Das Timing war denkbar ungünstig, zumindest aus Sicht der Reichen und Mächtigen. Um 11.25 Uhr meldete die Deutsche Presse-Agentur: "Mehr Geld für DAX-Manager." Im Schnitt um 7,75 Prozent seien die Vorstandsbezüge der 30 im wichtigsten deutschen Aktienindex notierten Unternehmen 2007 gestiegen. Keine sechs Stunden später lief eine Vorabmeldung des "manager magazin" über den Ticker, nach der BMW, selbst im DAX notiert, den Beschäftigten das Weihnachtsgeld und die Erfolgsbeteiligung kürzen will. Und noch mal 22 Stunden später verlangte Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegießer in einem Reuters-Interview, die Arbeiter dürften bei den kommenden Tarifverhandlungen auf keinen Fall zu viel Lohn verlangen.

DAX-Vorstandsgehälter steigen um 9 Prozent, Tarifgehälter um 2,5

Viele Arbeitnehmer fragen sich jetzt: Wie passt das zusammen? Und haben die Vorstände wirklich solche Millionengehälter verdient? Die neuerliche Diskussion entzündet sich an einer aktuellen Studie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der TU München. Demnach stiegen die Gehälter der Vorstandsvorsitzenden der DAX-Unternehmen noch stärker als die der restlichen Vorstände – nämlich um 9,03 Prozent auf im Schnitt 4,77 Millionen Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Die Tariflöhne stiegen laut Statistischem Bundesamt im gleichen Zeitraum nur um 2,5 Prozent.

100 Millionen Euro für Porsche-Chef Wiedeking?

Bild: Werk
Auch die Bosse von fünf Autokonzernen tauchen in der Statistik auf. Ihr Spitzenreiter: Daimler-Chef Dieter Zetsche mit 10,014 Millionen Euro, gefolgt von seinem VW-Kollegen Martin Winterkorn (4,926 Millionen) und dem BMW-Vorstandsboss Norbert Reithofer mit 3,754 Millionen. Nicht zu vergessen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking. Der wird zwar in der Aufstellung nicht genannt, weil Porsche nicht im DAX notiert ist und einzelne Vorstandsbezüge nicht offenlegt. Man geht aber davon aus, dass Wiedeking im Geschäftsjahr 2006/2007 rund 60 Millionen Euro verdiente und es diesmal sogar 100 Millionen Euro sein könnten. Der Bundesregierung sind die hohen Managergehälter inzwischen unheimlich. Bis Ende September wollen CDU und SPD ein Konzept zur Reform der Managergehälter erarbeiten. Ziel sei es, so versprechen beide Parteien, exzessive Gehaltsentwicklungen in den Führungsetagen zu verhindern.