So extrem, wie der Emira auftritt, so leicht macht er es uns auch. Weil wir bei Sportwagen auch immer einen Seitenblick auf das Alltagskönnen werfen. Tja, da sind wir beim ultraradikalen Lotus schnell durch.
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Lotus

Emira V6 SE Racing Line

Lotus Emira
Die Flunder hat ein paar Assistenzsysteme (sogar einen Ausstiegswarner) in der Bordelektronik abgespeichert, es gibt neben dem 151-Liter-Kofferräumchen im Heck noch eine Ablage hinter den Schalensitzen, und ab Werk ist eine KEF-Soundanlage im Auto.

Überblick: Für wen passt der Louts Emira?

  • Für puristische Sportwagenfans: Wer auf übermäßigen digitalen Schnickschnack und Elektrounterstützung gerne verzichtet und eine direkte Verbindung zwischen Fahrer und Fahrzeug schätzt, der ist im handgeschalteten Emira genau richtig.

Emira kann auch Alltag

Ach, und außerdem federt der Supersportler im Bummelmodus ganz manierlich, man kommt ohne würdelose Verrenkungen in das flache Auto, und bis Tempo 160 agiert der in der zweiten Reihe schnaufende V6-Motor gar nicht mal so laut.
Lotus Emira V6 SE Racing Line
Einigermaßen alltagstauglich: Der Arbeitsplatz des Emira lässt sich ohne Verrenkungen entern, im Bummelmodus federt der Wagen zudem noch ganz manierlich.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Hätten wir das praktische Wesen dieser grantigen Maschine an dieser Stelle also bereits erforscht. Gut so. Jetzt bleibt noch reichlich Platz für den schieren Sportwagenwahnsinn, der diesem Lotus innewohnt.

Lotus setzt auf Leichtbau

Das beginnt beim Konzept. Dehnungsfrei verklebte Aluminiumstrukturen bilden das Chassis, Faserkunststoff die Hülle. Auf Wunsch trägt, stützt und verziert Carbonmaterial die Karosserie. An Achsen und Lenkern kommt Leichtmetall in Massen zum Einsatz.
Lotus Emira V6 SE Racing Line
Hübsche Hülle: Die Karosserie des Emira besteht aus Faserkunststoff, auf Wunsch gibt es auch Carbon. Das Chassis bilden verklebte Aluminiumstrukturen.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Der Motor steckt traditionell quer vor der Hinterachse, sechs Gänge werden von Hand geschaltet und trocken verkuppelt. Bis zu 295 Millimeter breite Reifen verknautschen den Emira mit der Straßenoberfläche, und das wählbare Sportfahrwerk führt den Mittelmotorsportler über eine gefühlsecht-stramme Anbindung durch jegliche Kurvenkombination.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder
V6, Kompressor
Einbaulage
Mitte längs
Ventile/Nockenwellen
4 pro Zylinder/4
Nockenwellenantrieb
Kette
Hubraum
3456 cm³
kW (PS) bei 1/min
298 (406)/6800
Nm bei 1/min
420/3000
Vmax
290 km/h
Getriebe
Sechsgang manuell
Antrieb
Hinterradantrieb
Bremsscheiben vorn/hinten
370/350 mm
Testwagenbereifung
235/35–295/30 R 20 Y
Reifentyp
Goodyear Eagle F1 SuperSport
Radgröße
8,5–10,5 x 20"
Abgas CO2
258 g/km
Verbrauch*
10,9 l SP/100 km
Tankinhalt
60 l
Kraftstoffsorte
Super Plus
Ottopartikelfilter
Serie
Vorbeifahrgeräusch
73 dB(A)
Kofferraumvolumen
151–208 l
Länge/Breite/Höhe
4413/1896–2010**/1235 mm
Radstand
2575 mm
Grundpreis
117.500 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
121.500 Euro
Lotus hat das Ganze zu einem enorm fahraktiven Apparat mit deutlicher Radlastverteilung nach hinten zusammengefügt und trotz relativ wuchtiger V6-Maschine mit Kompressoraufladung ein drahtiges Wesen hinbekommen. Kurz: Konzeptionell haben die Briten ihre Hausaufgaben fleißig erledigt, gut für die Prüfung am Contidrom (unsere Rundstrecke für sportliche Autos) gepaukt.

