Mercedes Concept AMG GT XX: Mitfahrt im Rekord-E-Auto
Aus China: Mercedes holt E-Auto-Rekord nach Deutschland zurück
Bild: AMG
Es ist ungefähr zwei Uhr nachts, als sich entlang der Strecke mehrere Dutzend Stimmen erheben. Es wird gegrölt, gelacht, sich gegenseitig gratuliert. In diesem Moment knackt der elektrische Mercedes Concept AMG GT XX die 40.075 Kilometer – und ist damit rein rechnerisch in unter acht Tagen einmal um die Welt gefahren.
Die Aufgabe – "In acht Tagen um die Welt" – haben sie sich bei Mercedes selbst ausgedacht, inspiriert vom gleichnamigen Buch des großen Jules Verne. Es gab hier, in dieser Kategorie, also keine nennenswerte Konkurrenz, mit der man sich um den Rekord hätte streiten müssen.
Rekord zurück in Deutschland
Zuvor hatte man allerdings auf derselben Fahrt auch schon andere Rekorde gebrochen. Am prestigeträchtigsten: Nach 24 Stunden waren 5479 Kilometer zurückgelegt – damit schlug man die beiden chinesischen Hersteller Xiaomi (3944 km) und Xpeng (3961 km), die jedoch mit seriennahen Straßenfahrzeugen antraten. Dazu listet Mercedes noch 23 weitere Rekorde, etwa über die schnellsten 5000 und 10.000 Kilometer, die je mit einem E-Auto zurückgelegt wurden.
So oder so ist die Leistung, ein Elektroauto acht Tage lang mehr oder weniger ununterbrochen durchfahren zu lassen, natürlich beeindruckend. Zumal die Durchschnittsgeschwindigkeit laut Mercedes bei ungefähr 300 km/h lag.
In den verhältnismäßig kurzen Ladepausen wurden die Akkus mit bis zu 1000 kW wieder aufgeladen – im Durchschnitt, sagt Mercedes, mit 850 kW. Weitere Fakten: 23 Reifenwechsel und 300-mal Windschutzscheibe reinigen pro Auto. Drei Fahrer- und Crew-Teams arbeiteten dafür jeweils in Acht-Stunden-Schichten. Inklusive: Regen, Dunkelheit und sogar ein Stromausfall im italienischen Netz, währenddessen beide Fahrzeuge sicherheitshalber dann doch kurz reingeholt wurden.
Mitfahrt im Rekordfahrzeug
Die zwei Runden, auf die mich Entwicklungsingenieur Florian Fröhlich mitnimmt, gestalten sich fahrwerkstechnisch unspektakulär. 360 km/h wären maximal möglich, wir fahren mit 250 km/h etwas langsamer – bis Tempo 240 kann man auf der 12,6 km langen Hochgeschwindigkeitsstrecke theoretisch sogar die Hände vom Lenkrad nehmen, weil Seitenkraftfreiheit herrscht.

Entwicklungsingenieur Florian Fröhlich (r.) im Gespräch mit AUTO BILD-Redakteur Jonas Uhlig (l.).
Bild: Mercedes-Benz AG
Schon beeindruckender: Extra für den Rekordversuch wurden Programme entwickelt, die die "Renntaktik" optimieren, Ladestopps sinnvoll planen und sogar den Fahrern melden, wann sie auf dem Weg in die Box Gas wegnehmen und wann sie bremsen sollen. Dabei wird während des gesamten Rekordversuchs fast nur die Rekuperation verwendet – und als wir wieder in die Box hineinkuperieren, kommt die Verzögerung einer Vollbremsung in einer A-Klasse nahe.
Neben einem Marketing- ist das Ganze natürlich auch ein Entwicklungsprojekt – Mercedes erhofft sich auch technische Erkenntnisse von der Fahrt, die beim Bau des Serienfahrzeugs helfen können, das 2026 vorgestellt werden soll. Das neue AMG-Modell steht dann auf der gleichen, "EA" getauften Plattform. Zumindest konzeptionell (drei Axialfluss-Motoren, längliche Batteriezellen mit spezieller Kühlung, Sportcoupé mit vier Türen) sollen sich die Fahrzeuge stark ähneln.
Testoval in Süditalien

Das Nardo Technical Center wurde in den 70er-Jahren gebaut und bietet ein Oval mit 12,6 Kilometer Streckenlänge.
Bild: Porsche AG
Gefahren wurde in Nardò, auf dem legendären Prüfgelände in Apulien. Die kreisrunde Hochgeschwindigkeitsstrecke misst 12,6 Kilometer pro Runde und erlaubt dank ihrer speziellen Überhöhung konstante Geschwindigkeiten auch jenseits der 300 km/h. Seit den 1970er-Jahren gilt die Strecke als einer der härtesten Prüfplätze für Langstrecken- und Hochgeschwindigkeitstests.
300 km/h und extreme Ladeleistung

Während der Rekordversuche lud das vollelektrische Konzeptfahrzeug laut Mercedes durchschnittlich mit 850 kW Leistung.
Bild: Mercedes-Benz AG
Der AMG GT XX spulte den Großteil der Strecke mit rund 300 km/h ab – möglich wären maximal 360 km/h Topspeed bei einer Spitzenleistung von 1360 PS (1000 kW). Geladen wurde mit durchschnittlich ca. 850 kW – Werte, die selbst im Prototypbereich selten erreicht werden. So konnte das Team den 24-Stunden-Einsatz nahezu ohne lange Stopps absolvieren.
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