Lotus Emeya: Test
Chinesische Gene, englische Seele? E-Sportler mit 612 PS im Test

Im Lotus Emeya 600 trifft britisches Sportwagen-Erbe auf moderne chinesische E-Technik. AUTO BILD testet den 612 PS starken Sportler.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Inhaltsverzeichnis
Simplify, then add lighness, zu Deutsch also "Erst vereinfachen, dann leichter machen". Sagte einst Colin Chapman, Gründer und Mastermind von Lotus. Schön auch: "Mehr Leistung macht dich auf den Geraden schneller. Weniger Gewicht macht dich überall schneller." Beides beschreibt perfekt Chapmans Mantra: niedriges Gewicht statt hoher Leistung.
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Die Straßensportler der englischen Sportwagenschmiede – also etwa Seven, Elan, Europa, Esprit oder Elise – standen stets für diesen Markenkern, seine Rennwagen revolutionierten die Formel 1 mit radikalem Leichtbau.
- Für Sportfahrer: Mit 612 PS und 710 Nm ist der Emyra längsdynamisch für alle Situationen gut gerüstet. In Sachen Querdynamik gibt es bei der etwas teigigen Lenkung aber noch Optimierungspotential.
- Für Designfans: Wer sich mit seinem Auto von der Masse abheben möchte, fällt mit dem Emyra und seiner flachen, breiten und futuristischen Optik garantiert auf.
Der Auftritt des Emeya ist spektakulär
Inzwischen gehört die ehrwürdige englische Marke Lotus zum chinesischen Geely-Konzern. Genau wie zum Beispiel Volvo, Polestar, Lynk & Co, Proton oder auch Zeekr. Und der aktuelle Lotus Emeya ist ein 2,5 Tonnen schwerer, 612 PS starker Elektro-Bolide.

Der Emeya ist ein imposantes Auto. Bei einem Radstand von über drei Metern macht sich der scharf geschnittene E-Sportler 5,14 Meter lang.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Ein imposanter Auftritt lässt sich dem Emeya schon mal nicht absprechen. Sehr breit (2,0 Meter), flach (1,46) und lang (5,14). Das Design, das kann man ruhig sagen, ist stellenweise spektakulär. Mit scharf geschnittenen Kanten, flach auslaufendem Heck, eingezogener Flanke und besonders den auffälligen Luftkanälen vorn und hinten. Das Prinzip dahinter: Der Luftstrom wird nicht nur unter, über und um das Auto herum gelenkt – sondern gezielt auch hindurch, gut für die Aerodynamik.
Rückbank ist zu tief montiert
An Bord geht es dann nicht ganz so spektakulär weiter, wobei der Emeya nicht ohne Eleganz eingerichtet ist. Das Platzangebot vorn ist ordentlich – aber nicht ganz so üppig, wie angesichts der Dimensionen vielleicht erwartet.

Der Emeya hat viel Platz und Beinfreiheit im Fond. Aber die Rückbank ist sehr, sehr tief über dem Boden montiert – die Knie ragen weit auf. Das ist ungemütlich.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Vorn sitzt man leicht erhöht im Auto, die Sitze selbst sind in der Fläche recht hart gepolstert, die Auflage fällt nach von etwas ab. Sie bieten viel Seitenhalt, lassen sich vielfach verstellen, Heizung, Lüftung und Massage sind dabei. Im Fond gibt es dann vor allem reichlich Kniefreiheit, doch die Rückbank ist wirklich sehr, sehr tief montiert, man kauert da in Bodennähe – für Erwachsene ziemlich ungemütlich.
Innenraum gefällt mit einwandfreier Verarbeitung
Die Bedienung erfolgt im Wesentlichen über den zentralen Touchscreen (15,1 Zoll), dazu gibt es noch zwei weitere schmale Displays (jeweils 12,6 Zoll) für Fahrer und Beifahrer. Der Bildschirm für den Fahrer liefert die wichtigsten Infos, der zentrale Bildschirm reagiert manchmal verzögert, die Menüs sind aber ganz gut sortiert, die Grafik geht in Ordnung.

