Büromobil, Familienclan, Transporter, Dienstwagen, Reisegefährte: Der Malibu Van mit dem langen Namen charming GT skyview 640 LE musste in unserem Dauertest viele Jobs übernehmen.
Dass der 6,40 Meter lange Fiat Ducato eines der beliebtesten Reisemobile in unserem Fuhrpark war, beweist uns vor allem eins: Mit einem Klassiker macht man selten etwas falsch. Denn nichts anderes ist der Malibu mit seinen Längseinzelbetten, dem Küchenblock an der Schiebetür und dem gegenüberliegenden Badezimmer. Das Konzept funktioniert einfach.
Malibu Van charming GT skyview 640 LE
Probier's mal mit Gemütlichkeit! Nicht schwer unter der großen Markise.
Bild: Helene Schmidt / Reisemobil
In erster Linie für Paare und arbeitende Redakteure und Redakteurinnen auf Campingmessen und Neuheitenpräsentationen, aber auch für einen Vater-Kind-Trip. Kollege Marco Weidig testete den Malibu gemeinsam mit seinem Teenagersohn, der wenig Bock hatte, mit Papa die Liegewiese im Heck zu teilen. Da wurden kurzerhand mithilfe einer Matratze die Vordersitze zum dritten Schlafplatz umgebaut, clever!

Der neue Malibu kann mit dem Vorgänger nicht mithalten

Dass der Malibu in der AUTO BILD REISEMOBIL-Redaktion kein leichtes Leben hatte, lag nicht zuletzt an den großen Fußstapfen, die sein Vorgänger hinterlassen hatte.
Das Vorgängermodell war bei uns zum 100.000-Kilometer-Dauertest angetreten und gehörte zu den qualitativ besten Reisemobilen, die wir bis dato im Fuhrpark hatten (AUTO BILD REISEMOBIL 5/2021). Dafür gab es fünf Sterne und extrem hohe Erwartungen an den Nachfolger.
Malibu Van charming GT skyview 640 LE
Zuverlässiger Kumpel: Der Ducato machte unauffällig seinen Job.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Schnell wurde allerdings deutlich, dass der Neue nicht ganz an den Erfolg anknüpfen kann. Bereits zu Beginn des am Ende über 40.000 Kilometer währenden Dauertests machte die Elektronik des Ducato zicken. Während Marco Weidig in Italien unterwegs war, verweigerte die Keyless-go-Funktion den Dienst. Der Motor ließ sich partout nicht ausschalten, da die Verbindung zum Zündschlüssel unterbrochen war. Grund unbekannt. Ein Abklemmen der Batterie behob das Problem. Kurioserweise blieb es der einzige Aussetzer des Systems.
Der Ducato als Basisfahrzeug blieb über die gesamte Zeit ein zuverlässiger Reisegefährte, der sich vor allem mit einem kraftvollen Motor und geringem Spritverbrauch auszeichnete.

