Der Marussia hat so gar nichts Russisches an sich. Er ist vielmehr ein globaler Sportler, der Anleihen nimmt – ein bisschen Lamborghini hier, ein wenig Lotus dort –, auf einen eigenständigen Auftritt aber dennoch großen Wert legt. Auf schlanken Zentralverschluss-Rädern stehend, scheint er umgehend lossprinten zu wollen. Ins Innere gelangt man über elektrisch öffnende Flügeltüren. Während ich mich in den sportlichen, aber nicht unkomfortablen Sitzen einrichte, reift eine Erkenntnis heran: Das hier ist keine ambitionierte Bastelbude von Traumtänzern, die zwar Ideen, aber keine Kohle haben. Das hier ist ernst gemeint. Nur stellenweise lässt die Haptik des Sportlers zu wünschen übrig. Dafür stimmen Ergonomie und Platzangebot.

Marussia B1: Renn- und Alltagsfahrzeug

Marussia B1
Bild: Lena Barthelmes
Und um das digitale Zentraldisplay dürfte die Russen mancher Großserienhersteller beneiden. Der Marussia B1 soll als Rennfahrzeug eingesetzt werden können gleichzeitig aber auch im Alltag funktionieren. Weswegen nicht nur eine Rückfahrkamera, sondern auch ABS, ESP und eine sechsstufige Automatik aus dem Renault/Nissan-Regal zum Einsatz kommen. Zudem wird mit KW an einem Hydraulikfahrwerk getüftelt, um den Vorderwagen bei Bedarf ein paar Zentimeter anheben zu können. Fomenko hat Investoren gefunden, die Geld und einen langen Atem haben. So kann Marussia den eigenen Namen nicht nur durch Sponsoring eines Formel-1-Teams (Virgin Racing) bekannt machen, sondern vermag darüber hinaus mit 15 Versuchsfahrzeugen ausreichend Praxiserfahrungen zu sammeln – bevor Mitte Mai die Serienproduktion anlaufen soll.
Marussia B1
Bild: Lena Barthelmes
Einen dieser Prototypen konnten wir in Monaco bewegen. Seine Alukarosserie wirkt wie aus einem Guss und glänzt mit ordentlichen Spaltmaßen. Unter der Haube arbeitet ein Cosworth-Motor mit sechs Zylindern und Turboaufladung. Die Maschine bellt böse, hängt gut am Gas und hat Dampf. Das Auto wirkt handlich, die Lenkung direkt. Lediglich laute Knarzgeräusche verraten, dass es sich beim gefahrenen Modell um ein Vorserienfahrzeug handelt. Und die insgesamt etwas ruppige Art verlangt noch nach etwas Feintuning. Unterm Strich ziehen wir den Hut: Die Russen kommen tatsächlich – ganz gewaltig sogar.