Drei Sportlimousinen aus den 80ern

M3/Sierra Cosworth/190 2.5-16 Evo II: Test

Die Könige der 80er

BMW M3, Ford Sierra RS Cosworth und Mercedes 190 E 2.5-16 Evo II – diese drei waren in den 80ern die Könige: in der DTM und auf der Straße. Ein Vergleich.
Das waren Zeiten, als die DTM noch richtig spannend und abwechslungsreich war – und sich tolle Typen in gar nicht so serienfernen Fahrzeugen heiße Schlachten lieferten. Wir haben drei Straßenableger der damaligen Meisterfahrzeuge versammelt: Der BMW M3 war 1987 das Siegerauto des Gesamtsiegers Eric van de Poele. Auf dem Ford Sierra Cosworth wurde Klaus Ludwig 1988 Meister. Eben jener Klaus Ludwig triumphierte auch 1992 – und rollte mit dem Mercedes 190 E 2.5-16 Evo II das Feld auf. Von all diesen Siegerautos musste es gemäß Reglement bauähnliche Homologationsmodelle für den öffentlichen Straßenverkehr geben – die naturgemäß extrem begehrt waren.

Nur der BMW hat noch einen aktuellen Nachfolger

Heute unspektakulär: Die M3-Optik mit den betonten Radausschnitten war in den 1980ern ein Knaller.

Wir beginnen mit dem namhaftesten Vertreter – dem BMW M3. Warum er Legende ist? Weil er als einziger seinen Namen in die Neuzeit gerettet hat – auch wenn das Kürzel inzwischen ausschließlich Viertürer schmückt. 1986 ging's mit 200 PS los (195 mit Kat), daraus wurden 215 und im finalen Produktionsjahr 1990 sogar 238 PS (M3 Sport Evo). Wir fahren die 215-PS-Variante von 1990. Wenn der Münchner Macho um die Ecken flitzt, ist das (k)eine Schau für sich. Weil er sich so gar nichts anmerken lässt. Völlig unspektakulär schnell sein – das kann der M3 wie kein Zweiter. Die M3-Optik mit den betonten Radausschnitten war damals ein Knaller – heute wirkt der sportlichste 3er verhältnismäßig zahm. Wobei hinter der aufgeblasenen Karosserie mehr steckt als Geltungsbedürfnis. Kotflügel, Heckdeckel, Spoiler und Stoßfänger sind zwecks Gewichtsersparnis aus Kunststoff. Für mehr Windschlüpfigkeit steht die Heckscheibe flacher, der Kofferraumdeckel ist entsprechend kürzer.

Ergonomie schlägt pseudosportlichen Zierrat

Konventionell: Das M3-Interieur verzichtet auf jegliche Form der Effekthascherei und ist angenehm sachlich.

Auch der Innenraum kommt ohne oberflächliche Effekthascherei aus, präsentiert sich unverschnörkelt und mustergültig ergonomisch. Das schlanke Sportlenkrad liegt tadellos in der Hand, die Instrumente sind perfekt ablesbar, ein Ölthermometer ersetzt die obligatorische Verbrauchsanzeige. Der M3 wiegt nur rund 1300 Kilogramm. Das spürt man beim Fahren, er beschleunigt flink aus den Ecken heraus und bremst hervorragend: 38,1 Meter aus 100 km/h sind noch heute zeitgemäß. Trotzdem muss man bei der Begegnung mit einem fast 30 Jahre alten Fahrzeug Nachsicht walten lassen – ob es nun von BMW, Ford oder Mercedes stammt. Verglichen mit einem modernen Auto wirken selbst bei einem M3 die Lenkung zäh, die Kupplung schwergängig und das Bremsgefühl alles andere als vertrauenerweckend. Zudem ist die Schaltung – mit dem ersten Gang links unten – störrisch und will mit Nachdruck geführt werden. Man sitzt unangenehm dicht an der Tür, der Gurt spannt wie das Handwerkszeug einer Domina, aus der Mittelkonsole plärrt der Einbaulautsprecher mit den Fahrgeräuschen um die Wette.

Ein Artikel aus AUTO BILD SPORTSCARS

Dessen ungeachtet ist die Motorkonstruktion technisch wie optisch ein Leckerbissen. Der 2,3-Liter-Saugmotor ist mit dem Formel-1-Motor verwandt, mit dem Nelson Piquet 1983 Weltmeister wurde. Die Merkmale sind kompakte Bauweise, digitale Motorelektronik, Einzeldrosselanlage, Fächerkrümmer.

