Mercedes CLK mit Rost-Problem

Mercedes CLK mit Rost-Problem

Hier rostet die Garantie

Mercedes steht 30 Jahre dafür gerade, dass seine Autos nicht durchrosten. Bei dem topgepflegten CLK von Horst Schwarz soll das nicht gelten. Der Hersteller redet sich mit dem Kleingedruckten raus.
Der Mercedes CLK von Horst Schwarz (77) aus Berlin löst sich auf. "Bodengruppe korrodiert", heißt es im Prüfbericht der Hauptuntersuchung (HU) vom 1. Oktober. Auch von Durchrostungen an Türen, Schwellern und Radläufen ist die Rede. Blechfalze fächern sich rotbraun auf, Löcher geben den Blick auf Hohlräume frei. Durchgefallen. Das hatte sich Schwarz anders vorgestellt. Als er den Benz 1999 für 73.694 Mark neu kauft, "sollte es mein letztes Auto sein, mit dem ich zusammen in Würde altern wollte". Darum habe er sich für ein hochwertiges Fahrzeug entschieden, ausgeliefert mit einer Garantie gegen Durchrostung. "MobiloLife" gilt heute wie damals ab Kauf zunächst für zwei Jahre – und verlängert sich mit jedem fristgerechten Service bei Mercedes auf bis zu 30.

Trotz Garantie will Daimler Schäden nicht übernehmen

Der Rost am CLK von Horst Schwarz wütet vielerorts – unter anderem am Kotflügel und am Außenschweller hinten.

Das ist zunächst gut für Schwarz, denn er nimmt die Service-Termine von Beginn an regelmäßig wahr und steckt insgesamt 16.000 Euro in Wartung und Reparaturen des Autos. 2005 stellt ein Gutachter trotzdem erhebliche Rostmängel am Unterboden fest. Seitdem mussten unter anderem beide Türen, Kotflügel und der Heckscheibenrahmen behandelt werden, größtenteils auf Kosten von Daimler. Das ganze Ausmaß des Rostbefalls stellt sich im März 2018 heraus. Schwarz lässt das Auto von einem Karosseriefachbetrieb teilzerlegen. Es gebe "praktisch kein Karosserieteil, das nicht bereits von Mercedes ausgetauscht oder nachbearbeitet wurde", so Karosseriebaumeister Harald Märker. Das Schlimmste: "Die gröbsten Mängel befinden sich an bereits von Daimler ausgetauschten Teilen." Die ausgeführten Arbeiten hätten "unterstes Niveau"; unter anderem fehlten Korrosionsschutz, Grundierung zwischen Blech und Dichtmasse sowie der obligatorische Steinschlagschutz. Schwarz verweist erneut auf die 30-Jahres-Garantie – diesmal erfolglos. Daraufhin beauftragt er den Rechtsanwalt Leif Hermann Kroll aus Berlin. Ihm gegenüber teilt die Daimler-Kundenbetreuung mit, die Garantie greife beim vorliegenden Schadensbild nicht, da es sich "um keine Durchrostung von innen nach außen" handele. Damit ist eine wichtige Garantiebedingung nicht erfüllt.

Gutachter stellt Mängel beim Rostschutz fest

Inzwischen liegt Schwarz und Kroll das Ergebnis eines Gutachtens vor. Für Daimler fällt es vernichtend aus: Für einen Teil der Schäden sei "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" unzureichende Rostvorsorge nach Reparaturen ursächlich; altersbedingter Rost an Kofferraumboden und Schwellern hätte zudem verhindert werden können, wäre er bei den turnusmäßigen Inspektionen entdeckt und behandelt worden. Kroll fühlt sich mit dem Gutachten in seiner ersten Einschätzung bestätigt, dass "die stümperhafte Ausführung der Vertragswerkstatt den Verrostungsgrad verursacht hat". Zudem sei die Rost-Richtung laut Rechtsprechung entgegen der von Daimler auferlegten Bedingung nicht relevant, sondern das Ausmaß, also eine "korrosionsbedingte, die Substanz erheblich schädigende Schwächung des Karosserieblechs" (OLG Stuttgart, Az. 1 U 74/08). Die fachgerechte Beseitigung aller sichtbaren Korrosionsschäden kostet laut Gutachten mindestens 21.525 Euro. Die Zeit drängt, denn der CLK hat seit einigen Wochen keine gültige TÜV-Plakette mehr und rostet jeden Tag weiter. Mit Garantie.

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