Mercedes-Benz E 60 AMG (W 210): Youngtimer
Dieser E 60 AMG war fast so teuer wie ein S 600!

Mitte der 90er-Jahre machte AMG aus der braven E-Klasse einen Wolf im Schafspelz: den E 60 AMG – selten, stark und fast so teuer wie ein damaliger S 600!
Bild: Mercedes-Benz Group AG
Die Mercedes E-Klasse war schon immer ein Alleskönner: komfortabel, zuverlässig und mit viel Platz an Bord. Doch wer in den Neunzigern mehr wollte, konnte in Affalterbach den E 60 AMG bestellen – eine E-Klasse, die das Business-Outfit nur trägt, um Gegner auf der linken Spur zu überraschen.
Basis für den E 60 AMG war der 1996 präsentierte E 50 AMG. Die V8-Limousine leistete bereits eindrucksvolle 347 PS aus fast fünf Litern Hubraum. Mit dem optionalen AMG-Technikpaket leistete der aufgebohrte V8-Motor mit 5956 Kubikzentimetern Hubraum satte 381 PS und 580 Newtonmeter. Die Beschleunigung gab Mercedes mit 5,9 Sekunden von 0 auf 100 an – Werte, die damals Sportwagen-Niveau bedeuteten.
Die Technik stammt größtenteils aus Affalterbach: Sportabgasanlage, spezielles Fahrwerk, verstärkte Bremsen (hinten sogar vom SL 600) und eine Hinterachsübersetzung, die den Schub auf die Straße bringt. Die Tachoskala endete bei 280 km/h, die Höchstgeschwindigkeit wurde von Mercedes hingegen elektronisch bei 250 km/h begrenzt.

Mit dem AMG-Technikpaket holten die Affalterbacher 34 PS mehr aus dem V8-Motor.
Bild: Mercedes-Benz Group AG
Wer sich zur damaligen Zeit für das Leistungs-Upgrade entschied, musste einen nicht geringfügigen Aufpreis zahlen: Rund 50.000 DM (entspricht ca. 25.564 Euro) waren für das Technikpaket fällig. Summa summarum musste man für den E 60 AMG rund 200.000 DM auf den Tisch legen – also fast so viel, wie eine S-Klasse mit Zwölfzylinder damals kostete. Entsprechend exklusiv blieb die Stückzahl. Offizielle Zahlen gibt es nicht, doch Schätzungen sprechen von weniger als 200 Fahrzeugen.
Dezente Optik, feiner Innenraum
Optisch spielt der E 60 AMG die Karte des Understatements perfekt: kein Spoiler-Kitsch, keine wuchtigen Kotflügel. Nur ein schwarzer Stern, ein zurückhaltendes Bodykit und 18-Zoll-AMG-Räder deuten an, dass hier keine normale E-Klasse steht.
Innen setzt sich der Stil fort: Leder, Alcantara, Holzapplikationen, AMG-Lenkrad und kleine Details wie Einstiegsleisten mit Modellbezeichnung oder die Signatur von AMG-Mitgründer Hans Werner Aufrecht in der Mittelkonsole bzw. auf der Heckscheibe sowie der typische AMG-Aufkleber.

Lässig und luxuriös: Innen gibt es Holzapplikationen und mit Alcantara bezogene Türverkleidungen und Sitze.
Bild: Mercedes-Benz Group AG
1997 diente der E 60 AMG sogar als "Official FIA F1 Medical Car". Heute ist der E 60 AMG ein gesuchtes Sammlerstück – nicht nur wegen seiner Leistung, sondern auch, weil er eine Ära markiert: die Zeit, als AMG noch eine kleine Manufaktur war, in der Hochleistungs-Limousinen in Handarbeit entstanden.

Die Klappe der Mittelkonsole zeigt die Unterschrift von AMG Mitgründer Hans Werner Aufrecht.
Bild: Mercedes-Benz Group AG
Dieses besonders schöne Exemplar steht aktuell im Mercedes-Benz-Museum Stuttgart. Dort ist der schwarze E 60 AMG Teil der Sonderausstellung "Youngtimer", die bis zum 12. April 2026 läuft. Das wäre doch mal ein Ausflug wert, oder?
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