Damals, vor sieben Jahren, waren wir platt: eine Limousine als Coupé getarnt. Flaches Dach, geducktes Profil, aber vier Türen. So etwas hätten wir vielleicht von Jaguar erwartet, doch vorn prangte der Stern. Irre. Und bei der Konkurrenz rieben sie sich verdutzt die Augen. Nun geht der CLS in die zweite Generation, und wir staunen nicht mehr. Schließlich machte die Idee vom viertürigen Coupé Schule. Nicht verwunderlich also, dass Mercedes die Masche weiterstrickt. Was ist neu? Die schwellenden Formen ganz offensichtlich. Üppige Rundungen ersetzen straffe Flanken. Mit den geschwungenen Seitenlinien und diesen Hinterbacken erinnert der neue CLS an die Klassiker.

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Und während der Vorgänger ein wenig verschlossen und schmallippig dreinblickte, reißt der Nachfolger nun selbstbewusst das Maul auf. Ein Gesicht, das nicht nur die Mutter schön findet: "Sauglatt" entfährt es einem Eingeborenen bei unserer Ausfahrt in die schwäbische Provinz – großes Lob also, mit dem er an diesem Tag nicht allein steht. Größer wurde der CLS natürlich auch (drei Zentimeter länger), aber nicht schwerer. Türen, Hauben und die vorderen Kotflügel bestehen aus Aluminium, die leichteste Variante des Autos (CLS 350 CGI) wiegt 1735 Kilogramm. Etwas mehr Platz bietet er ebenfalls, vor allem in der Breite, doch der Einstieg nach hinten gelingt nur in gekrümmter Haltung. Ein Coupé eben. Innen erwarten die Mitfahrer zwei bequeme Einzelsitze, noch kommoder sitzt es sich vorn auf perfekt ausgeformten Polstern. Das Cockpit baut höher, die schwungvolle Eleganz des alten CLS ist passé. Aber gediegen geht es trotzdem zu, reichlich Holz, hochwertige Details.

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Mercedes CLS-Klasse CLS 350 CGI
Bild: Angelika Emmerling
Wir sitzen im CLS 350 CGI, dem Benziner. Der 3,5-Liter-V6 wurde überarbeitet mit verfeinerter Direkteinspritzung. Das langt für 306 PS und 370 Nm, aber besonders stolz sind die Mercedes-Ingenieure auf den Verbrauch: nur 7,0 l/100 km im Normzyklus. Die Siebenstufenautomatik verknüpften sie mit einem Start-Stopp-System – angenehm ruckfrei, die neue Spartechnik. Und Serie bei allen Varianten. Es geht standesgemäß voran im 350er. Er ist keine Temperamentsbestie, zieht aber kräftig durch. Unter Stress rumort er freilich angestrengt, und die Automatik stolpert bisweilen beim Runterschalten. Wer lieber Diesel tankt, bekommt zum Verkaufsstart im Januar 2011 den CLS auch als 350 CDI mit verbesserter Technik und 265 PS. Im März folgt dann der vierzylindrige 250 CDI (204 PS), die Topversion CLS 500 mit neuem Biturbo-Direkteinspritzer-V8 (408 PS) gibt es ab April.
Wir fahren luftgefedert, was knapp 1300 Euro Aufpreis kosten wird. Es dürfte sich lohnen: Der CLS mit "Airmatic" verbindet eine straffe Dämpfung mit ausgezeichnetem Komfort, den selbst der Sport-Modus nicht ruiniert. Erfreulich auch die Präzision, mit der er um die Kurven zirkelt – viel agiler als die E-Klasse, auf der er basiert, und mit weniger Seitenneigung. Da profitiert er von der modifizierten Dreilenker-Vorderachse, aber auch von einer direkteren Lenkung. Sie wird nun elektrisch unterstützt, nicht mehr hydraulisch, ohne dass dies dem Lenkgefühl nennenswert schadet. Der Vorteil der Elektro-Lenkung: 0,3 Liter weniger Verbrauch. Außerdem ermöglicht sie einen aktiven Parkassistenten (selbsttätiges Einparken). Auch die Totwinkel- und Spurhalte-Assistenten greifen nun aktiv ins Geschehen ein. Durch Abbremsen einzelner Räder führen sie das Auto sanft auf den rechten Weg. Was Mercedes betrifft, gelingt dies dem CLS sogar ganz ohne Bremseneingriff: Sein Kurs ist die Erfolgsspur.

Fazit

von

Wolfgang König
Er bietet keine Überraschungen, der neue CLS. Er setzt einfach nur da an, wo sein Vorgänger inzwischen überholt wirkt: neue E-Klasse-Technik, neue Motoren, prägnanteres Profil. Seine Charakterfalten und der gewaltige Grill mögen polarisieren, aber beim Fahren wächst er einem ans Herz.