LMC Cruiser 740 EL: Fahrbericht
Viel Komfort, etwas zu laut: So gut ist der Wohlfühl-Liner

Selten hat ein Name so gut zum Charakter eines Wohnmobils gepasst wie beim LMC Cruiser. Gemütliches Dahingleiten gehörte in diesem Test zu seinen Paradedisziplinen.
Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
Es gibt so eine Art Reisemobil, die fängt einen gleich im ersten Moment. Für mich persönlich gehört der LMC Cruiser 740 EL in diese Kategorie. Nicht weil er so spektakulär groß, auffällig oder teuer ist, eher nicht, sondern weil er immer angenehmer wird, je länger man sich mit ihm beschäftigt.
Das fängt schon mit dem ersten Eindruck an: Statt auf das übliche Weiß als omnipräsente Freizeitfahrzeug-Grundfarbe setzen die Münsterländer auf einen Anstrich im angesagten Hellgrau. Ich finde, das steht beileibe nicht jedem Fahrzeug und erst recht nicht jedem Wohnmobil, aber beim LMC Cruiser sieht es gut aus und wirkt stimmig. In Verbindung mit der sparsamen Folierung und den präsenten Markenemblemen in Rot ergibt sich ein moderner, edler Look, weder modisch noch effektheischend. Einfach sehr gelungen.
Außen schick, innen gemütlich
Der Cruiser ist die Wohlfühl-Baureihe von LMC. Zwar ein Teilintegrierter, aber einer der Vollfettstufe: 7,38 Meter lang und 2,32 Meter breit. Ein Fahrzeug, mit dem es sich gut reisen und leben lässt.

In dieser Einstellung ist der ordentliche Hecküberhang gut zu erkennen.
Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
Denn innen geht es so geschmackvoll weiter, wie es außen begonnen hat. Zentrum ist die große Sitzgruppe, die aus einer L-Sitzbank, einem großen, verschiebbaren Tisch und einer seitlich angeordneten Dinette besteht. Im Zusammenspiel mit den drehbaren Pilotensitzen entsteht eine gemütliche Runde, an der fünf, sechs Personen bequem Platz finden.
Oberhalb der rechten Sitzplätze kann ein Flachbildfernseher montiert werden. Oben befinden sich Staukästen, die einiges aufnehmen können. Für sehr viel Licht in diesem Bereich sorgen ein großes Panoramafenster und Einzelspots, deren Leuchtkörper abnehmbar sind und die somit auch zum Beispiel draußen benutzt werden können.
Technische Daten | LMC Cruiser 740 EL |
|---|---|
Motorisierung | 2.2 MultiJet 3 140 |
Leistung | 103 kW (140 PS) bei 3500/min |
Hubraum | 2184 cm3 |
Drehmoment | 350 Nm bei 1400/min |
Höchstgeschwindigkeit | 130 km/h |
Getriebe/Antrieb | Achtstufenautomatik/Vorderrad |
Tankinhalt/Kraftstoffsorte | 90 l/Diesel + 19 l AdBlue |
Länge/Breite/Höhe | 7383/2320/2760 mm |
Radstand/Bereifung | 4035 mm/225/75 R 16 C X118 R |
Masse fahrbereit/Zuladung | ca. 3107/393 kg |
Anhängelast gebremst/ungebremst | 2000/750 kg |
Außenmaterial Wand/Dach/Boden | Alu/GFK/GFK |
Stärke Wand/Dach/Boden | 30/30/40 mm |
Liegefläche Heck L x B | 2090/1970 x 745 mm |
Innenhöhe/-breite | max. 1980/2260 mm |
Grundpreis/Testwagenpreis | 87.700 Euro/102.820 Euro |
Das gesamte Ensemble ruht auf einer Plattform, um einen möglichst fließenden Übergang zwischen Fahrerhaus und Wohnraum zu gewährleisten. Leider besitzt diese Konstellation nach hinten eine Stufe mit gewissem Stolperpotenzial.
Durchdachte Küche mit cleveren Details
Im mittleren Bereich des Fahrzeugs sind Küche und Bad eingebaut. Die Küche macht mit pfiffigen, praxisgerechten Details auf sich aufmerksam. So gibt es einen Herd, der zwei Gasflammen mit einer Induktions-Kochstelle paart.

Hell und gemütlich, fast wie in einem edlen Wintergarten.
Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
Links ist die Spüle mit großem schwarzem Wasserhahn. Ganz links kann eine massive Arbeitsplatzerweiterung angebracht werden, auf der auch mal ein heißer Topf abgestellt werden kann. Rechts gibt es einen mittelhohen Schrank mit Auszug, der einerseits Stauraum, andererseits eine freie Blickachse bietet. Weiteren Stauraum gibt es in Ober- und Unterschrank. Der große Kühlschrank befindet sich gegenüber.
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Auch der Eingangsbereich mit integrierter, aber recht hoher Trittstufe und Schuhschränken in der Seitenwand der Küche ist gelungen. Die Tür hat Fenster mit Verdunkelung und Mülleimer.
Variobad mit kleinen Schwächen
Das Bad ist geräumig und mit festem Waschbecken, großem Spiegel, Banktoilette sowie Stauraum in offenen und geschlossenen Ablagen versehen. Die Dusche entsteht, indem Waschbecken nebst Rückwand nach rechts geschwenkt werden.