Fahrleistungen nicht ganz erwartungskonform

Doch: Der Emira kommt, anders als es die Leistungsdaten vermuten lassen, nicht so recht in die Pötte. Das zeigt zum einen unser Messwert von 0 auf 100 km/h. Statt der versprochenen 4,3 Sekunden für diese Übung nimmt sich der Lotus 4,8 Sekunden Zeit. Die Höchstgeschwindigkeit erobert der Emira nur mit laaaangem Anlauf, arg lang sind die Gänge fünf und sechs übersetzt.
Lotus Emira V6 SE Racing Line
Langsamer als versprochen: Für den Sprint auf Tempo 100 braucht der Emira 4,8 Sekunden – eine halbe Sekunde über der Werksangabe.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Dazu passt der subjektive Eindruck, den der V6 (trotz üppiger mechanischer Aufladung!) hinterlässt: Druckvoll aus der Mitte mag er nicht, kernig aus dem Keller gibt es nicht, quirlig in den Tourenhöhen fällt ihm schwer. Es gibt ein Fenster kurz vor dem roten Bereich, in dem der Dreifünfer gebührend gierig am Getriebe reißt, doch das verpasst der Fahrer gelegentlich, weil es schnell durcheilt ist und die Begrenzer-Warnung schüchtern ausfällt.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
1,6 s
0–100/0–130 km/h
4,8/7,6 s
0–160/0–180 km/h
11,1/13,8 s
0–200 km/h
16,8 s
Viertelmeile
13,09 s
Zwischenspurt
60–100 km/h
5,0/7,9 s (4./5. Gang)
80–120 km/h
7,2/9,1 s (5./6. Gang)
Leergewicht/Zuladung
1492/271 kg
Gewichtsverteilung v./h.
38/62 %
Wendekreis links/rechts
11,5/11,6 m
Sitzhöhe
425 mm
Bremsweg
aus 100 km/h kalt/warm
34,7/33,9 m
aus 200 km/h
131,8 m
Innengeräusch
bei 50 km/h
65 dB(A)
bei 100 km/h
73 dB(A)
bei 130/160 km/h
75/78 dB(A)
Verbrauch
Sparverbrauch
9,7 l SP/100 km
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
11,5 l SP/100 km 
(+5,5 %)
Sportverbrauch
16,3 l SP/100 km
CO2 (Testverbrauch)
273 g/km
Reichweite (Testverbrauch)
521 km
Dagegen steht: Es ist ein großer Spaß, der kantig-direkt ackernden Maschine nachzuspüren, die schnellen Wechsel zwischen Last- und Schiebebetrieb abzutasten, der authentischen Klangkulisse aus Kompressorsirren, Ansaugschlürfen und Ventiltriebtickern zu lauschen. Dazu passen die ehrlich übertragene Schaltbetätigung des Sechsganggetriebes und die erstaunlich leichtgängige Kupplung.

Hübsches Detail im Motorraum

Klasse gemacht: Die oben auf dem Sechszylinder thronende Druckdose, die eine Bypass-Klappe der Aufladung steuert, ist im Rückspiegel durch die transparente Motorraum-Trennwand hindurch sichtbar. Das kleine Kunstwerk reagiert auf jede Gaspedalbewegung, so wird Ladeluftregelung zu einem visuellen Erlebnis.
Lotus Emira V6 SE Racing Line
Heißer Anblick: Der Fahrer nimmt im Innenspiegel diese Unterdruckdose (zur Bypass-Regelung) wahr – so werden Gaspedalbefehle sichtbar.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Noch etwas hat Erlebniswert: Die kurze Schnauze des Emira erschnüffelt Scheitelpunkte fast von selbst, die herausragend feinfühlige Lenkung mit direkter Übersetzung haben die Lotus-Konstrukteure perfekt auf die Flunder abgestimmt. Außerdem führt die nahezu dehnungsfreie Anbindung der Fahrwerkslenker zu einem sensationell genauen Fahrgefühl.