Malibu Van charming GT skyview 640 LE: technische Daten

Malibu Van charming GT skyview 640 LE: technische Daten
Motorisierung
MultiJet 3 160
Motor/Bauart/Zylinder/Einbaulage
Diesel/in Reihe/vier/vorn quer
Hubraum
2184 ccm
Leistung/kW (PS)
118 (160) bei 3500/min
max. Drehmoment
380 bei 1500/min
Höchstgeschwindigkeit
152 km/h
Getriebe
Sechsgang manuell
Antrieb
Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
225/75 R 16 CP
Reifentyp
Michelin Agilis Camping
Tankinhalt/Kraftstoffsorte
90 l/Diesel + 19 l AdBlue
Anhängelast gebremst/ ungebremst
2500/750 kg
Länge/Breite/Höhe
6358/2050/2590 mm
Radstand
4035 mm
Testwagenpreis (2023)
80.165 Euro
Auch das schnelle und intuitiv bedienbare Infotainmentsystem von Fiat inklusive Apple CarPlay/Android Auto und einem anständigen Navigationssystem fand viel Zuspruch unter den Testern. Besonders unsere langjährigen Reisemobilisten kennen nämlich den Ärger, den die üblicherweise verbauten Geräte aus dem Zubehör verursachen.
Durchgängig begeistert zeigten sich die zeitweise im Malibu wohnenden Kollegen von den sehr gut durchdachten Stauraum- und Platzsparlösungen.
Malibu Van charming GT skyview 640 LE
Clever gelöst: die einklemmbare Abdeckung für mehr Stellfläche beim Kochen.
Bild: AUTO BILD
Da wäre der für einen Kastenwagen erstaunlich große Kleiderschrank unter dem Fußteil das Bettes. Oder das schlaue Schubladensystem im zweiten Kleiderschrank unter dem Kühlschrank.
Auch das Badezimmer mit der verschiebbaren Lamellenduschwand und der schwenkbaren Toilette fanden die meisten Nutzer gut. Nur das Reinigen der kleinteiligen Schienensysteme war nervig. Ebenso wie das hakelige Herausnehmen des Toilettentanks, mit dem man immer wieder am Rahmen hängen blieb.
Malibu Van charming GT skyview 640 LE
Das Badkonzept ist durchdacht, aber schwer zu reinigen.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Für Kopfschmerzen sorgte bei uns ausgerechnet der Ausbau, den wir am Vorgänger stets hoch gelobt hatten. Besonders nervig war die Badezimmertür. Selbst nach einer Reparatur bei Malibu in Aulendorf wollte die Schiebetür – eine eigentlich tolle und platzsparende Lösung für die Nasszelle – einfach nicht geschlossen bleiben und flog während der Fahrt immer wieder mit einem lauten Knall auf und zu. Als eher wackelige Angelegenheit entpuppte sich die Trittstufe zum Bett.

Mit dem Malibu Van charming GT quer durch Europa

Während die herausnehmbare Minitreppe beim Vorgänger mit zwei dicken Schrauben und Gewinde im Boden verankert war, sollten jetzt zwei deutlich kleinere seitlich angebrachte Schrauben den gleichen Zweck erfüllen. Lange dauerte es nicht, bis die unterdimensionierten Halterungen herausbrachen und der Stufenblock nur noch lose vor dem Bett stand.
Allerdings wurde der Malibu Van charming GT skyview 640 LE auch wahrlich nicht geschont. Dänemark, Österreich, Tschechien, Slowenien, Italien, Kroatien, Ungarn, Montenegro, Bosnien und Herzegowina und Albanien stehen als Tankstopps im Fahrtenbuch. Gerade in den südlicheren Balkanstaaten dürften Fahrwerk und Möbelbau angesichts der teilweise sehr schlechten Straßen ordentlich durchgerüttelt worden sein. Von einem über 80.000 Euro teuren Premium-Van erwarten wir allerdings auch, dass er solche Strecken wegsteckt.
Malibu Van charming GT skyview 640 LE
Quer durch Europa: der Malibu am albanischen Ohridsee.
Bild: Bernhard Schmidt / AUTO BILD
In Sachen Fahrwerk bekam der Kastenwagenklassiker zwischendurch ein Upgrade. Die Firma Bilstein, seit 70 Jahren vor allem bekannt für Fahrwerkskomponenten im Motorsport, spendierte dem Malibu einen Satz neuer Stoßdämpfer, die konkret auf den dauerhaft beladenen Zustand von Reisemobilen ausgelegt sind (AUTO BILD REISEMOBIL 5/2023).
Es blieb nicht die einzige Optimierung, die wir am Malibu vornahmen. Außerdem musste der Ducato aus Aulendorf immer wieder den Modeljob für Kochgeschichten, Reisereportagen oder Zubehörtests übernehmen.
Mithilfe von Megasat verwandelte er sich zum Testende hin noch in ein Büromobil (AUTO BILD REISEMOBIL 10/2023): LTE-Router, Smart-TV, Sat-Anlage und HDMI-Extender sollten das Arbeiten und Wohnen unterwegs möglich machen. Redakteurin Jenny Zeume zog für eine Reportage zeitweise in den Malibu Van, um Vor- und Nachteile von Workation aufzuzeigen (AUTO BILD REISEMOBIL 5/2024). Ein passendes Ende für einen vielseitigen Van.

Fazit

Das Konzept des Malibu überzeugte uns. Er entpuppte sich als wahrer Alleskönner mit cleveren Wohn- und Stauraumlösungen. Leider hielt die Qualität des Möbelbaus nicht überall mit. Auch mit einem Blick auf den Preis. Das kennen wir von Malibu eigentlich besser.