Le Mans: Flörsch stolz

„Konnte mein Können zeigen“

Sophia Flörsch belegte mit Richard Mille Racing Gesamtplatz 13 in Le Mans. AUTO BILD erreichte sie am Telefon
Gesamtrang 13, Platz neun in der LMP2-Klasse mit rund 600 PS starken Prototypen. Sophia Flörsch (19) hat ihre ersten 24 Stunden von Le Mans im Richard Mille-Damenteam erfolgreich unter die Räder genommen.
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Es ist irgendwie extrem und auch ein bisschen surreal“, sagt sie zu AUTO BILD: „Ich bin jetzt die legendären 24 Stunden von Le Mans gefahren und Neunte geworden! Wir haben damit als reines Frauenteam Geschichte geschrieben. Das kann uns keiner mehr nehmen. Das ist sehr schön und emotional für mich.“
Es ist das beste Resultat einer Frau bei den 24h von Le Mans seit 2011, als Vanina Ickx im Lola Aston Martin LMP1 gemeinsam mit Ex-DTM-Pilot Maxime Martin und dem früheren Minardi-Formel-1-Testfahrer Bas Leinders Rang sieben erzielte. Vor allem aber ist es das beste Ergebnis eines Damenteams in Le Mans seit 43 Jahren! 1977 holten sich Lella Lombardi (die einzige Frau, die in der Formel 1 Punkte gesammelt hat) und Christine Beckers im Inaltera-Ford Cosworth Rang elf.
Flörsch: „Schon die Startaufstellung war ganz besonders. Bei der Hymne hatte ich richtig Gänsehaut. Und wenn du dann auch siehst, dass die Ingenieure und Mechaniker die ganze Nacht nicht schlafen und kaum essen – da merkst du erst, was für ein Teamspirit bei so einem Rennen herrscht und wie viel Arbeit dahintersteckt.“

Flörsch und ihre Teamkolleginnen Tatiana Calderon und Beitske Visser

©Floersch/Twitter

Flörsch und ihre Teamkolleginnen Tatiana Calderon (Mexiko) und Beitske Visser (Niederlande) kamen schnell auf Tempo. „Den Verkehr zu managen war das Schwierigste, besonders wenn man auf ein langsameres GT-Auto aufgelaufen ist“, erklärt die Münchnerin. „Da musste man die Überrundungsmanöver gut timen. Aber irgendwann hat man den Dreh raus, wie man an welcher Stelle am besten vorbeifährt. Und insgesamt sind wir immer nach dem Motto gefahren: Das Wichtigste ist Durchkommen. Also keine gefährlichen Manöver oder so.“
Dabei war der Adrenalinspiegel hoch – auch in der Nacht! Flörsch: „Nachts fahren taugt mir. Gut, ich hatte um halb fünf Uhr heute morgen einen Stint, der war am Anfang nicht ganz so leicht. Man stelle sich das mal vor: Um halb fünf total wach sein und ein Rennen fahren! Aber unterm Strich hat alles gut funktioniert. Ich habe zwar zwischen meinen beiden Nacht-Stints nur eine Stunde geschlafen. Dazu musste ich mich zwingen, weil ich wusste, dass ich sonst später nicht fit genug bin.“
AUTO BILD erreichte Flörsch kurz vorm Abendessen am Sonntag in Le Mans. Erschöpft aber glücklich. Denn auch das Echo der Motorsportwelt war positiv. Sogar FIA-Präsident Jean Todt lobte das Damenteam. „Das macht mich sehr stolz“, so die Deutsche. „Besonders nach den letzten eineinhalb Jahren, in denen ich ja doch auch viel Pech hatte. Endlich hat mal alles geklappt und ich konnte mein Können unter Beweis stellen. Ich weiß auch gar nicht, in wie vielen Stories ich in den sozialen Medien markiert wurde! Megaviele Leute sind wach geblieben und haben mein Rennen verfolgt. So was motiviert sehr.“
Hat sie also nun Blut geleckt für 2021? Fakt ist: Das Richard-Mille-Projekt ist auf zwei Jahre ausgelegt. Flörsch euphorisch: „Ja, schon! Zu so einem Rennen sagt man nie nein. Das war wie im Traum und wenn ich jetzt so drüber nachdenke, ging es eigentlich viel zu schnell vorbei.“

Fotos: Calderon/Instagram

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Flörsch, Sophia

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