Sportwertung

Sportwertung
Karosserie
(max. Punkte: 15)
6
Qualität
(max. Punkte: 20)
15
Sitze/Sitzposition
(max. Punkte: 30)
19
Ausstattung
(max. Punkte: 15)
8
Motoreigenschaften
(max. Punkte: 30)
20
Fahrleistungen
(max. Punkte: 37)
31
Leistungsgewicht
(max. Punkte: 30)
19
Getriebe/Schaltung
(max. Punkte: 20)
10
Sound
(max. Punkte: 20)
18
Fahrkomfort
(max. Punkte: 20)
13
Fahrsicherheit
(max. Punkte: 20)
14
Handling
(max. Punkte: 50)
35
Rundenzeit
(max. Punkte: 50)
28
Lenkung
(max. Punkte: 30)
28
Bremsen
(max. Punkte: 40)
18
Verbrauch
(max. Punkte: 20)
12
Faszination
(max. Punkte: 10)
9
Preis
(max. Punkte: 30)
19
Gesamtwertung
(max. Punkte: 500)
322
AUTO BILD-Testnote
2,7
Dazu kommt ein hohes Gripniveau. Der Emira saugt sich dank Aerodynamik und Reifenwahl (Goodyear Eagle F1 SuperSport) innig an den Untergrund, bleibt unter Fliehkräften stabil, krallt sich beim Antritt schlupffrei in den Untergrund.

Die Bremsen dürften gerne besser sein

Schönheitsfehler: Im Grenzbereich kann sich das Auto nicht so recht zwischen Unter- und Übersteuern entscheiden, aus hohem Tempo heraus und bei harten Bremsmanövern kommt Unruhe ins Auto.
Lotus Emira V6 SE Racing Line
Bessere Anker bitte: Aus Tempo 100 steht der Lotus Emira nach 34 Metern – eher Kompaktklasse als Sportler. Und beim harten Bremsen kommt Unruhe ins Auto.
Bild: Tom Salt / AUTO BILD
Ohnehin hätten wir uns hochwertigere Bremsen gewünscht. Zwar stimmen Pedalgefühl und Wärmestabilität. Doch Stoppwege um 34 Meter sind eher Kompaktklasse als Sportwagen. Hier dürfte der Emira gern extremer auftreten.

Die wichtigsten Fragen zum Lotus Emira

Wie ist das Fahrerlebnis im Emira?

Die direkte Lenkung, das präzise Fahrwerk, das hohe Gripniveau und die authentische Klangkulisse des V6-Kompressormotors vermitteln ein sehr intensives und unverfälschtes Sportwagengefühl.

Wie sind die Fahrleistungen des Emira?

Im Test sprintete der Emira in 4,8 Sekunden auf 100 km/h und blieb damit eine halbe Sekunde über der Werksangabe. 200 km/h erreicht der Lotus in 16,8 Sekunden, maximal sind nach langem Anlauf 290 km/h drin.

Ist der Emira auch alltagstauglich?

Eingeschränkt ja. Der Emira bietet einige Assistenzsysteme, eine Soundanlage, etwas Stauraum und einen überraschend angenehmen Federungskomfort. Dennoch steht die Alltagstauglichkeit klar hinter dem Fokus auf Fahrspaß zurück.

Was kostet der Emira?

Schon der Basispreis von 117.500 Euro für den Emira V6 SE ist eine echte Ansage. Bei dem getesteten Modell kommen für die "Racing Line"-Ausstattung noch einmal 4000 Euro hinzu.

Bildergalerie

Lotus Emira V6 SE Racing Line
Lotus Emira V6 SE Racing Line
Lotus Emira V6 SE Racing Line
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Lotus Emira V6 SE Racing Line im Test

Fazit

von AUTO BILD
Ein enorm faszinierendes Auto. Mit Mittelmotor und Leichtbau kompromisslos auf Fahrfreude getrimmt, in Sachen Agilität eine Wucht. Allerdings: teuer! Dazu mit mäßigen Bremsen versehen. AUTO BILD-Testnote: 2,7