Japaner werden morgen in den großen Tageszeitungen lesen, dass Toyota zum zweiten Mal in Folge die 24 Stunden von Le Mans gewonnen hat. Und dass ein Sieger ihr Landsmann ist: Kazuki Nakajima.
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Vermutlich werden sie aber nichts über die Tortur lesen, die Satoshi Hoshino hinter sich hat. Der 58-Jährige ging 2019 zum ersten Mal in Le Mans an den Start – mit einem rund 510 PS starken Porsche 911 RSR für das Dempsey-Proton-Team.
Teambesitzer und Hollywood-Star Patrick Dempsey ist selbst ein Amateurfahrer, schaffte 2015 sogar Platz zwei in seiner Klasse. Er sagt in Le Mans zu AUTO BILD MOTORSPORT: "Es ist ein magischer Ort, die Geschichte, das Erbe der Strecke. 24 Stunden zu fahren ist eine Wahnsinns-Herausforderung. Teil davon zu sein, ist ein unglaubliches Erlebnis. Auch heute können hier immer noch Amateure mitfahren und ihren Traum leben – so wie ich."
Wenn der Traum zum Albtraum wird
Der 58-Jährige Satoshi Hoshino ging 2019 zum ersten Mal in Le Mans an den Start.
Aber was ist, wenn der Traum zum Albtraum wird? Genau das hat Satoshi Hoshino hinter sich. Der Japaner fährt den Start, dreht sich aber in der ersten Stunde allein drei Mal. Im zweiten Stint kollidiert er mit der Corvette von Marcel Fässler, der daraufhin schwer crasht. Die Rennkommissare geben zwar dem Schweizer die Schuld und verhängen ihm sogar eine Geldstrafe. Aber Hoshino hat dennoch die Nase voll: Er gibt auf.
Weil das Team in der GTE-Amateurwertung fährt und Hoshino als Amateur gemeldet ist, bedeutet dies auch das Aus für seine Teamkollegen Matteo Cairoli und Andrea Roda. Denn die Regel besagt, dass der Amateurfahrer eine Mindestzeit im Auto verbringen muss. Bitter vor allem für Cairoli: Zum zweiten Mal in Folge qualifizierte er seinen Porsche auf Pole-Position, zum zweiten Mal in Folge scheidet er vorzeitig aus.
Doch er nimmt Hoshino in Schutz: "Natürlich bin ich enttäuscht. Aber wir sind ein Team, das zusammenhält." Noch vor dem Rennende reist der Italiener ab.
Mit seiner Entscheidung, das Rennen freiwillig zu beenden, hat Hoshino nicht nur seinen Traum, sondern auch den seiner Kollegen platzen lassen. Trotzdem verdient die Entscheidung Respekt. Immerhin kann das auch gefährlich sein. Bis zu 350 km/h schnell sind die Rennwagen auf dem über 13 Kilometer langen Kurs.
Dabei ist Hoshino kein unbeschriebenes Blatt: 2014 begann er seine Rennkarriere als Gentleman-Fahrer im japanischen Carrera Cup, fährt seither regelmäßig Rennen. In der Super-GT besitzt er einen eigenen Rennstall, das D’Station-Team, das mit Aston-Martin-Rennwagen in der GT300 unterwegs ist.
Das Beispiel Hoshino zeigt, wie hart die 24 Stunden von Le Mans sind. Zwar sind auch Amateurfahrer am Start – aber eben auf extrem hohem Niveau.