Niemand soll sagen, bei Reisemobilen sei alles ziemlich austauschbar. Denn sehr bewusst gehen manche gegen dieses Vorurteil an, Laika zum Beispiel. Der bereits seit dem Jahr 2000 zur Erwin Hymer Group gehörende Hersteller aus der Toskana setzt seit jeher Zeichen gegen Konformismus. Laika waren Design und Stil immer wichtig.
Zur aktuellen Saison haben die Italiener den Kosmo L 319 neu aufgelegt. Der Name steht für die Einstiegsklasse, wobei dieser Begriff immer in Relation zu verstehen ist: Günstig ist der knapp sieben Meter lange Teilintegrierte nicht, was ein Grundpreis von knapp 80.000 Euro beweist. Andererseits ist dafür schon eine Menge an Bord.
Unaufgeregt elegant tritt der Kosmo auf. Sein Design setzt auf mattschwarze Akzente.
Bild: Roberto Vallacchi
Laika baut den Kosmo L 319 als typischen Teilintegrierten auf der Höhe der Zeit. Das bedeutet eine betont schlanke Linie außen und einen dezenten, eleganten Auftritt, der auf sicheren Stil setzt und auf optischen Schnickschnack verzichtet.

Fiat Ducato als Basis

Als Basis nutzt Laika, natürlich, den Fiat Ducato mit Werksrahmen. In seinem 2016 eröffneten, immer noch hochmodernen Werk montiert Laika den Kosmo mit Dach und Unterboden aus GFK, die Sandwichwände bestehen aus XPS und Alublech. Von Haus aus kommt er als 3,5-Tonner, drei Auflastungsstufen bietet der Hersteller ab 275 Euro Aufpreis an – bis zu 4,4 Tonnen dürfen es auf dem Heavy-Fahrgestell (plus 1760 Euro) sein.
Der aktuelle Fiat Ducato 9 liefert das solide 140-PS-Chassis. Viele Assistenten sind serienmäßig an Bord.
Bild: Roberto Vallacchi
Der L 319 setzt auf einen klassischen Grundriss mit zwei üppigen Längsbetten im Heck, einer Winkelküche auf der Fahrerseite und einem Bad hinter dem Einstieg. Mittelpunkt des Wohnbereichs bildet die L-förmige Vis-à-vis-Sitzgruppe mit einem schicken runden Tisch, der dem Raum viel Großzügigkeit verleiht – wobei eine andere Lösung im Alltag vielleicht praktischer wäre.
Motorisierung
2.2 MultiJet Euro 6 
Leistung
103 kW (140 PS) bei 3500/min 
Hubraum
2184 cm3 
Drehmoment
350 Nm bei 1400–2500/min 
Höchstgeschwindigkeit
ca. 160 km/h 
Getriebe/Antrieb
Sechsgang/Vorderrad 
Tankinhalt/Kraftstoffsorte
60 l/Diesel 
Länge/Breite/Höhe
6950/2320/2950 mm 
Masse fahrbereit/Zuladung ca.
2900/600 kg 
Anhängelast (gebremst/ungebremst)
2000/750 kg 
Grundpreis/Testwagenpreis
78.499 Euro / 85.906 Euro 
So weit, so erwartbar. Doch was den Kosmo L 319 tatsächlich besonders macht, ist seine Innenarchitektur. Das beginnt bei den warmen, ausgesucht (und: aussuchbar) modernen, harmonischen Farbwelten, geht über die Ästhetik der Formen und Materialien der Oberflächen bis hin zu einer ausgesucht durchdachten Lichtinszenierung. Wer eine Antenne für das Feine und Schöne hat, mit dem spricht dieser Laika. Er will das Gegenteil von beliebig sein, dabei driften seine Wärme und sein Stil, die er bietet, nirgendwo ins Geschmäcklerische ab.
Innen gibt sich der Kosmo L 319 modern, aber nicht kühl.
Bild: Roberto Vallacchi
Davon abgesehen lässt sich der Kosmo auch zu viert gut nutzen. Das klappt mit dem elektrischen Hubbett (2239 Euro), das zwar über der Sitzgruppe den Kopfraum (und die Größe der Stauschränke) reduziert, sich ansonsten jedoch elegant integriert. Noch ein Bett mehr gibt's auf Wunsch als Umbau-Set für die Sitzgruppe (414 Euro).

So fährt der Laika Kosmo L 319

Als Antrieb nutzt Laika den 140-PS-Ducato mit breiter hinterer Spur und Light-Chassis. Damit kommt der Kosmo L 319 bestens zurecht, und wer dennoch lebendige 180 PS bevorzugt, muss 4100 Euro zusätzlich auf den Tisch legen. Kaum weniger kostet die famos schaltende ZF-Neunstufenautomatik (3911 Euro). Auch für die Aluräder des Testwagens zahlt der Kunde extra – 835 Euro.
Per Elektromotor fährt das Hubbett auf und ab. Es findet über der Sitzgruppe seinen Platz.
Bild: Roberto Vallacchi
Ob das nötig ist, muss jeder selbst entscheiden. Der Testwagen ließ mit 140 PS und Handschaltung jedenfalls nie ein Gefühl des Verzichts aufkommen, auch sind wichtige Assistenten sowie eine manuelle Klimaanlage bereits an Bord. Der Kosmo L 319 überzeugte auch am Steuer mit einem ausgewogenen, harmonischen Eindruck.
Doch ein, zwei Schippen mehr lassen sich auch hier dazupacken. Wer eine praktische Bedienung im Lenkrad sucht, Traction+ und eine Bergabfahrhilfe schätzt, erhält das gemeinsam mit einer DAB-Radio-Vorbereitung im Chassis-Paket (831 Euro). Die Notbremsautomatik, Spurhaltung, Verkehrszeichenerkennung und Fernlichtunterstützung bietet das Fahrassistenz-System (1123 Euro).
Viel Stauraum gibt's im Heck. Zurrschienen helfen in der Praxis beim korrekten Sichern – zum Beispiel von E-Bikes.
Bild: Roberto Vallacchi
Wenn Geld keine zentrale Rolle spielt, lässt sich der von Haus aus schon ordentlich ausgestattete Laika Kosmo L 319 noch um so vieles aufhübschen. Dann wächst am Ende die Rechnungssumme auf deutliche sechs Stellen. Das ist keinesfalls günstig – aber in jedem Fall individuell und stilvoll. Und genau das schreibt sich Laika ja auf seine Fahnen.

Fazit

Für alle, die statt des sperrigen deutschen Wortes Aufenthaltsqualität lieber Dolce Vita sagen – egal, der Kosmo bietet beides. Obwohl er Laikas Basismodell ist, mangelt es ihm an wenig. Sein Preis ist nachvollziehbar, doch kleinlich ist, dass Laika Isofix extra berechnet.