Mercedes-AMG CLE 53 4Matic+ Cabriolet: Fahrbericht
Das AMG CLE 53 Cabriolet ist offen fürs ganze Jahr
Bild: Pablo Wolff / AUTO BILD
Hat da jemand bei Mercedes einen besonderen Draht zu Petrus? Die Costa del Sol in der südspanischen Provinz Málaga heißt schließlich nicht umsonst Sonnenküste. Im Oktober ist normalerweise Badewetter angesagt. Doch kaum sind wir hier die ersten Kilometer im neuen AMG CLE 53 Cabriolet gefahren, ziehen dunkle Wolken auf, fängt es an zu regnen.
Der Instinkt sagt unwillkürlich: Verdeck schließen! Doch halt. Hatten die Schwaben nicht eben vor der Abfahrt noch betont, dass der potente Viersitzer mit Verdeck uneingeschränkt ganzjahrestauglich ist? Und dabei insbesondere auf das elektrische Windschottsystem Aircap hingewiesen? Das kann doch alles kein Zufall sein. Wir lassen es darauf angekommen: Das Verdeck bleibt offen.

Harmonisch: Das bullige Heck des CLE 53 setzt auch ohne Dach einen markanten Abschluss.
Bild: Mercedes-Benz AG
Die Landstraße schlängelt sich von der Küste in die Berge rauf. Das Fahrprogramm von "Comfort" auf "Sport+" gestellt. Der Reihensechszylinder geht nun deutlich markanter ans Werk, quittiert jedes Runterschalten der neunstufigen Wandlerautomatik mit einer wohligen Donnersalve. Den zunehmend feuchteren Asphalt pariert der vollvariable Allradantrieb mühelos – trotz 449 PS und maximal 600 Newtonmeter Drehmoment.
Auch die Scheibenwischer verschärfen ihre Gangart, denn der Niederschlag nimmt zu. Der Blick gleitet etwas ungläubig in den mittleren Rückspiegel, auf die hintere Sitzreihe. Alles trocken. Der ausgefahrene Windabweiser an der Frontscheibe lenkt Fahrtwind und Regen souverän über den Innenraum bis hinter das automatische Windschott jenseits der Fondsitze hinweg. Chapeau, Aircap!
Talentierter Verwandlungskünstler
Erst als ein beladener Kippmuldenlaster im Überholverbot den Verkehr deutlich einbremst, betätigen wir die Verdeckautomatik. Vollständig elektrisch angetrieben, schließt sie den Innenraum innerhalb von 20 Sekunden. Das funktioniert bis 60 km/h. Der erste Eindruck der Geräuschdämmung: hervorragend. Auch wenn Autobahntempi natürlich noch einmal eine ganz eigene Herausforderung sind, die wir hier nicht ausprobieren können.
Das Cabriolet des CLE 53 scheint auf den ersten Eindruck in jeder Hinsicht ein talentierter Verwandlungskünstler zu sein. Nicht nur zwischen offen und geschlossen. Denn wie schon dem Coupé gelingt ihm die Bandbreite vom komfortablen Cruiser bis zum potenten Sportwagen. Und bestätigt das, was der geschlossene Bruder bereits im Einzeltest abgeliefert hat.

Das edle Interieur ist auch offen durch das Windschottsystem Aircap gut geschützt.
Bild: M. Westerhoff
Erstaunlich ist, wie deutlich der Unterschied zwischen komfortabelster und sportlichster Einstellung beim Fahrwerk spürbar ist. Denn hier kommt keine Luftfederung zum Einsatz. Lediglich die Dämpfer sind über getrennte Ventile für die Zug- und Druckrichtung verstellbar. Im Fahrprogramm "Comfort" bügelt es kurze Anregungen gekonnt weg.
Fahrzeugdaten | Mercedes-AMG CLE 53 4MATIC+ Cabriolet |
|---|---|
Motor | R6, Turbo/eZV, Mildhybrid |
Hubraum | 2999 ccm |
Leistung | 330 kW (449 PS) bei 5800-6100/min |
max. Drehmoment | 600 Nm bei 2200/min |
Antrieb | Allrad/Neunstufenautomatik |
L/B/H | 4853/1935/ 1435 mm |
Leergewicht | 2110 kg |
0-100 km/h | 4,4 s/ 4,2 s (mit Race Start) |
Spitze | 250 km/h, optional 270 km/h |
Verbrauch | 9,6-9,8 l SP/100 km |
Preis | ab 100.436 Euro |
In "Sport +" macht sich dagegen jede Querfuge bemerkbar, gibt’s unmittelbare Rückmeldung zur Fahrbahnbeschaffenheit. Dieser Spagat ist nicht nur für Langstrecke oder Landstraße nützlich. Wer offen einfach nur entspannt dahingleiten will, weiß die Unterschiede auf Knopfdruck schnell zu schätzen. Ebenso trägt die Hinterachslenkung ihren Teil dazu bei. Bei ruhiger Gangart erleichtert sie primär die Lenkradarbeit. Bei sportlichen Fahreinlagen lässt sie das immerhin 4,85 Meter Auto subjektiv wesentlich kürzer und agiler wirken.
Bewährter Reihensechszylinder mit Extra-Punch
Dass es für einen AMG nicht immer eine komplett eigenständige Motorkonstruktion braucht, zeigt die M256M genannte Variante des zivilen M256 (im CLE 450: 381 PS, 500 Nm). Die kleine 48-Volt-E-Maschine mit 23 PS, als Mild-Hybrid eingeflanscht zwischen Verbrennungsmotor und Getriebe, kann nicht nur lässig starten, rekuperieren oder segeln. Sondern auch boosten.

Gelungen: Der bekannte Reihensechszylinder gibt als AMG-Derivat mit 449 PS den Ton an.
Bild: Mercedes-Benz AG
Dabei geben sich E-Motor, elektrischer Zusatzverdichter und Abgasturbolader so kultiviert die Klinke in die Hand, dass selbst in der scharfen AMG-Applikation keine Übergänge für den Fahrer spürbar sind. Mit der "Race Start" genannten Launch Control lässt sich die Werksangabe für den Sprint von 0 bis 100 km/h des Coupés von 4,2 Sekunden erreichen, ohne bleiben 0,2 Sekunden liegen. Denn das Cabrio bringt mit 2110 Kilogramm immerhin 110 Kilo mehr auf die Waage. Die abgeregelten Höchstgeschwindigkeiten liegen ebenso bei 250 beziehungsweise optionalen 270 km/h.
Wäre da noch das Kostenkapitel. Mit einem Aufpreis von etwas mehr als 8000 Euro gegenüber dem Coupé durchbricht das Cabriolet mit einem Grundpreis von 100.436 in jedem Fall die Sechsstelligkeit. Damit bleibt der CLE 53 auch offen kein Schnäppchen. Aber immerhin investieren Käufer in ein Cabriolet, das tatsächlich zu jeder Jahreszeit eine gute Figur abgeben dürfte.
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