Bei extrem sportlicher Fahrweise ist der M3 zu weich

Licht und Schatten: Im harten Sporteinsatz ist das Fahrwerk zu weich – es bietet dafür aber Komfort.

Die edle Abstammung des M3 macht sich bemerkbar: Sein Vierzylinder-Sahnemotor lebt von Drehzahlen. Unter 5000 geht nicht viel, dann legt das Renntriebwerk los. Bis knapp über 7000 orgelt der Vierventiler, fängt erst dann an, angemessen kernig zu klingen. Unser Testwagen, Baujahr 1990, ist original und gut in Schuss – und fährt sich exakt wie damals: Ein kurzer Lupfer am Gas, und das Heck dreht sich ganz leicht ein. Wunderbar zu kontrollieren, die Lenkung sehr direkt und feinfühlig. Das Auto gehorcht aufs Wort, nimmt auch kleine Schlenker nicht krumm. Nur wer ihn wirklich hart rannimmt, mag über das serienmäßige Sportfahrwerk mäkeln: zu weich. Aber genau das ist ja auch seine Stärke. Er taugt für den Alltag, schlägt dir nicht mit der ganzen Federhärte ins Kreuz.
Die Details zu Ford Sierra Cosworth und Mercedes 190 2.5-16 Evo II finden Sie in der Bildergalerie.

Fahrzeugdaten BMW Ford Mercedes
Modell M3 Sierra RS Cosworth 190 E 2.5-16 Evo II
Motorbauart R4 R4-Turbo R4
Einbaulage vorn längs vorn längs vorn längs
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
Hubraum 2302 cm³ 1993 cm³ 2463 cm³
Bohrung x Hub 93,4 x 84 mm 90,8 x 77 mm 97,3 x 82,8 mm
Verdichtung 10,5:1 8,0:1 9,7:1
kW (PS) bei 1/min 158 (215)/6750 150 (204)/6000 173 (235)/7200
Literleistung 93 PS/l 102 PS/l 95 PS/l
Nm bei 1/min 230/4600 276/4500 245/5000
Getriebe 5-Gang manuell 5-Gang manuell 5-Gang manuell
Antrieb Hinterrrad Hinterrad Hinterrad
Bremsen vorn 280 mm innenbelüftet 282 mm innenbelüftet 300 mm innenbelüftet
Bremsen hinten 282 mm 272 mm 278 mm
Bremsscheibenmaterial Stahl Stahl Stahl
Radgröße vorn – hinten 7,5 x 16 9 x 17 – 10 x 17 8,5 x 18
Reifengröße vorn – hinten 225/45 R 16 215/40 – 245/35 R 17 215/40 – 245/35 R 18
Länge/Breite/Höhe 4345/1680/1370 mm 4459/1728/1376 mm 4543/1720/1342 mm
Radstand 2565 mm 2608 mm 2665 mm
Tank-/Kofferraumvol. 70/420 l 65/351-1465 l 70/385 l
Preise
Neupreis 64.000 Mark (1990) 48.420 Mark (1986) 109.440 Mark (1990)
aktueller Marktwert* 66.900 Euro 32.200 Euro 200.000 Euro
*im Zustand 2 (Quelle: Classic Data)

Messwerte BMW Ford Mercedes
Beschleunigung
0- 50 km/h 2,8 s 2,9 s 2,9 s
0-100 km/h 7,3 s 7,0 s 7,6 s
0-130 km/h 11,3 s 10,8 s 11,8 s
0-160 km/h 19,2 s 18,2 s 18,6 s
Vmax 241 km/h 240 km/h 250 km/h
Elastizität
60-100 km/h (4. Gang) 8,3 s 7,8 s 9,3 s
Bremsweg
100-0 km/h 38,1 m 39,2 m 40,1 m
Testverbrauch
Ø auf 100 km 13,0 l Super 13,8 l Super Plus 13,5 l Super
Reichweite 540 km 470 km 520 km
Gewichte
Leergewicht/Zuladung 1282/318 kg 1298/402 kg 1436/404 kg
Balance VA / HA 50/50 % 51/49 % 53/47 %
Leistungsgewicht 6,0 kg/PS 6,4 kg/PS 6,1 kg/PS

Autoren: Ben Arnold, Jürgen von Gosen

Stichworte:

Sportlimousine

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