Mercedes C-Klasse (W204): Gebrauchtwagen-Test
Kein Dienst-Ende für diese C-Klasse in Sicht

Das C-Klasse T-Modell (S 204) ist in die Jahre gekommen, hat reichlich Kilometer gemacht – und kostet unter 5000 Euro. Darf man so etwas kaufen?
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
Premiummodelle als Schnäppchen sind im Zeitalter digitaler Gebrauchtwagenplattformen selten. Für unter 5000 Euro einen beliebten Mercedes zu ergattern, funktioniert nur mit Bereitschaft zum Risiko. In diesem Fall wäre es die Laufleistung. Das im Februar 2008 erstzugelassene Mercedes C 200 CDI T-Modell wurde wenige Monate nach Produktionsanlauf gebaut und hat bereits 405.869 Kilometer abgespult. Jetzt steht es im niedersächsischen Buxtehude beim Händler Car 66 zum Verkauf. Wir investieren die Zeit für einen Vor-Ort-Termin nebst Probefahrt.
Nach 15 Jahren strahlt der S 204 durchaus noch Wertigkeit aus
Spätestens seit den Erfahrungen mit unserer weißen C 180-Limousine wissen wir bei AUTO BILD um die herausragenden Langläufer-Gene der Baureihe. Davon, dass der schwarze Mittelklassekombi reichlich Kilometer gesehen hat, zeugen rundum verteilte kleinere Dellen und Kratzer. Dennoch ist der Gesamteindruck keinesfalls verbraucht. Sogar der klassische Stern steht noch stolz auf der Haube. Bei unserer Probefahrt fällt bereits auf den ersten Metern der noch immer gute Fahrkomfort auf. Zwar deutet das abgegriffene Lenkrad auf die enorme Laufleistung hin. Doch die Sitze sind noch immer straff, die Lenkung arbeitet zielgenau, und das Fahrwerk poltert nicht über Gebühr.

Die astronomische Laufleistung ist dank solider Technik undramatisch. Achtung: Das prädestiniert die C-Klasse für illegale Tachomanipulationen.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
Das Raum-Plus des T-Modells macht sich auf der Rückbank und im Gepäckabteil positiv bemerkbar. Späte Karrieren als günstiger Kinderwagen- oder Baumaterialien-Transporter wären denkbar. Vom baldigen Rosttod dürfte dieses Exemplar offenkundig nicht betroffen sein.
Diese Probleme sollten Sie kennen
Es gibt jedoch trotz der mit Baureiheneinführung verbesserten Vorsorge mittlerweile altersbedingte Problemzonen: Möglich sind Rostschäden an der Hinterachse und ihren Aufnahmepunkten sowie an den Längsträgern. Die Elektronik des 204 ist relativ solide. Auf unserer Probefahrt fiel uns eine ABSESP-Fehlermeldung im Bordcomputer auf. Ursache für dieses Problem ist beim W 204 meist ein defekter ABS-Sensor, der jedoch für unter 50 Euro als Ersatzteil erhältlich ist.

MercedesCockpit alter Schule: ergonomisch top, Materialien solide, Lenkrad abgegriffen.
Bild: Michael Nehrmann / AUTO BILD
Wichtiger ist jedoch bei Kilometerriesen wie diesem, wie es um die Antriebstechnik steht. Der anfänglich verbaute OM 646-Evo-Turbodiesel erfüllt zwar nur die Abgasnorm Euro 4, erhält jedoch immerhin die grüne Plakette. Viele Jahre wurde er als typischer Taxi-Motor geordert und lässt sich entspannt mit Verbräuchen um sieben Liter Diesel bewegen. Zwar zeigt unser Testwagen leichten Ölnebel am Motor, doch von TÜV-kritischen Abtropfproblemen ist er zum Glück weit entfernt.
Generell ist dieser frühe Motor unkomplizierter als der später verbaute OM 651, der insbesondere unter Kettenproblemen und maroden Piezo-Injektoren bei den stärkeren Versionen 220 CDI und 250 CDI litt. Im gehobenen Alter wird je nach Fahrprofil der Dieselpartikelfilter früher oder später zum Problemkandidaten. Meist ist jedoch nicht der Füllstand das Problem, sondern zu 90 Prozent der Differenzdruckschalter oder eine marode Verschlauchung.
Technische Daten
Motor | Vierzylinder/vorn längs |
|---|---|
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 2148 cm³ |
Leistung | 136 PS (100 kW) bei 3800/min |
Drehmoment | 270 Nm bei 1600/mi |
Höchstgeschw | 209 km/h |
0–100 km/h | 9,6 s |
Tank/Kraftstoff | 59 l (66 l opt.)/Diesel |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang man./Hinterrad |
Länge/Breite/Höhe | 4601/1770/1459 mm |
Kofferraumvolumen | 485/1500 l |
Leergewicht/Zuladung | 1635/540 kg |
Vertrauensbildend bei unserem Testwagen sind Servicezettel im Motorraum, die durch diverse bis zuletzt durchgeführte Service arbeiten die Investitionsbereitschaft des Vorbesitzers dokumentieren. Und so wundert es uns nicht, dass der 136 PS starke Common-Rail-Turbodiesel stoisch seiner Arbeit nachgeht und selbst das manuelle Sechsganggetriebe mit erstaunlicher Präzision schaltet.
Worauf sollte man bei der C-Klasse der Baureihe 204 außerdem noch achten? Frühe Modelle der 2007 eingeführten Baureihe mit Abgasnorm Euro 4 dürfen in einigen Großstädten nicht überall fahren. Das 2011er Facelift brachte neben einer rundlicheren Front einige technische Updates und eine nochmals verbesserte Verarbeitung sowie zehn neue optionale Assistenzsysteme aus den größeren Baureihen. Sehr bullig fahren sich die V6-Versionen (Benziner und Diesel von 204 bis 306 PS Leistung). Schon heute ein Fall für Sammler und im ordentlichen Zustand kaum unter 30.000 Euro zu bekommen sind die C 63 AMG, die über einen 6,3-Liter-V8 verfügen.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 6,8 l D/100 km |
|---|---|
CO2 gem. NEFZ-Zyklus | 137 g/km |
Inspektion | 330-650 Euro |
Haftpflicht (19)* | 819 Euro |
Teilkasko (21)* | 903 Euro |
Vollkasko (17)* | 1268 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 4) | 243 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine (AT) | 1294 Euro |
|---|---|
Anlasser (AT) | 747 Euro |
Wasserpumpe | 601 Euro |
Zahnriemen | entf., Steuerkette |
Nachschalldämpfe | 632 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1097 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v | 589 Euro |
Infotainmentbildschirm | 944 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 205/55 R 16 V) | 540 Euro |
Service-Links





























