Der Auftritt der norditalienischen Sportwagenbauer bei The Quail, dem exklusivsten aller Events der Monterey Car Week, hat seit vielen Jahren Tradition. Zukunftsstudien, Serienmodelle und Kleinstauflagen wurden von Lamborghini-CEO Stephan Winkelmann über die Jahre hier an der kalifornischen Küste enthüllt. Doch selten war der Auftritt dabei so spektakulär wie in diesem Jahr.
Und niemals zuvor hatte ein Supersportwagen aus Sant'Agata derart viel Leistung. Wobei nicht nur die 1080 PS an sich, sondern auch die Fahrleistungen beeindrucken, zu denen sie befähigen: 0 auf 100 in 2,4 Sekunden, 0 bis 200 in 6,7 Sekunden und mehr als 350 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Lamborghini Fenomeno: 65 PS stärker als der Revuelto

Für die gigantische Leistung sorgt ein fein abgestimmtes Antriebsquartett, dem der 6,5 Liter große V12-Sauger voransteht. Er wird je nach Fahrzustand von bis zu drei Elektromotoren unterstützt, die maximal 245 PS leisten. Insgesamt ergibt sich so eine Mehrleistung gegenüber dem Lamborghini Revuelto von 65 PS.
Lamborghini Fenomeno
Die Proportionen unterscheiden sich elementar vom Revuelto. Trotz Vollcarbon-Karosserie liegt das Trockengewicht bei rund 1800 kg.
Bild: Lamborghini
Der Sauger steuert hierzu allerdings nur 10 PS bei. 835 PS und 725 Nm lauten seine Eckdaten, die er in gewohnter Manier teils bei schwindelerregenden Drehzahlen erreicht. Die Maximalleistung liegt erst bei 9250 U/min an. Die Drehzahlgrenze ist sogar erst bei 9500 Touren erreicht.
Motor 
V12 + 3 E-Motoren 
Hubraum 
6498 ccm
Batterie Energieinhalt 
7,0 kWh 
Leistung Verbrenner 
614 kW (835 PS) 
Leistung E-Motoren 
3x 110 kW (150 PS) 
Leistung System 
794 kW (1080 PS) 
Getriebe 
8-Gang-Doppelkupplung 
Antrieb 
Allrad 
0–100/200 km/h 
2,4 s/6,7 s 
Höchstgeschwindigkeit 
> 350 km/h 
Länge x Breite x Höhe 
5014 x 2076 x 1161 mm 
Preis
> 3,0 Mio. Euro 
Während das Saugtriebwerk über ein Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe die mächtigen Hinterräder antreibt, versorgen zwei jeweils 110 kW (150 PS) starke Elektromotoren die Vorderachse mit Energie. Der dritte Radialfluss-Elektromotor bringt je nach gewähltem Fahrmodus zusätzliches Drehmoment an die Hinterräder. Mit ihren 245 PS tragen die drei Elektromotoren maßgeblich zur Mehrleistung des Fenomeno bei. Und diese speist sich wiederum aus einem neu entwickelten Akku, der statt der bisherigen 3,8 nun 7,0 kWh bevorratet und nach wie vor im Kardantunnel unterkommt.
Lamborghini Fenomeno
Das Heck ist kaum wiederzuerkennen. Gerade die Y-Leuchten und der Diffusor bringen Spannung in den Körper.
Bild: Lamborghini
"Wir haben noch nie so viel Technik in eine Kleinstserie hineingebracht", unterstreicht Lamborghini-Entwicklungschef Rouven Mohr, "das ist nicht allein an Rundenzeiten oder an den technischen Daten zu sehen. Das merkt jeder hinter dem Steuer." Damit meint der technische Mastermind nicht zuletzt auch das Fahrwerk, das sich bei der neuen GT3-Rennversion bedient.

Lamborghini setzt auf Grip statt Gimmicks

Heißt im Klartext: keine elektrischen Verstelldämpfer mehr, dafür mehr Freiheitsgrade in Zug und Druck. Und nicht zuletzt auch ein größeres Verhältnis zwischen Rädern (265/30 ZR 21 vorne, 355/25 ZR 22 hinten) und Stoßdämpfern. Der geneigte Kunde hat zudem die Wahl zwischen zwei Reifen: einem Serienpneu für Alltag und Autobahn und einem maßgeschneiderten Bridgestone Semislick, der auf der Rennstrecke noch mehr Grip bietet. Das CCM-R-Plus-Bremssystem mit Carbon-Keramik-Scheiben (420 mm vorn; 410 mm hinten) garantiert derweil maximale Verzögerungswerte. Lamborghini spricht von rund 30 Metern aus 100 km/h.
Lamborghini Fenomeno
Das Cockpit ist beinahe noch martialischer als das Außendesign. Mittlerweile typisch: drei Bildschirme.
Bild: Lamborghini
Der neue Supersportler ist das mittlerweile neunte Modell der sogenannten Few-Off-Serie mit maximaler Exklusivität. "Als wir 2007 den Lamborghini Reventón vorgestellt haben, war es unser Ziel, einen wirklich herausragenden Supersportwagen zu schaffen, der den ultimativen Ausdruck dessen verkörpert, wofür Lamborghini steht", erläutert Stephan Winkelmann. "Dieser neue Few Off führt die gleiche Philosophie der Einzigartigkeit und Innovation fort, die ein grundlegender Bestandteil unserer DNA ist."
Übrigens: Der Name leitet sich von einem Stier ab, der 2002 in Mexiko gekämpft hat und aufgrund seines mutigen Wesens begnadigt worden ist.