Mercedes E 300 de im Test

Mercedes 300 de: Test

Diesel-Hybrid in der E-Klasse

Unsinn oder richtig gut? Im Mercedes E 300 de treffen sich hocheffektiver Dieselmotor und moderner Plug-in-Hybrid. AUTO BILD macht den Test!
Meditative Stille, wo sonst die Diesel im Leerlauf um die Wette knurren. Und selbst beim Vorrollen geben die Daimler-Droschken nur ein zartes Summen von sich. Wunschdenken? Zukunftsmusik? Was mit den Ohren? Nicht doch, dreimal falsch geraten. AUTO BILD sitzt im neuen Mercedes E 300 de. Einem Diesel mit eingebauter elektrischer Eingreiftruppe. Also E-Motor, Speicherbatterie und Ladekabel. Ein Diesel, der deshalb auch rein elektrisch fahren kann. Und Taxistände so in einen Ort der absoluten Ruhe verwandelt.

Die Hybrid-E-Klasse arbeitet meist unauffällig im Hintergrund

Leise: Der Antrieb des 300 de arbeitet geräuscharm im Hintergrund – nur ganz selten hört man den Diesel.

Dabei helfen vier verschiedene Fahrmodi. "Hybrid" regelt das Zusammenspiel aller Komponenten automatisch. "Charge" lädt unterwegs die Batterie. "E-Save" hebt die Akkuleistung für später auf. Und "E-Mode" ist der rein elektrische Antrieb. So weit die in diesem Fall mattgraue Theorie. Und wie fährt sich das im echten Leben? Einerseits völlig unspektakulär. Das ganze Hin und Her zwischen Selbstzünder und E-Maschine bekommt der Fahrer allenfalls am Rande mit. Nur wenn der Akku gerade völlig ausgelutscht nach einer Steckdose oder der internen Stromspeisung lechzt, springt der Zweiliter-Diesel beim geringsten Anflug einer Leistungsabfrage an. Und klingt dann – aber auch nur dann – tatsächlich wie das schon zitierte Taxi. Ansonsten rollst du flüsterleise und emissionsfrei aus der Tiefgarage oder der Neubausiedlung, surrst batterie-elektrisch durch die Landschaft und bekommst kaum mit, wenn der Selbstzünder beim Überholen oder auf der Autobahn seine 194 Pferdchen zu den 122 Elektro-PS auf die Weide schickt.

In Sachen Fahrleistungen ist der Mercedes durchaus sportlich

Sprinter: In schlanken 5,7 Sekunden stürmt die Hybrid-E-Klasse auf Tempo 100 und schafft 250 km/h.

Und bitte nicht wundern, dass die Systemleistung "nur" 306 PS und nicht 316 PS beträgt. Das liegt schlicht und ergreifend daran, dass der E-Motor seine Maximalleistung nicht bei der genau gleichen Drehzahl erreicht wie der Verbrenner. Doch keine Panik. Ein Leistungsmangel lässt sich nicht feststellen. Ganz im Gegenteil. Obwohl die zusätzliche Elektro-Abteilung das Leergewicht des E 300 de gegenüber dem ebenfalls vierzylindrigen E 300 d um über 300 Kilo auf eher erschreckende 2,1 Tonnen treibt, geht der Diesel-Hybrid fast wie ein Sportwagen. Aus dem Stand wuchtet sich das Doppelherz in 5,7 Sekunden auf Tempo 100 und stürmt bei Bedarf mit 250 km/h dem nächsten Zielpunkt entgegen. Besonders angenehm: Weil der E-Motor schon ab der ersten Umdrehung sein volles Drehmoment an die Hinterräder überweist, gibt es keine Anfahrverzögerung, ein Turboloch kennt der Plug-in-Hybrid nicht.
Dafür haut das dynamische Motoren-Duo bis zu 700 Nm Drehmoment raus, schnipst sich die dieselelektrische E-Klasse auf der Landstraße im Zeitraffer an Lkw vorbei. Das Zusammenspiel mit der bekannten Neunstufenautomatik klappt dabei ebenfalls reibungslos und scheinbar intuitiv – auch ohne Kickdown erweist sich der Benz in jeder Situation als Herr derselben.

Sparsame Fahrweise belohnt der Benz mit Mini-Verbrauch

Mit vollem Akku und sanftem Gasfuß gefahren, begnügt sich der E 300 de mit 2,7 l/100 km.

Klingt nach mächtig Spaß, aber was ist denn jetzt mit sparen? Ja, auch das kann er – je nach Anforderungsprofil. Wer zum Beispiel täglich 20 Kilometer zur Arbeit und noch mal 20 wieder nach Hause fährt, darf sich freuen. Das schafft "de" rein elektrisch, auf unserer Verbrauchsrunde surrten wir erst mal 43 Kilometer nonstop mit Akku-Power. Die nach fünf Stunden und 10,8 kWh an der 230-Volt-Steckdose auch schon wieder 100 Prozent beträgt – dem eingebauten 7,2-kW-Lader sei Dank. Mit vollem Akku müssen für 100 Kilometer also "nur" 3,5 Liter Diesel verbrannt werden, auf der Sparrunde sind es sogar nur 2,7 Liter. Und selbst mit komplett saftloser Batterie reichen 6,2 Liter. Wer den 66 Liter großen Tank für 60 Euro ordert, schafft so 1000 Kilometer am Stück. Mit dem völlig realitätsfernen Normverbrauch von 1,6 l/100 km errechnen sich sogar mehr als 4000 Kilometer. Aber das ist ein ganz anderes Problem.
Und nicht das einzige: Mercedes möchte 54.776 Euro überwiesen haben – mindestens. Wer Luxus liebt, zahlt schnell 70.000 Euro. Gegenüber dem schwächeren, aber kaum langsameren E 300 d mit 245 PS bedeutet das 3201 Euro Hybrid-Zuschlag. Der fast gleich starke, aber minimal schnellere E 350 d mit 286 PS kostet mit 55.222 Euro quasi das Gleiche. So oder so ärgern wir uns über nur zwei Jahre Garantie. Und müssen unseren Hybrid jedes Jahr (oder alle 25.000 Kilometer) in der Werkstatt vorführen. Bevor wir uns jetzt zu sehr aufregen, schalten wir den Diesel-Hybrid auf E-Mode und genießen die meditative Stille.
Das Fazit von Gerald Czajka: "Der E 300 de beeindruckt. Sicher nicht jeden, aber so manchen Kurzpendler. Werktags elektrisch ins Büro, am Wochenende mit dem Diesel an die See. Und für zwei Autos in einem geht auch der Preis in Ordnung."
AUTO BILD-Testnote: 2+

Mercedes E 300 de im Test

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Autoren: Gerald Czajka, Henning Klipp

Stichworte:

Hybrid Diesel-Hybrid

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