Mercedes-Boss klagt über hohen Krankenstand
Ola Källenius: "Wer ungerecht krankmacht ..."

Bild: Thomas Lohnes / Getty Images
- Sandra Bültermann
Angesichts eines hohen Krankenstands in seinen Werken fordert Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius von der Politik entsprechende Maßnahmen zur Senkung der Krankmeldungen. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung (Bezahlschranke) sagte der Vorstandsvorsitzende, dass es nicht so einfach sein darf, sich krankzumelden. Wer ungerechtfertigt krankmacht, verhalte sich unsolidarisch. Mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl im Februar 2025 appellierte der 55-Jährige an die kommende Regierung, die derzeitigen Regelungen kritisch zu überprüfen und notfalls unpopuläre Entscheidungen zu treffen.
Doppelt so hoher Krankenstand in Deutschland
Bereits im Oktober 2024 hatte Källenius den hohen Krankenstand in seinem Unternehmen angesprochen. Jetzt betonte er erneut, dass alle Mercedes-Benz-Werke weltweit unter denselben Bedingungen arbeiteten, etwa mit vergleichbaren Gesundheitsleistungen und Arbeitsumgebungen. Trotzdem sei der Krankenstand in Deutschland teils mehr als doppelt so hoch wie in anderen Ländern.
Die Ursachen sieht der Konzernchef nicht in den internen Strukturen: "Ich sitze jedes Jahr einmal mit unserem verantwortlichen Werksarzt zusammen. Dann frage ich ihn: Was können wir tun, um das zu verbessern? Er sagt dann immer: Nichts über das hinaus, was wir schon machen."
Hoher Krankenstand auch bei Tesla
Nicht nur Mercedes-Benz kämpft mit diesem Problem. Auch die Tesla-Fabrik in Grünheide meldete hohe Krankenstände, die zeitweise bei 17 Prozent lagen – ein deutlich höherer Wert als der Branchendurchschnitt von 5,2 Prozent. Dies führte in der Vergangenheit zu unangekündigten Kontrollbesuchen bei krankgemeldeten Mitarbeitern, um mögliche Missstände aufzudecken.
Historischer Höchststand bei Krankschreibungen
Laut dem wissenschaftlichen Institut der AOK erreichen die Krankschreibungen dieses Jahr einen historischen Höchststand. Wie der Fehlzeiten-Report 2024 zeigt, wurde der Spitzenwert von 225 Arbeitsunfähigkeitsfällen je 100 erwerbstätige AOK-Mitglieder aus dem vergangenen Jahr bereits im Zeitraum von Januar bis August 2024 erreicht.
Ein möglicher Grund für die gestiegenen Zahlen könnte die Einführung der elektronischen Krankmeldung im Jahr 2023 sein. Laut Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) habe das System zu einer präziseren Erfassung der Krankmeldungen geführt. "Bislang konnte die Gesamtzahl der Krankmeldungen in Deutschland nur grob geschätzt werden. Es gab eine Dunkelziffer, weil Arbeitnehmende insbesondere bei kurzen und akuten Erkrankungen teilweise keinen Nachweis ihrer Krankmeldung bei der Krankenkasse eingereicht haben", erklärte der Verband. Diese bisher nicht erfassten Fälle fließen nun erstmals in die Statistik ein.
Service-Links