Softe Landstraßenschwünge vor den Toren des Lausitzrings, dann auf die A4. So startet die Kennenlernrunde mit dem Folgore. Italienischer Lederduft balsamiert die Seele, Eros Ramazzotti schmachtet durch die Boxen und übertönt das spacige, aber unaufdringliche E-Motorengeräusch.
Souverän zieht der Maserati durch eine lange Links, die in eine verwaiste Endlosgerade öffnet. Der Redakteur, vom italienischen Flair leicht eingelullt, bemerkt sofort die Mühelosigkeit, mit der sich der Folgore auf Tempo 250 schiebt. Die 325 km/h Topspeed haben sich in der Presse-Info noch wie ein Fabelwert gelesen.
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Maserati GranTurismo Folgore
Auch ohne die fehlenden Endrohrfanfaren am Heck ist der Folgore unverkennbar ein GranTurismo.
Bild: Lena Willgalis
Ohne einen Blick auf den gemessenen 0–300-Wert, um den ich Testchef Naumann direkt nach meiner Ausfahrt bat, wäre diese Testgeschichte nur halb so eindrucksvoll geschildert. Der liebe Kollege wusste gar nicht, wie ihm geschah, als ausgerechnet ich als alter V8-Sentimentalist meine Begeisterung für diesen elektrischen Folgore äußerte. Bekommen habe ich am Ende nicht nur den gewünschten Beschleunigungswert, sondern auch eine Rundenzeit.
Motorbauart vorn/hinten 
drei E-Motoren, einer vorn, zwei hinten 
Nennspannung 
800 V 
Energieinhalt brutto/netto 
92,5/83 kWh 
Maximalleistung 
560 kW (761 PS) 
Peak-Leistung 
610 kW (829 PS) 
Dauerleistung 
141 kW (192 PS) 
Drehmoment 
1350 Nm 
maximale Ladeleistung AC/DC 
22/270 kW 
Zeit 20-80 % an HPC 
18 Min. 
Getriebe 
1-Gang-Reduktionsgetriebe 
Antriebsart 
Allrad 
Bremsen (vorn) 
380 mm innenbelüftet/gelocht 
Bremsen (hinten) 
350 mm innenbelüftet/gelocht 
Bremsscheibenmaterial 
Stahl 
Radgröße 
9,5 x 20" - 10,5 x 21" 
Reifengröße 
265/35 R 20 - 295/30 R 21 
Reifentyp 
Pirelli P Zero (MGT) 
Maße L/B/H 
4959/2113*/1353 mm 
Radstand 
2929 mm 
Kofferraumvolumen vorn/hinten 
-/270 l 
WLTP-Verbrauch auf 100 km 
22,0 kWh 
Testwagenpreis
196.440 Euro
Doch der Reihe nach und zu einer einleitenden Frage: Kann eine italienische Marke wie Maserati elektrisch und emotional verbinden? Zur Modelleinführung gab man sich selbstbewusst, hat mit der Rückkehr ins Heimatwerk Modena aber jüngst wieder echte Verbrennerambitionen verlauten lassen. Den GranTurismo mit V6-Biturbo sind wir bereits im harten Test gefahren. So richtig überwältigend motorisiert wirkte der allerdings nicht.

Drei E-Motoren liefern enorme Leistung – bis über 300 km/h sind drin

Der Folgore setzt auf ein 800-Volt-Bordnetz für drei jeweils bis zu 300 kW starke Permanentmagnetmotoren. Einer für die Vorderachse, zwei für die Hinterachse. Im Sinne der Effizienz wird ihre Leistung auf 560 kW (761 PS) und 1350 Nm begrenzt. Im Peak stehen kurzzeitig 610 kW (829 PS) zur Verfügung. Damit geht es in gemessenen 2,9 Sekunden auf 100, in 9,4 auf 200 und in 25,9 schließlich auf die magischen 300 km/h.
Maserati GranTurismo Folgore
Unaufgeregte Cockpitlandschaft, logische Bedienung und feiner Ledergeruch. Nur die emotionalen Verbrennerklänge fehlen in der Designerlounge.
Bild: Lena Willgalis
Besonders im letzten Drittel, wo den meisten E-Sportlern das Drehmoment gern einmal schwindet, zieht der Folgore ungehemmt weiter bis in höchste Temporegionen. Achtsam, aber unaufgeregt hängt er dabei am E-Pedal, lässt sich so gefühlvoll und fein dosiert beschleunigen. Die Bremse, die für eine Stahlanlage und das hohe Gewicht sehr ordentlich funktioniert, könnte sich aber weniger teigig treten.

Mehrgewicht spürbar, doch mit Vorteilen beim Einlenken und Traktion

Trotz nahezu perfekter Gewichtsverteilung ist das Mehrgewicht zum Trofeo (2346 zu 1893 kg) in Fahrt stets präsent. Auch der Folgore kann die schwache Vorderachse des GranTurismo trotz seines tieferen Schwerpunkts und des cleveren Torque Vectorings über beide Hinterachsmotoren nicht vollständig parieren. Er dreht aber williger ein und macht sich im gesamten Kurvenverlauf die Vorzüge des sofortigen E-Drehmoments zunutze. Wo der Trofeo-V6 unter 3000 Touren schnell schlaff wirkt, herrscht beim Folgore Dauerspannung. Das macht Spaß, besonders wenn das Heck leichte Powerslides zaubert.
Maserati GranTurismo Folgore
Der Kofferraum des GranTurismo Folgore fällt aufgrund der Elektrokomponenten etwas kleiner aus: Während die Verbrenner 310 Liter aufnehmen können, sind es bei dem Stromer immer noch gute 270 Liter.
Bild: Lena Willgalis
Ja, so sehr einem beim Pirelli-Schmirgeln die einstigen V8-Arien fehlen: Im Handling setzt der Folgore echte Spaßakzente, die durchaus italienisch-emotional sind. Dass er den Lausitzring am selben Tag nur ein paar Zehntel langsamer als ein 911 T umrundet, darf dafür als Beleg gelten.
Antrieb 
45 
39 
Bremse 
40 
22 
Fahrwerk 
60 
40 
Lenkung 
40 
24 
Rundenzeit 
50 
28 
Emotionen 
50 
24 
Alltag 
50 
25 
Kosten 
50 
32 
GESAMTWERTUNG
385
234
Seine Performance ist für einen schweren Elektro-GT auch deshalb so überzeugend, weil sich der Folgore einen hohen Komfort bewahrt. Schade dennoch, dass er selbst im Corsa-Mode nie ganz so offensiv nach Sportlichkeit trachtet wie ein Porsche Taycan Turbo. Wer sich an den Zeitverlusten durch die längeren Ladestopps nicht stört, reist mit ihm entspannt und souverän über große Distanzen.

Fazit

von Guido Komp
Ohne Wenn und Aber: Dieser Folgore ist im Wortsinn eine spannende Alternative zu seinem Verbrenner-Pendant. Der elektrifizierte Italiener setzt sich trotz des hohen Mehrgewichts mit seinem ganz eigenen Handling positiv in Szene. Sportliche Extreme überlässt er aber anderen. So entsteht ein überraschend stimmiger Elektro-Gran-Tourer mit noch immer unerreicht italienischem Flair.