Maserati Ghibli Q4: Fahrbericht
Quer, querer, Q4! Ghibli macht's möglich

Allrad, 410 PS, Dreizack im Grill: Wir lehrten im Maserati Ghibli den Winter das Fürchten – beim wilden Ausritt auf abgesperrten Schneepisten.
Minus elf Grad in Breuil-Cervinia am Matterhorn, der eigene Atem vernebelt die Aussicht auf den Charakterberg, und vor 45 Jahren hätten wir uns besorgt gefragt, ob er wohl anspringt, der schöne Ghibli. Schließlich wurde er nach einem heißen Wüstenwind und nicht nach Polarluft benannt. Wenn er's geschafft hätte, dann mit Spucken und Spotzen seiner von vier Weber-Doppelvergasern genährten acht Zylinder und tiefem Mitleid im Herzen, denn so einem Rassetriebwerk tat man so etwas eigentlich nicht an. Heute dagegen: kurzer Druck auf den Startknopf – und "Brröööööh". Das Ding läuft rund, als wäre Sommer in Nizza. Beim Losfahren knirscht der Schnee unter den 275er-Pirelli-Sottozero, und es besteht nicht der geringste Zweifel, dass der neueste Maserati, der wieder den stärksten Namen des Hauses tragen darf, die 14-Prozent-Steigung zum Hotel so locker nimmt wie der Ur-Ghibli die Promenade des Anglais an der Côte d'Azur.
Der V6 trötet auf Knopfdruck archaisch wie ein Alphorn
Video: Maserati Ghibli S Q4
Allradantrieb für den Ghibli
Das Fahrstabilitätsprogramm lässt sich komplett deaktivieren

Schön quer: Wer beim Allrad-Ghibli das ESP abschaltet, kann die Sportlimousine in den Drift zwingen.
Bild: Roman Raetzke
Alle 550 Newtonmeter am Radquartett (nun gehen 50 Prozent nach vorn, 50 nach hinten) schießen die Fuhre sogleich in die korrekte Richtung, wie Bugs Bunny, der in die Luft hüpft, seine Hinterbeine auf 8000 Umdrehungen bringt und wie eine Rakete abgeht. Nur empfehlenswert auf abgesperrter Strecke mit vieeel Platz. Bitte! Danke! Was lerne ich aus diesem Rundkurs? Es tun sich eine Million Möglichkeiten auf, nur eine blödsinnige Kurve zu fahren. Manche meiner Versuche – ich will nichts beschönigen – gehen dabei in die Hose. Aber es ist ergreifend, wie so eine Nobel-Lounge-Limo zu swingenden Kunststückchen fähig ist und zur Schneekanone wird. Auch auf der kurvigen, trockenen Passstraße vom Aosta-Tal hinauf nach Breuil-Cervinia mimt der 1,9-Tonnen-Ghibli mit heiserem Geschrei und wunderbarer Fahrwerk- und Lenkpräzision den Sportwagen, wobei er irreal schnell sein kann. Schwer vorstellbar, dass da irgendwer sonst mitkommt.
Mit dem Allradantrieb wollen die Italiener in Amerika punkten

Traktionshilfe: Im Ghibli arbeitet ein dem BMW xDrive ähnlicher Allradantrieb mit Lamellenkupplung.
Bild: Roman Raetzke
Die Firma will nächstes Jahr 50.000 Autos an den Kunden bringen, zurzeit sind's 20.000. Wir heißen das gut als Maßnahme gegen den globalen Rückgang an italienischem Geist. Mit Letzterem sieht die Welt nämlich einfach besser aus. Einen gravierenden Nachteil der Allradtechnik konnten wir nicht feststellen. Sie wiegt nur 60 Kilo mehr, der Verbrauch soll (angeblich) nur 0,1 Liter über dem der Hecktriebler liegen, und 2970 Euro Aufpreis für das System – etwa so viel wie das Navi – sind in der Preisklasse über 80.000 Euro eine eher schon drollige Petitesse.
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