Die Fahrradbranche boomt. Und die Corona-Pandemie hat diesem Trend noch einen gewaltigen Schub verliehen. Laut Zweirad-Industrie-Verband stieg in 2020 allein der Absatz von Elektro-Bikes um 43,4 Prozent.
Auch im betrieblichen Umfeld setzen immer mehr Unternehmen auf die Fortbewegung ihrer Mitarbeiter auf zwei Rädern. Bei einer Untersuchung des Marktforschungsinstituts Dataforce im Jahr 2021 gaben von 300 befragten Fuhrparkverantwortlichen 34 Prozent an, ihren Mitarbeitern Diensträder anzubieten. 2019 lag der Wert noch bei überschaubaren 9 Prozent.

Aufgrund dieser Entwicklung liegt es nahe, dass auch automobilherstellernahe Finanzdienstleister den Markt für sich entdecken. "Viele unserer gewerblichen Kunden haben das Fahrradleasing als Ergänzung zu ihrem Mobilitätsmix angefragt. Da wir uns als Komplettanbieter für Mobilität verstehen, war es uns wichtig, diese Nachfrage abzudecken", sagt Armin Villinger, Generalbevollmächtigter und Leiter Vertrieb Deutschland der Volkswagen Leasing GmbH, und ergänzt: "Mittlerweile nutzen rund tausend Unternehmen unser Angebot."

Kooperation mit der Bike Mobility Services GmbH

Der Ausbau des Geschäftsmodells erfolgte unter anderem durch eine Vertriebskooperation mit der Bike Mobility Services GmbH. Arbeitnehmer erhalten so deutschlandweit die Möglichkeit, bei rund 3000 angebundenen Fahrradhändlern ihr Wunschfahrrad auszusuchen und dieses zu bestellen. Besonders forciert wird das neue Geschäftsfeld durch den Fachkräftemangel.
Ähnlich wie ein Dienstwagen kann auch das Dienst-Bike in der Freizeit privat genutzt werden.

Ähnlich wie beim Dienstwagen, der nach wie vor in vielen Branchen als Motivationsinstrument wirkt, kann auch ein Dienstfahrrad Mitarbeiter überzeugen, ihren Job zu wechseln oder sich stärker an ein Unternehmen zu binden. Hinzu kommt ein sich grundsätzlich veränderndes Mobilitätsverhalten von Unternehmen und deren Mitarbeitern. "Für die Mitarbeiter von Firmen im urbanen Raum sind Bikes oft das beliebtere Fortbewegungsmittel gegenüber dem Auto", sagt Villinger.

Chance, das Dienstfahrrad zu kaufen

Eine Erfahrung, die auch die in München ansässige Rexel Germany GmbH gemacht hat. Vor einem Jahr offerierte der Elektro-Großhändler seinen rund 1300 Mitarbeitern ein Dienstfahrrad-Leasing. "Wir waren selbst überrascht von der unheimlich großen Resonanz", sagt Personalchefin Anette Off.
Na klar hätten dabei der Nachhaltigkeitsgedanke sowie Umweltschutzüberlegungen eine Rolle gespielt. Aber Off macht keinen Hehl daraus, dass es "natürlich auch seinen Charme hat, damit als Arbeitgeber zu punkten. Wir haben mit dieser Maßnahme unsere Arbeitgeberattraktivität gesteigert. Aber wir wollen damit auch zur Reduktion des CO2-Fußabdrucks generell beitragen und als Unternehmen, das nachhaltiges Wirtschaften fokussiert und unterstützt, wahrgenommen werden", erklärt Off.
235 Rexel-Mitarbeiter haben bis heute ihren Abholungscode für die Fahrradbestellung geordert. Nach drei Jahren im Leasing haben die Kollegen die Chance, ihr Dienstrad zu kaufen. (Fahrradträger im Test)

Große Bandbreite an Fahrradmodellen

Das Angebot der Volkswagen Financial Services gilt für alle vom Händler geführten Markenräder von 499 bis 15.000 Euro. Durch die Umwandlung eines Teils des Bruttogehalts können Mitarbeiter beim Bike-Leasing bis zu 40 Prozent im Vergleich zum Kauf sparen. Und die Entfernungspauschale für die Fahrt zum Arbeitsplatz kann steuerlich geltend gemacht werden.
Positiv für den Arbeitgeber: Sollte ein Arbeitnehmer mit geleastem Fahrrad aus dem Unternehmen ausscheiden, kann er das Bike kostenlos zurückgeben. Durch zusätzliche Services wie den Rundumschutz (u. a. Schadenschutz vor Diebstahl, Mobilitätsgarantie, Unfallverhütungs- und Instandhaltungspaket) sind die Fahrräder zudem abgesichert.

Von

Thomas Arndt