auf öffentlichen Straßen nimmt Fahrt auf. Doch während pro Monat knapp 60.000 E-Pkw in Deutschland neu zugelassen werden, wächst die Anzahl der öffentlich zugänglichen Ladepunkte nur um knapp 1000 pro Monat. Das reicht nicht. Wir brauchen rund 2000 neue Ladepunkte pro Monat." Deutschland ist damit weit entfernt vom prognostizierten Bedarf an öffentlichen Ladepunkte. Der wird auf 440.000 bis 843.000 beziffert in der Studie "Ladeinfrastruktur nach 2025/2030 – Szenarien für den Markthochlauf" (zum Nachlesen) der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur. Auftraggeber: das Bundesverkehrsministerium.

Städteranking: T-Wert errechnet das Verhältnis E-Auto/Ladepunkt

In diesem Zusammenhang interessant ist der sogenannte T-Wert, also die Zahl der Elektrofahrzeuge, die auf einen öffentlichen Ladepunkt kommen, je Stadt und Landkreis, nach Bundesland gruppiert. Diesen T-Wert errechnete der VDA zuletzt im Mai 2021: Im Städteranking ist danach Salzgitter Vorreiter: 349 E-Autos teilen sich 110 Ladesäulen (3,2 pro Säule). Gleich danach folgt der Landkreis Freyung-Grafenau mit 359 E-Mobilen bei 103 Ladestationen (3,5 pro Säule). Emden steht auf Platz 3 mit 3,9 E-Wagen pro Säule, vor dem Landkreis Regen (4,0) und der Uckermark (4,1). Im Mittelfeld bewegen sich die Stadtstaaten: In Bremen sind es 11,2 Autos, in Hamburg 11,9 und in Berlin immerhin schon 13,8 E-Autos pro Ladestation. Auf den fünf letzten Plätzen: der Landkreis Peine bietet gerade mal eine Ladestation für 59,2 Elektroautos vor der Stadt Kassel mit 65,7. Schwerin erreicht mit 70,8 E-Autos pro Ladepunkt den drittletzten Platz, Remscheid hat 71,4 E-Autos pro Säule vor Schlusslicht Weimar mit nur 25 Ladesäulen für 1842 E-Autos (73,68 pro Säule). Hier gibt es die gesamte Rangliste.

Kaufprämie beschleunigt E-Auto-Nachfrage

Auf Parkplätzen mit Lademöglichkeit gibt es Regeln, zum Beispiel zur Standdauer an der Ladesäule.

©DPA

Stärker als der Zuwachs an öffentlichen Ladepunkten (das hilft gegen Ladesäulen-Blockierer) und der großen Nachfrage nach mit 900 Euro geförderten Wallboxen stieg die Zahl der zugelassenen Elektroautos in den vergangenen Monaten stark. Hauptgrund dafür ist die erhöhte E-Kaufprämie. Laut Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) wurden im ersten Quartal 2021 genau 64.694 Elektroautos neu zugelassen, ein Plus von knapp 150 Prozent gegenüber dem ersten Quartal 2020. Der Marktanteil der reinen E-Autos stieg von 3,7 auf 9,8 Prozent. Heißt: Auch der Bedarf an Ladestrom für Elektromobile ist markant größer geworden – ein Trend, der sich vermutlich fortsetzen wird.

VDA fordert zentrales Ladesäulen-Register

Private Ladesäulen in Deutschland werden bisher nicht zentral erfasst. Deshalb fordert VDA-Chefin Müller: "Neben den öffentlich zugänglichen Ladepunkten brauchen wir dringend ein zentrales Register für private Ladepunkte, für Ladepunkte am Arbeitsplatz und im Handel. Nur so erhalten wir ein vollständiges Bild der Ladeinfrastruktur in Deutschland und der Ausbau kann gezielt vorangetrieben werden." Prognosen zufolge werden künftig vier Fünftel der Ladevorgänge zu Hause an der heimischen Wallbox mit günstigeren Autostromtarifen oder am Arbeitsplatz stattfinden.

Fotos: Joel Micah Miller/EnBW

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