Hochwertig: Im Innenraum finden wir Nappaleder, Alcantara, Alu und Carbon – alles einwandfrei verarbeitet.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Auch die Sprachsteuerung arbeitet passabel. Dazu gibt es noch ein paar echte Tasten, die beiden sehr bedeutend aussehenden Walzen auf der Mittelkonsole sind aber nur die Lüftungsregler fürs Klima.
Fahrzeugdaten
Modell | Lotus Emeya 600 |
|---|---|
Motor Bauart | Synchronelektromotoren |
Einbaulage | je ein Motor vorn und hinten |
Spitzenleistung | 450 kW (612 PS) |
Dauerleistung | 140 kW (190 PS) |
max. Drehmoment | 710 Nm |
Vmax | 250 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Allradantrieb |
Bremsscheiben vorn/hinten | 412/397 mm |
Testwagenbereifung | 265/40–305/35 R 21 Y |
Reifentyp | Pirelli P Zero |
Radgröße | 9,5–11,5 x 21" |
Reichweite* | 580 km |
Verbrauch* | 18,7 kWh/100 km |
Batterieart | Lithium-Ionen |
Batteriekapazität brutto/netto | 102/98,9 kWh |
Ladeleistung AC/DC | 22/420 kW |
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung) | 15 Minuten |
Fach unter Frontklappe | Serie/31 l |
Vorbeifahrgeräusch | 69 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 2250/750 kg |
Stützlast | 90 kg |
Kofferraumvolumen | 509–1388 l + 31 l vorn |
Länge/Breite/Höhe | 5139/2005–2241**/1459 mm |
Radstand | 3069 mm |
Grundpreis | 107.990 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 129.990 Euro |
Der im Lotus-Werk in Wuhan, China, gebaute Test-Emeya war übrigens einwandfrei verarbeitet. Sauber gezogene Nähte, dezente Farben, edel schimmerndes Ambientelicht. Auch die Materialauswahl – Nappaleder, Alcantara, Alu, Carbon – erfüllt gehobene Bedürfnisse.
Das E-System des Emeya arbeitet mit 800 Volt, die Batterie ist 98,9 kWh (netto) groß. Die beiden E-Motoren vorn und hinten sind PSM (permanentmagneterregte Synchronmaschinen) und leisten jeweils 306 PS. Der Emeya fegt in 4,3 Sekunden von null auf 100 km/h und reißt in 11,7 Sekunden die 200er-Marke, beides sind beeindruckende Werte, abgeregelt wird bei Tempo 250. Das 2,5-Tonnen-Trumm muss erst mal in Schwung kommen, baut dann allerdings massiven Druck auf.

Elektro-Rakete: Trotz seiner 2,5 Tonnen Gewicht geht der Emeya in 4,3 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht bereits nach 11,7 Sekunden 200 km/h. Erst bei 250 Sachen ist Schluss mit Vortrieb.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Messwerte
Modell | Lotus Emeya 600 |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 2,2 s |
0–100 km/h | 4,3 s |
0–130 km/h | 5,8 s |
0–160 km/h | 7,8 s |
0–200 km/h | 11,7 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 1,7 s |
80–120 km/h | 1,8 s |
Leergewicht/Zuladung | 2505/595 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 48/52 % |
Wendekreis links/rechts | 11,9/12,1 m |
Sitzhöhe | 560 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 33,8 m |
aus 100 km/h warm | 33,1 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 55 dB(A) |
bei 100 km/h | 62 dB(A) |
bei 130 km/h | 67 dB(A) |
bei 160 km/h | 72 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 18,8 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 30,1 kWh/100 km (+61 %) |
Sportverbrauch | 43,2 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite | 370 km |
Serienmäßig ist eine Luftfederung mit adaptiven Dämpfern an Bord, dazu kommen beim getesteten Emeya 600 Sport SE Allradlenkung und Wankstabilisierung (mit 48-Volt-Technik). So liegt der Emeya steif, straff und schwer auf der Straße – man spürt förmlich, wie sich die Motoren ins Zeug legen, um die schwere Fuhre in Fahrt zu bringen und bei Laune zu halten.
Luftfederung arbeitet ungewöhnlich kernig
Aber Kraft hat er ja wirklich genug, und hilfreich ist auch der hervorragende Grip, den die breiten Reifen (Pirelli P Zero, vorn 265/40 R 21, hinten 305/35 R 21) aufbauen.

