Toll, so ein alltagstauglicher Campervan wie der VW California. Doch wenn große Touren mit vier Personen nebst Gepäck anstehen, wird's in handlichen Trendmodellen wie ihm einfach zu eng. Gut, dass es für vergleichbares Geld einen klassischen Alkoven der Sieben-Meter-Klasse gibt. Der LMC Liberty – heute heißt er Breezer – ist so ein Wohnmobil. Sein Erfolgsrezept ist seit über drei Jahrzehnten bewährt und beinhaltet viel umbauten Bewegungsraum, bis zu sechs Schlafplätze, eine kompakte Nasszelle sowie ausreichend Platz für Kleinkram und großes Gepäck. Geringer Wertverlust gehört auch dazu, wie Gebrauchtkäufer lernen müssen.

Mit seinen neun Jahren soll der Liberty noch 34.990 Euro kosten

LMC 671 G Liberty
Empfindlich: Der großvolumige Aufbau reagiert sensibel auf Seitenwind.
Das ist er: Fast schon ein rollendes Urlaubsapartment, das mit 7,10 Meter Außenlänge gerade so noch urbane Stellplätze ansteuern kann. Ein Schnäppchen ist er aber nicht: Der gecheckte Liberty hat 2009 als Neuer rund 50.000 Euro gekostet, jetzt will das Autohaus Michel in Hamburg immer noch 34.990 Euro für ihn. Ganz schön ambitioniert: Der digitale Zähler zeigt bereits 93.000 Kilometer. Fürs gleiche Geld gäbe es alternativ auch einen brandneuen Kastenwagen der Einsteigerklasse. Dafür locken bei diesem scheckheftgepflegten Exemplar einige einst aufpreispflichtige Extras wie ESP, Klimaanlage, Fernseher, Markise und Fahrradträger. Außerdem ist er auf vier Tonnen aufgelastet – ein wichtiges Argument für Käufer, die wirklich mit der ganzen Familie wegfahren wollen. So fährt er: Immer schön gemütlich. Der leer bereits knapp über drei Tonnen schwere 671 G Liberty hat annähernd das Format eines Scheunentors. Das bremst die 130 PS des 2,3 Liter-MultiJet-Diesels (Euro 4, mit Partikelfilter) deutlich ein. Bergetappen erziehen zu fleißiger Schaltarbeit und Langmut.
Überblick: Alles zum Thema Wohnmobile

Willkommen im 90er-Jahre-Wohnzimmer

LMC 671 G Liberty
Variabel: Die Dinette ist als Sitzgruppe im zeittypischen Birnbaum-Furnier oder als Bett im Einsatz.
Das hat er: Großes praktisches Talent und einen routiniert gemachten, aber nicht knisterfreien Möbelausbau. Hinter seinen 40 Millimeter starken Sandwichwänden (das begehbare Dach hat 30 Millimeter) verbirgt er ein Ambiente, das selbst vor zehn Jahren eher reifere Semester angesprochen hat: Der Mix aus Furnier im Design "Montreux Birnbaum", bunt gestreiften Plüschpolstern und mattierten Bügelgriffen erinnert an konservative Wohnzimmer der 90er – und dürfte bei Nachwuchs-Reisemobilisten den dringenden Wunsch nach Modernisierungsmaßnahmen wecken. Kleiner Trost: Die Küchenzeile kann mit Abzugshaube und geräumigem Einbaukühlschrank punkten, das Bad ist ausreichend groß. Isolierte und beheizbare Tanks gab es beim Liberty immerhin gegen Aufpreis, ein weiterer Pluspunkt gegenüber manchmal zu coolen Californias.

Fazit

Bis auf seinen gepfefferten Preis ist der LMC ein brauchbarer Kandidat: Seine Länge bringt viel Platz, sein Grundriss ist tatsächlich gut für Familien geeignet. Der bedächtige Diesel reicht gerade eben aus für so viel Gewicht. Spätestens am Interieurdesign scheiden sich die Geister. Urteil: drei von fünf Punkten.