Mercedes CLA: Test
Ist das noch ein Mercedes?

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Unser Test entlarvt den Mercedes CLA als extrovertierten Showstar, der für den großen Auftritt schon mal seine guten Manieren vergisst.
Vergessen wir einfach, dass der Mercedes CLA 220 CDI überhaupt Rücksitze hat. Okay, da hinten schimmert irgendetwas schwarz, aber um die Plätze in der zweiten Reihe zu erreichen, müssen die Mitfahrer schon gelenkig wie ein Zollstock sein – denn der hintere Einstieg ist außerordentlich mühsam. Wer es dennoch ohne Beule und Zerrung in den Fond schafft und 1,78 Meter oder größer ist, dem fällt dort der Himmel auf den Kopf. Außerdem trifft der Blick nach vorn auf die massiven Kopfstützen der Sportsitze, der zur Seite auf die schwarz verkleidete C-Säule. Und die Schießscharten-Fenster erfordern eine tiefe Verbeugung.
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Sparsam: 5,4 Liter Diesel verbraucht der 220 CDI im Schnitt auf der AUTO BILD-Normrunde.
Bild: Raetzke
Deshalb passt Spurten und Sparen im CLA 220 CDI so gut unter eine Haube: 5,4 Liter Diesel verbraucht er im Schnitt auf der AUTO BILD-Normrunde (inklusive Vollgasanteil). Zurückhaltende Gasfüße erstreicheln sich tatsächlich Werte zwischen drei und vier Litern. Dazu trägt auch die normalerweise früh schaltende DCT-Automatik bei. Leider hat Mercedes das im 220 CDI serienmäßige Doppelkupplungsgetriebe nicht perfekt abgestimmt, weshalb das Getriebe manchmal zu früh zurückschaltet. Auch flutschen die Gangwechsel längst nicht so butterweich, wie wir es beispielsweise von den BMW-Achtstufenautomaten kennen. Das Beste oder nichts – haben uns das die Stuttgarter nicht versprochen? Ganz ehrlich: Dann dürfte der CLA gar kein Getriebe haben.
Leider spart Mercedes auch an der Qualität – früher ein Aushängeschild der Marke. So wirken die Tür-Innenverkleidungen wie zu heiß gewaschen. Unschön schimmert das lackierte Blech durch den Spalt in den Innenraum. Und die hintere linke Türverkleidung löste sich während des Tests. Sie war schnell wieder montiert, alles kein Beinbruch – aber Vertrauen fördern solche Detailmängel eben auch nicht. Zumal der CLA ein teures Auto ist. Als 220 CDI steht er für 37.991 Euro in der Liste – dafür gibt es auch einen C 220 CDI, einen Mercedes der alten Schule, der sich solche Schwächen nicht leistet. Wenn der CLA-Fahrer dann noch viele Kreuzchen auf der Mehrpreisliste macht, entsteht ein Auto wie der Testwagen: für 54.763 Euro. Das ist zu viel für dieses Auto.
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