Mercedes 450 SEL 6.9 (1980) Gebrauchtwagen
Wird dieser Mercedes 450 SEL 6.9 ein Schnäppchen?
Bild: Bonhams
69.930 DM kostete der Mercedes 450 SEL 6.9 bei seiner Präsentation im Jahr 1975 – und damit rund doppelt so viel wie ein 350 SE zu dieser Zeit. Für sein damaliges Topmodell fuhr Mercedes aber auch richtig auf: Ein V8 mit 6,9 Litern Hubraum, Hydropneumatik und vieles mehr ließen die Fachpresse jubeln und bescherten dem W 116 den inoffiziellen Titel "bestes Auto der Welt". Knapp 45 Jahre später gibt es den 6.9 zu verlockenden Preisen!
Ein besonders extrovertiertes Exemplar wird von Bonhams im Rahmen der "Goodwood Revival Collectors Motor Cars und Automobilia"-Auktion am 7. September 2024 versteigert. Der goldene SEL wurde 1980 zugelassen und stammt somit aus dem letzten Baujahr. Zu dieser Zeit war der Basispreis des 6.9 bereits auf 81.300 DM angestiegen.
Auffällig ist, dass dieser 6.9 mit einer AMG-Schürze und originalen AMG-Penta-Felgen mit lackiertem Stern veredelt wurde. Doch das ist noch nicht alles, denn der Innenraum wurde ebenfalls umfassend, nennen wir es, modifiziert. Laut Auktionsbeschreibung wurde der W 116 im Jahr 2009 umfangreich restauriert. In diesem Zug wurde das gesamte Interieur neu beledert. Dabei entschied sich der Vorbesitzer für eine Bicolor-Kombination in Dunkelbraun/Beige. An Leder wurde dabei nicht gespart, das findet sich auch den Türtafeln und den Dachhimmel wieder. Kurios ist, dass die A-/B- und C-Säulen mit einem unterschiedlichen Struktur-Leder ausgekleidet sind.

Understatement ist Trumpf: Das Topmodell ist nur an den Schriftzügen und den breiteren Hinterreifen zu identifizieren.
Bild: Bonhams
Schenkt man der Beschreibung glauben, so wurde der Limousine auch ein TV spendiert, der auf den Fotos jedoch nicht zu erkennen ist. Laut Bonhams befindet sich der 450 SEL in einem guten Zustand. Das scheint Auslegungssache zu sein, denn für Freunde von Originalität ist dieser W 116 definitiv nichts.
6,9 Liter Hubraum und 286 PS
Wichtig ist, dass der gigantische V8 mit dem Motorcode M 100 E 69 einwandfrei läuft, denn Reparaturen können schnell sehr teuer werden. Für sein damaliges Topmodell entwickelte Mercedes den V8 aus dem 300 SEL 6.3 weiter. Hierbei wurde der Hubraum auf 6,9 Liter erweitert (streng genommen sind es eigentlich nur 6,8 Liter, aber Mercedes hat es ja nicht so mit der Genauigkeit der Modellbezeichnungen). Die Leistungsausbeute beträgt 286 PS und 550 Nm ab 3000 U/min – beeindruckende Werte anno 1975.

Der gigantische V8 füllt den Motorraum des W 116 komplett aus. Er leistet 286 PS und 550 Nm.
Bild: Bonhams
Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Luxuslimousine in zeitgenössischen Tests den angegebenen Topspeed von 225 km/h mehrfach überbieten konnte. Noch beeindruckender als die schiere Leistung muss für die gut betuchten Kunden jedoch der Komfort gewesen sein. Anstelle einer Luftfederung setzte Mercedes beim 450 SEL 6.9 auf eine Hydropneumatik, die mit Gas und Drucköl funktioniert.
Gemessen an heutigen Maßstäben tritt das Topmodell zudem fast schon unauffällig auf. Die einzigen Unterscheidungsmerkmale zum normalen 450 SEL sind die Schriftzüge und breitere Hinterreifen.
Knapp 190.000 Kilometer
Das hier gezeigte Exemplar ist einer von nur 7380 jemals gebauten 450 SEL 6.9, hat drei Vorbesitzer und umgerechnet rund 190.000 Kilometer (118.398 Meilen) auf dem Tacho. Der Zustand lässt sich aus der Ferne natürlich nur unzureichend beurteilen. Immerhin wurde in der Vergangenheit schon mal Geld in den SEL investiert, andererseits ist die Restauration mittlerweile auch schon 15 Jahre her.

Im Innenraum ist praktisch nichts mehr original. Der Vorbesitzer entschied sich für eine Bicolor-Ausstattung in dunkelbraun/beige.
Bild: Bonhams
So hoch ist der Schätzpreis
Am Ende kommt es, wie so oft, auf den Preis an. Der Schätzpreis ist mit 24.000 bis 35.000 Euro recht breit gefächert. Ein kurzer Blick in die Gebrauchtwagenbörse zeigt, dass das Angebot an 450 SEL 6.9 klein ist und die Preisspanne extrem groß. Los geht's bei etwa 20.000 Euro für vernachlässigte Autos. Gepflegte Sechsneuner kosten mindestens 40.000 Euro, und Top-Exemplare kratzen bereits an der 100.000-Euro-Marke.
Es scheint, als gibt es hier einen ehrlichen 6.9, der als Alltagsklassiker fungieren könnte – das nötige Kleingeld für den Unterhalt vorausgesetzt. Für deutsche Kunden dürfte das Auto aber eher uninteressant sein, da es sich um einen Rechtslenker handelt.
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