Das Formel-1-Aus von Nikita Mazepin ist nur der Anfang. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine wird im Motorsport noch weitere Auswirkungen haben. Womöglich auch auf Sophia Flörsch.
Die Münchnerin sollte 2022 mit einem mehr als 500 PS starken LMP2-Prototyp in der Europäischen Le Mans-Serie und bei den 24 Stunden von Le Mans fahren – für das russische G-Drive-Team. Einer ihrer Teamkollegen ist der Chef: Roman Rusinov, ein 40-jähriger Russe, der 2006 vier Formel-1-Tests für MF1 bestritt (heute Aston Martin) und mit 16 WEC-Klassensiegen einer der erfolgreichsten LMP2-Fahrer ist. G-Drive ist eine Tankstellenmarke des Gazprom-Konzerns – des staatlichen Erdgasunternehmens also.
Rusinov weigert sich nun, den Verhaltenskodex für russische Fahrer des Automobilweltverbands FIA zu unterschreiben. Der untersagt Russen unter anderem, russische Symbole, Farben oder Flaggen bei Rennevents zur Schau zu stellen – und die russische Nationalhymne zu singen.

Rusinov unterschreibt Verhaltenskodex nicht

„Das Ziel eines jeden Athleten ist es, die Hymne seines Landes auf dem Podium zu hören. In zehn Jahren internationaler Erfahrung hat unser Team das viele Male gemacht“, so Rusinov. „Das G-Drive-Team war schon immer international: Fahrer, Mechaniker, Ingenieure – sie alle stammen aus verschiedenen Ländern der Welt. Und wenn wir jeden bitten würden, seine Flagge, Erfahrung und seinen Namen aufzugeben, hätte es nie eine so echte Sportbruderschaft und Siege gegeben.“
G-Drive wird alle internationalen Projekte beenden.

G-Drive wird damit alle internationalen Projekte beenden – das betrifft zwei LMP2-Renner sowie einen LMP3-Renner in der ELMS und einen LMP2-Boliden in der Sportwagen-WM, für den unter anderem der ehemalige russische Formel-1-Pilot Daniil Kvyat gemeldet war.
Noch hofft Flörsch, 2022 wie geplant in der ELMS zu fahren. Ihr Vertrag sei nicht mit G-Drive abgeschlossen, sondern mit dem Einsatzteam Algarve Pro Racing, heißt es auf Nachfrage von F1-Insider.com aus dem Flörsch-Lager. Bei Algarve Pro Racing prüfe man nun alle Möglichkeiten.

Flörsch darf noch hoffen

Mazepin, Rusinov – wie geht es mit weiteren russischen Rennfahrern weiter? Noch ist von keinem russischen Piloten bekannt, dass er den FIA-Verhaltenskodex unterschrieben hat. Robert Shwartzman sollte für Ferrari zwei Formel-1-Trainings bestreiten. Die Regeln 2022 schreiben nämlich vor, dass F1-Teams künftig zwei Mal einen Nachwuchsfahrer ans Steuer lassen müssen.
In der Formel 3 ist Alexander Smolyar für das MP-Team gemeldet. In dieser Woche war er bei den Testfahrten auch tatsächlich mit von der Partie. Aber ob er wirklich die Saison bestreiten wird, ist unklar. Er wird wie andere russische Fahrer – etwa Michael Belov (Formel Regional Europe) oder Irina Sidorkova (W Series) – von der russischen SMP-Bank des Putin-Freunds Boris Rotenberg unterstützt. Dort sitzt das Geld nach dem Ausschluss von russischen Banken aus dem SWIFT-System nicht mehr locker.

Von

Michael Zeitler