Mercedes-AMG GT 63 4-Türer Coupé in Los Angeles präsentiert
Los Angeles rollt dem AMG GT den blauen Teppich aus

Normalerweise dreht sich in Los Angeles alles um den roten Teppich. Doch diesmal ist die Stadt ins Blau der Autobahn getaucht. Denn AMG enthüllt in einer großen Show den neuen elektrischen GT – und bringt die Straße für die Jungfernfahrt gleich mit.
Bild: Thomas Geiger
Sie haben den Sunset Boulevard, den Mulholland Drive und den Pacific Coast Highway. "In kaum einer Stadt gibt es so viele Traumstraßen wie in Los Angeles", sagt AMG-Chef Michael Schiebe. Doch eines haben sie nicht: die Autobahn. Und mit ihr die Lizenz zum Vollgasfahren.
Falsch: Denn Schiebe hat den Amerikanern zumindest für eine Nacht die Autobahn gebracht. Und weil selbst die schönste Straße nichts taugt, wenn man nicht im richtigen Auto sitzt, haben die Schwaben das passende Fahrzeug gleich mit eingeflogen – und es vor der Skyline von Downtown mit qualmenden Reifen, Feuerfontänen sowie perfekt imitiertem V8-Sound in einer hollywoodreifen Show auf seine Jungfernfahrt geschickt.
Mercedes-AMG GT 63 4-Türer Coupé: über 1100 PS für die erste Vollgas-Show
Und obwohl die exportierte Autobahn nur ein paar hundert Meter lang war, hat das für über 250 km/h gereicht. Schließlich hat der elektrische Viertürer im besten Fall 1153 PS und 2000 Newtonmeter Drehmoment und beschleunigt in 2,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h.
Außerdem saßen keine Laien am Lenkrad. Mercedes hat dafür eigens seine beiden Formel-1-Fahrer George Russell und Kimi Antonelli eingeflogen und deren Aushilfs-Kollegen Brad Pitt aus dem Formel-1-Film gleich noch dazu.
Hollywood-Kulisse auf der Sixth Street Bridge
Die Party mit 600 illustren Gästen aus dem Showbusiness war schillernd, bunt und laut – doch der eigentliche Star war die Location. Denn Mercedes hat die Autobahn ziemlich genau dort nachgebaut, wo die Amerikaner 1940 ihren ersten Freeway eröffnet haben und wo Hollywood später Dutzende Filme gedreht hat: auf der gut einen Kilometer langen Sixth Street Bridge am Rande von Downtown.

Der elektrische Viertürer kommt mit 1153 PS und 2000 Newtonmeter Drehmoment. Er beschleunigt in 2,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h.
Bild: Thomas Geiger
Das hat selbst Ola Källenius imponiert, der zwar schon viele neue Autos enthüllt hat und dafür an den ungewöhnlichsten Orten war. "Aber mitten auf der Autobahn ist auch für mich eine Premiere." Das passt zu AMG, sagt der Vorstandsvorsitzende, der schließlich selbst einmal AMG-Chef war. "Immer ein bisschen drüber."
AMG will das emotionalste Elektroauto bauen
Und es passt zum Auto. Denn die schnellen Schwaben rühmen ihren ersten eigenen Batterieboliden als nichts weniger als "das beste Elektroauto, das es aktuell zu kaufen gibt" – oder zumindest bald zu kaufen geben wird.
Allerdings wissen die Schwaben auch, dass der Stromer kein Selbstläufer wird, selbst wenn er mit Preisen von wohl deutlich unter 200.000 Euro überraschend viel Bodenhaftung beweist. Ja, Amerika ist der größte Markt für AMG. Jedes dritte Auto verkaufen sie in die USA und die allermeisten davon an die Westküste. Nicht umsonst steht die Traumfabrik als "Los Affalterbach" auf der AMG-Karte.
Und es stimmt auch, dass die Nachfrage nach Elektroautos hier doppelt so groß ist wie im Rest des Landes. Aber selbst Schiebe räumt ein, dass vielen Stromern die Seele fehle und Leistung und Tempo allein nicht reichten für den Erfolg – genauso wenig wie eine bis dato zumindest bei europäischen Herstellern konkurrenzlose Ladeleistung von zunächst 600 und später über 1000 kW sowie Energie für 500 Kilometer Reichweite in zehn Minuten.
Blink-182 statt Bach
"Es geht eben nicht immer nur um Kilometer pro Stunde, sondern auch um Herzschläge pro Minute", sagt Schiebe und verspricht beim Fahren ein ähnlich emotionales Erlebnis wie beim Feiern hier auf der Sixth Street Bridge. Genau wie die Bässe der Party den Beton beben lassen, soll auch der AMG-Fahrer das vermeintliche V8-Gewitter im GT nicht nur hören, sondern buchstäblich fühlen können.

Formel-1-Fahrer George Russell war bei der Premiere und pilotierte den schnellen Mercedes.
Bild: Thomas Geiger
Schließlich sei der GT eben kein gewöhnliches Elektroauto, sondern der erste AMG unter den Elektroautos. Ihn mit anderen Akku-Fahrzeugen zu vergleichen, sei in etwa so, wie ein auf Bach spezialisiertes Kammerorchester mit Blink-182 auf eine Stufe zu stellen. Beides hohe Kunst, beides Musik – und doch zwei Welten für sich.
Und wer sich das nicht vorstellen kann, dem helfen die Schwaben zum Abschluss der Show auf die Sprünge. Kurz macht ein ebenfalls importierter Polizei-GT mit Blaulicht die Kurzzeit-Autobahn für Umbauarbeiten dicht, dann stürmen tatsächlich die legendären Punkrocker von Blink-182 für ein kurzes Set auf die Bühne.
Die Formel-1-Fahrer sind da allerdings längst wieder zu Hause – genau wie Brad Pitt. Vielleicht auch, weil sie fürchten, dass nicht nur die deutsche Polizei auf der Brücke patrouilliert, sondern womöglich auch die echten Cops bald kommen. Denn dort, wo sie eben noch mit 160 Meilen pro Stunde dicke schwarze Streifen in den Asphalt gebrannt haben, gilt eigentlich ein Tempolimit von gerade einmal 35 mph.
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