Es fällt leicht, die zweite Ghibli-Generation in der über 100-jährigen Geschichte Maseratis zu übersehen. Das zwischen 1992 und 1997 gebaute Coupé gehört zu den sportlichen, aber doch eher unscheinbaren Typen. Insbesondere im Vergleich zu seinem beinahe ikonischen Namensvorgänger, dem zwischen 1966 und 1973 gebauten Ghibli (Tipo AM115). Das Urmodell ist nicht zuletzt aufgrund seiner aufregenden Fließheck-Form bei Sammlern sehr beliebt. Für das Coupé werden häufig 200.000 Euro aufgerufen, der viel seltenere Ghibli Spyder kann bis zu 700.000 Euro kosten.

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Maserati Ghibli


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Von solchen Preisregionen ist der zweite Ghibli weit entfernt. Das hier angebotene Modell mit dem für den italienischen Markt konzipierten 2,0-Liter-V6 (um die damals in Italien drastisch höhere Besteuerung von Autos mit über 2,0 Liter Hubraum zu umgehen) soll 39.900 Euro kosten. Nicht günstig, doch die niedrige Laufleistung von 64.000 Kilometern und die Erstzulassung im letzten Produktionsjahr (1997) sprechen für das Exemplar. Im Laufe der Bauzeit sorgte Fiat nämlich für zahlreiche Qualitätsverbesserungen.

Der Ghibli entstand unter Fiats Regentschaft

Fiat hatte Maserati Anfang der 1990er von De Tomaso übernommen, De Tomaso wiederum verantwortete die Biturbo-Modellreihe, die in den 1980er-Jahren eingeführt wurde. Der zweite Ghibli nutzte als später Nachfahre dieser Modellreihe deren Plattformtechnik. Um die problematische Qualität der Biturbo-Modellreihe ranken sich wahre Schauergeschichten, doch technisch ist der Ghibli zweifelsohne das ausgereifteste Modell dieser Biturbo-Ära.
Maserati Ghibli Tipo AM336
Lang wie ein Golf (4,22 Meter), stark wie ein Porsche: Aus zwei Litern Hubraum schöpft der Biturbo-V6 306 PS. Für Exportmärkte gab es einen 2,8-Liter-V6 mit 284 PS. Das Gewicht liegt um 1,4 Tonnen.
Bild: Gassmann GmbH
Geblieben sind die kurzen Serviceintervalle mit teils komplexen Arbeiten: Der Zahnriemen ist alle 40.000 Kilometer fällig, für den Tausch der Nockenwellen-Ketten und -Ritzel (nach etwa 75.000 Kilometern) muss der Motor ausgebaut und die Steuerzeiten neu eingestellt werden. Doch wer nutzt so einen Ghibli heute noch als Daily-Driver?

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Nach dem Facelift im Jahr 1994 verfügte der ausschließlich als Coupé gebaute Sportler über ein optimiertes und elektrisch verstellbares Fahrwerk, das für damalige Zeiten eine weite Spreizung bietet. Zudem bekam das Getrag-Schaltgetriebe einen sechsten Gang spendiert. Und es gab kleine Designanpassungen, wie breitere Schürzen und ein neues Firmenlogo.

Ghibli mit gefälliger Farbkombination

Einige Ghibli aus den 1990er-Jahren besitzen teils abenteuerliche Farbkombinationen, die schrillen Töne in den Innenräumen sind nicht immer leicht zu verkraften. Das vom Autohaus Gassmann angebotene Modell gehört mit seiner ansehnlichen Conolly-Lederausstattung in Dunkelblau zu den farblich gefälligen Versionen. Zudem passt der Lederton sehr gut zum silbernen Lack.
Maserati Ghibli Tipo AM336
Gefällige Farbgebung auch im Innenraum. Ghibli-Exemplare der zweiten Generation verließen die Werkshallen auch mit mintgrünen oder gelben Innenausstattungen.
Bild: Gassmann GmbH
Inzwischen typisch für Maserati ist die oval geformte analoge Uhr auf dem Armaturenbrett. Das Designelement war damals aber noch recht jung und sollte die neue Ausrichtung der Marke unterstreichen. Maserati wollte nicht als Sportwagenbauer, sondern als Hersteller von stilvollen, luxuriösen und sportlichen Fahrzeugen verstanden werden.

Reminiszenz an den BMW M3 E30

Gezeichnet wurde der Ghibli AM336 übrigens vom grandiosen Designer Marcello Gandini, der im März 2024 im Alter von 85 Jahren verstarb. Der Italiener schuf viele Sportwagenlegenden wie Lamborghini Miura und Countach, Alfa Romeo Montreal oder Lancia Stratos, aber auch den Kleinwagen Audi 50. Beim Heck des Ghibli zitierte er durch den aufgesetzten Heckdeckel den damaligen BMW M3 – also eine kleine Hommage an das M-Team jenseits der Alpen.
Maserati Ghibli Tipo AM336
Mit dem Heck zitierte Designer Marcello Gandini den BMW M3 der Baureihe E30.
Bild: Gassmann GmbH

Sensationelle Literleistung, Gründung des EVO-Magazins

Was den Ghibli außerdem besonders macht, ist seine hohe Literleistung. Der 2,0 Liter große V6-Biturbo des Sondermodells Ghibli Cup kam durch eine kleine Leistungssteigerung auf 330 PS und besaß damit seinerzeit eine der höchsten Literleistung eines Serienfahrzeugs.
Aber den sensationellen Ghibli Cup in die Finger zu bekommen, war damals auch für Journalisten nicht leicht. So wandte sich unter anderem das Top-Gear-Team um Jeremy Clarkson an den Autosammler Harry Metcalfe, der 1994 einer der ersten Besitzer eines Maserati Ghibli Cup war. Durch die Verbindung zur Motorpresse wurde Metcalfe bald selbst zum Journalisten und gründete 1998 das Sportwagenmagazin "EVO".