In Großbritannien wird ein ganz besonderer Mercedes CL der Baureihe C 140 verkauft. Unter der Haube sitzt ein 7,0-Liter-V12 (M 120) mit 496 PS, der Erstbesitzer soll der Sultan von Brunei gewesen sein. Doch die genaue Bezeichnung des Luxus-Coupés wirft einige Fragen auf!
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Inseriert ist das dicke Coupé als Mercedes CL 700 AMG. Dabei soll es sich um eines von nur zwei Exemplaren weltweit handeln. Allerdings gibt es keine offiziellen Informationen seitens Mercedes zu den gebauten Stückzahlen der AMG-Versionen. Das liegt daran, dass der C 140 in dieser Form nie offiziell bestellt werden konnte. Genau wie bei S-Klasse (W 140) und SL (R 129), konnten die Kunden auch beim CL (C 140) ihren 600er nachträglich bei AMG abgeben und den V12 in Affalterbach auf 7,0- oder sogar 7,3-Liter aufbohren lassen. Nach dem Komplettumbau leistete der V12 mit 7055 ccm Hubraum 496 PS und 720 Nm statt ehemals 394 PS und 570 Nm. Die 73er-Version brachte es sogar auf 525 PS und 750 Nm und machte den SL 73 AMG einst zum schnellsten Roadster der Welt. Neben der Hubraumerweiterung auf 7,0-/7,3-Liter Liter umfasste der AMG-Umbau eine größere Bremsanlage sowie eine Abgasanlage ab Krümmer. Damalige Umbaukosten? Rund 100.000 Mark!
1998 Mercedes-Benz CL700 AMG
Der riesige 7,0-Liter-V12 füllt den Motorraum des CL fast vollständig aus. Er leistet 496 PS und 720 Nm.

Sonderanfertigung für den Sultan von Brunei

Ein Rätsel ist allerdings die genaue Bezeichnung des CL. Während die ersten Exemplare als CL 600 7.0 AMG gelabelt wurden, gab es später den CL 70 AMG. Experten schätzen, dass insgesamt nur 18 bis 25 C 140 nachträglich mit dem monumentalen 7,0-Liter-V12 ausgerüstet wurden, die in der Regel eben als CL 600 7.0 AMG oder CL 70 AMG firmierten. Laut des britischen Mercedes-Spezialisten "Edward Hall" soll dieser C 140 allerdings von Beginn an als CL 700 AMG zugelassen wurden sein. Dabei soll es sich um eine Sonderanfertigung für den Sultan von Brunei handeln. Anders als der Großteil der mehrere Tausend Autos umfassenden Sammlung wurde der CL AMG nicht nach Brunei ausgeliefert, sondern verblieb in der britischen Residenz in Berkshire. Die Kaufabwicklung lief 1998 über den Mercedes-Händler "Greenoaks Maidenhead".
1998 Mercedes-Benz CL700 AMG
Zur Bezeichnung CL 700 AMG ist nicht viel bekannt. Laut Händler soll der C 140 so ausgeliefert worden sein.

Der 7,0-Liter-V12 wurde revidiert

Seit der Erstzulassung 1998 hat der rechtsgelenkte CL nach dem Sultan von Brunei noch zwei Besitzer und wurde bis heute 102.351 Kilometer (63.598 Meilen) gefahren. Ob die Historie lückenlos belegbar ist, ist nicht bekannt. Anhand der Bilder scheint das Luxus-Coupé allerdings in einem sehr gepflegten Zustand zu sein, was auch daran liegen dürfte, dass in den letzten zwei Jahren umfangreiche Wartungsarbeiten durchgeführt wurden. So wurde beispielsweise der V12 revidiert, die Bremsen rundum ersetzt und die Aufhängung teilweise erneuert. Zudem wurde ein generalüberholter Satz Monoblock-Felgen in 19-Zoll montiert.
Hinweis
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Die Ausstattung ist, wie bei einer Sonderanfertigung zu erwarten, mehr als umfangreich: Allein die Sonderlackierung in "Designo LCP" (Farbcode 021), eine Art Flip-Flop-Lack, der zwischen dunkelblau und grün changiert, hat umgerechnet mehr als 12.000 Mark Aufpreis gekostet. Und auch der Innenraum mit grün/schwarzer Bicolor-designo-Lederausstattung inklusive grüner Fußmatten dürfte alles andere als ein Schnäppchen gewesen sein. Hinzu kommen zahlreiche Komfort-Features wie Xenon-Scheinwerfer, Einparkhilfe, elektrisches Heckrollo, Sitze mit Memory-Funktion und vieles mehr.
1998 Mercedes-Benz CL700 AMG
Edles Interieur im 90er-Jahre-Stil: Grün/schwarze Bicolor-Lederausstattung trifft auf dunkles Holz.

Preis? Über 100.000 Euro!

Unabhängig, ob der C 140 nun CL 600 7.0 AMG, CL 70 AMG oder CL 700 AMG heißt, ob nur zwei oder letztendlich 25 Exemplare entstanden sind, eines steht fest: Hierbei dürfte es sich um eines der seltensten AMG-Modelle überhaupt handeln – erst recht in dieser speziellen Farbkombination. So viel Exklusivität hat natürlich ihren Preis: Mercedes-Spezialist "Edward Hall" möchte 89.995 Pfund für den seltenen AMG aus royalem Vorbesitz haben, was umgerechnet etwa 104.800 Euro entspricht. Alles andere als ein Schnäppchen, zumal 2019 ein weißer CL 600 7.0 AMG für 43.700 Euro in Essen versteigert wurde. Seitdem sind die Preise allerdings weiter gestiegen, und Alternativen sind auf dem Gebrauchtwagenmarkt quasi nicht existent – egal ob CL 600 7.0 AMG, CL 70 AMG oder CL 700 AMG.