Dies war das erste Auto, bei dem die Runde auf der Rennstrecke richtig wehtat. Wobei es ein wenig dauerte, bis wir das erleben durften. Beim Fahrtermin 2018 wurde uns die schnelle Runde auf dem Sachsenring noch verwehrt.
Dann knallte der Manthey 911 GT2 RS MR einen neuen Rundenrekord in den Sachsenring – und das sprach sich offenbar bis nach Woking herum. Plötzlich waren die Briten Feuer und Flamme, die Bestzeit auf der sächsischen Achterbahn zu knacken. Dann ging alles ganz schnell, im Spätsommer 2020 standen Auto, Team und einige Sätze Reifen in der Box an unserer Hausstrecke.
McLaren Senna
800 Kilo Abtrieb bei 250 km/h, einmalig bei einem Serienfahrzeug. Doppelt so viel wie beim Porsche 911 GT2 RS.

Das "Flugzeug" mit dem legendären Namen ist das Extremste, was wir jemals gefahren und getestet haben. 800 PS, 800 Newtonmeter, 0 auf 200 in 6,8 Sekunden, 1,7 Kilo pro PS, eine absolut auf Abtrieb und Aerodynamik getrimmte Karosserie, intelligenter, beweglicher Heckflügel, die wenigen Schalter in den Dachhimmel gerückt, das Ambiente radikal aufs Allernötigste reduziert, die Schalensitze eng wie Schraubstöcke – ein waschechter Rennwagen, der mühsam ins Korsett der Straßenzulassung gezwängt wurde.

Im Senna noch mal alles anders

Zurück zum Rekordversuch 2020: Der Tag begann mit ein bisschen mehr Respekt als üblich und einem etwas mulmigen Gefühl. Klar, die 1:25,30 Minuten im Manthey-Elfer waren auch keine Runde, die man mal eben locker raushaut. Das war schon großes Kino mit noch nie gekannten Kurvenspeeds gewesen. (Das sind die teuersten Extras für den Senna)
McLaren Senna
Die extra für den Senna gebackenen Pirellis sind vorn zu schmal. Mit breiteren Sohlen ginge es noch schneller.

Doch im Senna war noch mal alles anders. Im Elfer sitzt man wie im Elfer, in diesem McLaren hockst du gefühlt noch mal einen halben Meter tiefer, das Cockpit ist wie in einem Rennwagen um den Fahrer herumgebaut.

Rekord reine Formsache

Und dann, als die Briten die Heizdecken von den Pirellis zogen, der Ingenieur den Finger hob, da zog ich den Gurt noch mal straffer als sonst – und sammelte alle Kräfte im Kopf und in den Armen. Glauben Sie mir, in den letzten 20 Jahren hab ich über 700 Autos am Sachsenring gefahren, doch keine Runde hat mich so sehr mitgenommen wie die im Senna.
McLaren Senna
Das Design mit riesigem Flügel und wütender Front erinnert eher an einen Starfighter als an einen Sportwagen.

Die Fliehkräfte sind so extrem, dass der Helm schwer wird und die Oberarme auf Popeye-Niveau anschwellen. Auch das Hirn tut sich schwer zu verarbeiten, was dieses Tier da mit den Kurven macht. Der Rekord war am Ende reine Formsache, das Szenario ist bis heute einmalig!

Technische Daten und Preis: McLaren Senna

Motor: V8, Biturbo, Mitte hinten längs
Hubraum: 3994 cm3
Leistung: 588 kW (800 PS) bei 7250/min 
max. Drehmoment: 800 Nm bei 5500-6700/min
Antrieb: Hinterrad/7-Gang-Doppelkupplung
L/B/H: 4744/1958/1229 mm
Leergewicht: 1354 kg
0–100 km/h: 2,8 s
0–300 km/h: 17,5 s
Spitze: 340 km/h 
Preis: 922.050 Euro (2020)

Fazit

Radikal und brachial, macht Kurven zu Geraden, flasht einen nonstop – so verdient sich der McLaren den Namen Senna zu Recht. Viel näher kann man der Formel 1 mit einem Straßenauto nicht kommen.