Kaum ein neues Auto polarisiert so wie die neue A-Klasse. Kein Wunder, die Schwaben haben den radikalsten Modellwechsel ihrer Geschichte gewagt. War der Vorgänger noch ein sachlich gestyltes Raumwunder, ist die dritte Generation der A-Klasse ein flaches Designerauto geworden. Das Ziel von Mercedes: Endlich die ersehnte junge Kundschaft in die Schauräume locken – auch wenn das nur bedingt gelingt. Dafür nahm Mercedes einiges in Kauf. So machen die Verantwortlichen bei Daimler keinen Hehl daraus, dass schon bei der Erstellung des Lastenhefts klar war: Mit der neuen A-Klasse sind keine Vergleichstests zu gewinnen.

Überblick: Alle News und Tests zur Mercedes A-Klasse

Mercedes A-Klasse
Unter die Haube geschaut: Leistet der A 180 CDI so viel, wie es Mercedes in den technischen Daten angibt?
Bild: Bader
Der Innenraum ist zu eng, im Fond kann kaum ein Erwachsener sitzen. Das Kofferraumvolumen von 340 Litern liegt zwar auf Klassenniveau, die Ladebreite ist aber durch die einteiligen Rückleuchten derart eingeschränkt, dass große Koffer oder Kinderwagen nicht eingeladen werden können. Und: Mercedes lässt sich den guten Namen bezahlen. Schon die günstigste A-Klasse mit 122-PS-Benziner kostet 24.336 Euro, ein kräftiger Premium-Zuschlag. Ein vergleichbarer VW Golf etwa ist bereits für 22.425 Euro zu haben. Kaum verwunderlich also, dass der Mercedes bei der Weltmeisterschaft der Kompakten sogar gegen den Ford Focus verliert. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille. Denn bei den Kunden kommt die neue A-Klasse offensichtlich gut an. Unsere Leser etwa wählten sie beim Design Award 2012 zum schönsten Auto des Jahres.
Mercedes A-Klasse
Voll bis unters Dach: Wir haben ausprobiert, was die neue A-Klasse wirklich verpacken kann.
Bild: Bader
Und auch die Zulassungszahlen steigen seit Monaten kontinuierlich an – sind aber mit Vorsicht zu genießen. Denn in der Markteinführungsphase kommen zahlreiche Vorführ-und Mietwagen auf unsere Straßen. Wie viel Talent steckt wirklich in der neuen A-Klasse? Um diese Frage präzise zu beantworten, unterzogen wir den Mercedes dem harten AUTO BILD-Supertest. Gemeinsam mit Experten der Sachverständigenorganisation Dekra schauten wir der A-Klasse unters Blech, haben zum Beispiel das genaue Kofferraumvolumen ermittelt, die Rundumsicht vermessen und die Verarbeitungsqualität überprüft – und dabei so manche Überraschung erlebt. Alle Details zum Test gibt es oben in der Bildergalerie.

Fazit

von AUTO BILD
Die Erwartungen an die neue A-Klasse sind so hoch wie die Preise. Schließlich verspricht Daimler "Das Beste oder nichts" und den mutigsten Mercedes aller Zeiten. So weit die Marketing-Prosa aus Stuttgart. Im harten Alltag hingegen ernüchtert der Kompakte. Die sportlich gezeichnete Karosserie schränkt den Nutzwert unnötig ein – ungewohnt für eine Marke, die früher mit funktionalen Autos große Erfolge feierte. Sitzen im Fond ist für Erwachsene unmöglich, Koffer und Kinderwagen können zum Teil nicht eingeladen werden. Dazu kommen billige Detaillösungen und die schon – ein halbes Jahr nach Marktstart – veraltete Navigation. Gut hingegen der von Schwacke prognostizierte Wiederverkaufswert und der Top-Pannenservice der Niederlassungen. Unterm Strich ist die A-Klasse guter Durchschnitt – etwas wenig für den hohen Mercedes-Anspruch.