194.142 Mark. Dafür gab es 1991 eine nette Eigentumswohnung. Oder die Voll-Version der monumentalsten S-Klasse aller Zeiten, die so breit war, dass sie nicht mehr auf die Autoreisezüge nach Sylt passte. Was ist aus ihr geworden? Die meisten sind längst verschifft nach Osteuropa, wo gebrauchte W 140 reißenden Absatz finden. Die wenigen Überlebenden in Deutschland sind teils schon in Liebhaberhand, teils aber noch für kleines Geld in der dritten Reihe beim Kiesplatzhändler zu finden. Bei der Auto-Galerie Nader in Hamburg finde ich noch eins der vom Aussterben bedrohten Dickschiffe: einen 600 SE für 4990 Euro, vier Vorbesitzer, inklusive zwei Jahre TÜV. Fass ohne Boden oder Super-Schnäppchen?
Mercedes-Benz 600 SE
Der Händler versichert: "Alle Extras funktionieren, Automatik schaltet sauber, der V12 säuselt." Vor der Probefahrt lausche ich dem Zwölfzylinder: Rasselt die Steuerkette? Tickern die Hydrostößel? Dieser hier zaubert ein Grinsen ins Gesicht, Laufkultur vom Allerfeinsten verwöhnt die Ohren. Differenzial und Motor schwitzen ein wenig, geschenkt. Ganz wichtig: bei der Probefahrt alle Funktionen checken. Kühlt die Klima, surrt der Sitz, fahren die Fenster rauf und runter? Selbst bei kleinen Reparaturen überweist man schnell vierstellige Euro-Beträge. Wie fährt sich denn nun der 20 Jahre alte V12? Ich sitze nicht, ich throne, genieße ein Raumgefühl wie in einer Kathedrale, eine Beschleunigung wie bei einem startenden Jet. Straßenunebenheiten existieren im W140 nicht, doppelt verglaste Scheiben und dicke Dämmung schirmen ab von der Außenwelt. Maybach-Feeling. Allerdings auch bei den laufenden Kosten. So bleibt der 600er gebraucht, was er neu war: ein teures Traumauto.

Fazit

Niemals vom Kaufpreis blenden lassen: Wer einen 600er artgerecht erhalten möchte, muss mit horrenden Kosten rechnen. Dafür gibt es ein unbezahlbares Fahrgefühl der absoluten Extra-Klasse.