Knackig abgestimmt: Querfugen, Kanten und Ähnliches sind trotz Luftfederung spürbar. In Kurven neigt sich der Emeya kaum.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der Emeya federt für eine Luftfederung erstaunlich kernig – aber gar nicht mal unbekömmlich. Lange Wellen schluckt er noch ganz gut, Querfugen, Kanten und Ähnliches aber eher resolut. Er wankt tatsächlich wenig, die Karosserie neigt sich in Kurven kaum.
Lenkung kommuniziert kaum mit dem Fahrer
Die Allradlenkung spricht sehr schnell und direkt an – meldet aber kaum etwas zurück, wirkt teigig und teilnahmslos, täuscht Betriebsamkeit nur vor. Insgesamt wirkt das Ganze – vor allem natürlich wegen des bärenstarken Antriebs – auf seine Art schon irgendwie handlich.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Wertung Lotus Emeya 600
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Angemessenes Raumangebot. Rückbank flach. Hochwertige Einrichtung, hohe Zuladung. | 4 / 5 |
Antrieb | Sehr gute Fahrleistungen. System gut dosierbar. Hohe Ladeleistung. Sehr hoher Testverbrauch. | 4,5 / 5 |
Fahrdynamik | Hohe Fahrsicherheit und stabile Bremswege. Großer Wendekreis, Lenkung und Fahrgefühl entkoppelt. | 4 / 5 |
Connected Car | 15,1-Zoll-Hauptschirm in OLED-Technik. Gute Spracheingabe ("Hi Lotus") mit KI-Unterstützung. | 4 / 5 |
Umwelt | Lang, breit und 2,5 Tonnen schwer. Lokal emissionslos. Rekuperation in vier Stufen einstellbar. | 3,5 / 5 |
Komfort | Straff ausgelegte Luftfederung. Nur bis 130 km/h wirklich leise. Luxuriöse Ausstattung. | 3,5 / 5 |
Kosten | Sehr hohes Preisniveau, teure Vollkaskoversicherung. Fünf Jahre Garantie, Wartung alle zwei Jahre. | 2,5 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 1,8 |
Nicht so toll: Im Test lag der Verbrauch bei hohen 30,1 kWh/100 km – das bedeutet eine Reichweite von 370 Kilometern. Geladen werden kann der Emeya mit 22 kW an der Wechsel- und maximal 420 kW an der Gleichstrom-Säule.
An der Kasse langt Lotus ordentlich zu
Den Emeya 600 liefert Lotus ab 107.900 Euro, die (außergewöhnlich komplette) Ausstattung Sport SE des Testwagens gibt es für schlanke 22.000 Euro dazu.

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Was Colin Chapman wohl zum Emeya gesagt hätte? Wir wissen es nicht. Ein interessantes E-Auto ist das allemal, und ziemlich schnell ja auch. Trotz des Gewichts.
Die wichtigsten Fragen zum Lotus Emeya
Wie fährt sich der Lotus Emeya?
Der Emeya bietet starke Beschleunigungswerte, viel Grip und ein stabiles Fahrverhalten. Trotz seines hohen Gewichts von 2505 Kilogramm wirkt er agil, seine rückmeldungsarme Lenkung vermittelt jedoch weniger Feedback als klassische Sportwagen.
Wie groß sind Reichweite und Ladeleistung?
Im Test lag die Reichweite bei überschaubaren 370 Kilometern. Dank 800-Volt-Architektur kann der Emeya mit bis zu 420 kW an Schnellladesäulen geladen werden. Um den Akku von 10 auf 80 Prozent zu füllen, braucht es nur 15 Minuten.
Ist der Lotus Emeya alltagstauglich?
Ja, der Emeya bietet eine hochwertige Ausstattung, moderne Assistenzsysteme und ausreichend Platz. Vor allem auf langen Strecken überzeugt er mit Komfort und hoher Reisetauglichkeit. Für große Mitfahrer ist der Fond allerdings zu unbequem.
Was kostet der Lotus Emeya?
Der Lotus Emeya 600 startet bei 107.900 Euro. Die umfangreiche Ausstattungslinie Sport SE des Testwagens schlägt mit zusätzlich 22.000 Euro zu Buche.
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