Lotus Eletre X: Elektro-SUV bekommt plötzlich wieder einen Benziner
Lotus rudert zurück – Eletre X kommt mit Plug-in-Hybridantrieb

Lotus prüft die Geduld der Fans: Erst stellen sie unsere Liebe zum leichten Sportwagen mit einem kolossalen SUV auf die Probe und trösten uns mit konkurrenzloser elektrischer Leistung. Jetzt rudern sie schon wieder zurück – und bauen in den Eletre einen Benziner ein.
Bild: Fabian Hoberg
Namen sind Schall und Rauch. Und Traditionen nur Ballast – erst recht bei den Chinesen. Deshalb hat PS-Gigant Geely auch kein Problem damit, eine für Leichtbau bekannte Marke wie Lotus erst auf elektrischen Luxus zu trimmen. Und dann, wenn sich die eilige Elite so langsam an ein 2,5 Tonnen schweres SUV mit dem bezeichnenden Namen Eletre gewöhnt hat, kommen sie wieder mit einem Verbrenner.
Immerhin spielt der Benziner im neuen Eletre X, der bei uns zum Herbst erwartet wird und genau wie der Stromer der reinen Lehre rund 100.000 Euro kosten soll, nur eine Nebenrolle. Denn es bleibt bei den beiden E-Maschinen von zusammen 900 PS, die den Eletre bis zur Einführung des neuen Cayenne Turbo und natürlich des Ferrari Luce zum stärksten E-SUV am Markt gemacht haben.
Lotus Eletre X: Plug-in-Power mit fast 1000 PS
Aber weil die Reichweitenangst selbst in China noch nicht kuriert ist, feiert dort gerade der Plug-in-Hybrid eine Renaissance. Und Lotus fährt mit dem Eletre auch in dieser Disziplin in die Pole Position. Nicht nur, dass der Verbrenner im Frunk mit 275 PS stärker ist als bei den meisten anderen Teilzeitstromern und natürlich bei Bedarf neben dem 150-kW-Generator auch die Räder antreibt. Sondern sie belassen es auch bei den beiden E-Maschinen und kommen so auf eine Systemleistung von 952 PS und 935 Nm. Selbst die 748 PS des BMW XM Red Label wirken dagegen irgendwie ärmlich.

Trotz 2,6 Tonnen Gewicht sprintet der Lotus Eletre X in nur 3,3 Sekunden auf Tempo 100.
Bild: Fabian Hoberg
Vor allem aber wird auch beim Akku nicht gekleckert, sondern geklotzt. Statt bislang knapp 120 gibt es immerhin noch 70 kWh, die zugunsten der Ladeleistung zudem von 800 auf 900 Volt upgegradet werden. Während ein Porsche Cayenne E-Hybrid den Strom mit maximal 11 kW zuzelt, knallt er beim Eletre mit bestenfalls 430 kW in die Akkus. Neun Minuten reichen deshalb für den Hub von 20 auf 80 Prozent oder 210 Kilometer. Ja, richtig gelesen. Denn statt 60 Kilometer wie der elektrifizierte Lamborghini Urus schafft der Eletre bei vollem Akku imposante 350 Kilometer.
Elefant in Eile
Obwohl er deutlich mehr Kraft hat, ist der Eletre X zwar einen Hauch langsamer, weil sich die Chinesen das Zweiganggetriebe gespart haben. Deshalb dauert es bis Tempo 100 jetzt 3,3 statt 2,95 Sekunden, und Schluss ist schon bei 230 statt 260 km/h. Aber das sind fast schon akademische Unterschiede, die im Alltag kaum auffallen.

Neue Komfortsitze ermöglichen lange Etappen ohne Ermüdung.
Bild: Fabian Hoberg
So oder so ist der Eletre jedenfalls ein Elefant in Eile, der beim Kickdown davonstürmt wie Colonel Hathis Frühpatrouille im Dschungelbuch. Von der Luftfederung straff angebunden, präzise gelenkt und neuerdings noch stabiler im Aufbau, purzeln dabei förmlich die Pfunde – selbst wenn das X auch auf der Waage seinen Tribut fordert und der Eletre jetzt mit 2,6 Tonnen endgültig auf die schwarze Liste des Firmengründers und Weight Watchers Colin Chapman gehört.
Der Verbrenner meldet sich zurück
Dass bei der Raserei plötzlich wieder ein Benziner mitmischt, merkt man anfangs nur am Bordcomputer, der bei einem 52 Liter großen Tank noch einmal über 800 Kilometer Reichweite mehr ausspuckt. Erst recht, wenn man das richtige der vier Fahrprogramme ausgewählt hat und so den E-Maschinen den Vortritt lässt.
Erst wenn der Akku eine vom Fahrer definierte Schwelle unterschreitet und nachlädt, hört man dann den zwei Liter großen Turbo, den Geely aus der Kooperation mit Renault übernimmt. Dann lernt man schnell, dass nicht jeder Verbrenner die Tränen wert ist, die ihm die Petrolheads nachweinen. Souverän jedenfalls klingt der ungekrönte König der Plug-in-Panzer damit nicht. Und es hat sicher einen guten Grund, dass die Chinesen die zwei Endrohre unter dem Wagenboden versteckt haben, statt sie hübsch in Szene zu setzen.

900-Volt-Technik sei Dank: In nur neun Minuten lädt der Akku von 20 auf 80 Prozent.
Bild: Fabian Hoberg
Dafür trägt Lotus der neuen Technik auf andere Weise Rechnung. Weil man jetzt im Ernstfall mehr als 1200 Kilometer ohne Pause fahren kann, haben sie neue Sitze eingebaut, die zwar nicht mehr ganz so viel Seitenhalt bieten, dafür aber weicher gepolstert sind.
Fazit
Lotus macht es uns nicht leicht, der Marke die Treue zu halten. Denn nachdem sie uns erst mit über 900 Elektro-PS in ein kolossales SUV gelockt haben, nehmen sie dem Eletre jetzt mit dem Plug-in die Einzigartigkeit. Und nein, das Auto ist deshalb keinen Deut schlechter – und natürlich sind 1200 Kilometer Reichweite besser als die bestenfalls rund 600 km in der E-Version. Doch Petrolheads wird man damit nicht locken: Der Generation E sind selbst vier Zylinder zu viel, und wem der Antrieb egal ist, der kauft ohnehin keinen Lotus.
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