Im Heck gibt es gemütliche Längseinzelbetten, die sich zu einer Liegefläche verbinden lassen.
Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
Der Wasserhahn bleibt dabei an Ort und Stelle und dient dank ausziehbarem Schlauch gleich auch als Duschkopf. Es gibt drei Handtuchhalter und ein Gestänge unter der Dachluke, an dem auch mal ein nasses Kleidungsstück aufgehängt werden kann.
Schade nur, dass Schiebetür und Spritzschutz der Dusche während der Fahrt unentwegt klappern.
Komfortabler Schlafbereich und große Heckgarage
Der hintere Teil des Fahrzeugs ist für den Schlafbereich reserviert. Dort gibt es zwei Einzelbetten, die sich dank Zusatzpolster zu einer Liegefläche vereinen lassen. Guten Schlaf ermöglichen hochwertige Matratzen sowie Lattenroste mit Tellerfedern.

Typischer Ducato-Arbeitsplatz – hier mit 9-Zoll-Display, DAB+ und Navigationsoftware (1990 Euro) sowie Automatik (3990 Euro).
Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
Am Kopfende können jeweils zwei Polster für den Rücken hochgezogen oder versenkt werden. Ganz hinten befinden sich zudem noch zwei Spots mit abnehmbarem Leuchtkörper sowie zwei USB-Lademöglichkeiten.
Zugang zum Bett ermöglicht eine Leiter. Unter dem rechten Fußende gibt es einen Kleiderschrank, unter dem anderen drei Schubladen für Wäsche, Handtücher oder Ähnliches. In der Mitte gibt es zudem noch eine Durchreiche in die geräumige Heckgarage.
Dort gibt es Verzurrösen, ein eigenes Schränkchen für Kabeltrommel und Auffahrkeile sowie, ziemlich genial, den Landstromanschluss, der dank Bodenauslass im Trockenen sitzt.
Reisefertig für zwei Personen
Zu den Stärken des Cruiser gehört eine Serienausstattung, die man als "reisefertig" bezeichnen kann. So fährt der LMC gleich mit vernünftiger Motorisierung (140 PS) vor, die große Markise ist auch an Bord.
Weitere Features: 90-Liter-Kraftstofftank, 16-Zoll-Alufelgen, Rückfahrkamera, Panoramafenster und, es klingt vielleicht banal, ist aber für die Dauerhaltbarkeit des Aufbaus wichtig, ein Unterboden aus XPS und GFK. Daher gewährt LMC auch eine zwölfjährige Dichtigkeitsgarantie. Vorbildlich!

Die Heckwand unseres Testwagens ziert ein 2er-Fahrradträger (790 Euro Aufpreis).
Bild: Christoph Boerries / AUTO BILD
"Reisefertig" bezieht sich zunächst nur auf zwei Personen, denn der Gurtbock mit höhenverstellbarer Rückenlehne für zwei Sitzplätze inklusive Isofix und Kopfstützen kostet happige 1990 Euro Aufpreis. Allerdings ist dann auch der Bettenumbau für die Sitzgruppe inkludiert.
Überhaupt kann es teuer werden, wenn man zusätzlich individualisieren möchte. Im Testwagen war noch die empfehlenswerte Automatik (3990 Euro) verbaut, zudem Sat-TV (2590 Euro). Wer mag, kann noch ein Aufstelldach (beheizt 4990 Euro), eine Dachklimaanlage (2590 Euro) oder das Winterpaket (u. a. Fußbodenheizung, 2610 Euro) ordern. Dann sind 100.000 Euro erreicht und die Zuladung schrumpft.
Fahrverhalten mit Licht und Schatten
Das Geräuschniveau im Cruiser ist leider recht hoch. Zu den schlimmsten Lärm-Emittenten gehören Duschabdeckung und Bad-Schiebetür. Dazu gesellen sich multiple Knarz-, Quietsch- und Klappergeräusche.
Zur Ehrenrettung sei erwähnt, dass der Testwagen mit knapp 12.200 Kilometern nicht mehr neu war. Darüber hinaus gibt es am Fahrkomfort nicht viel zu mäkeln. Der Ducato läuft gut, seine Automatik schaltet angenehm und sehr unaufgeregt. Das macht Spaß.
Wer es ruhig angehen lässt, verbraucht unter 11 Liter Diesel. Aufgrund des großen Hecküberhangs sollte man beim Rangieren und Abbiegen vorsichtig sein.
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