Mercedes E-Klasse (W 213): Gebrauchtwagen-Test
Schwäbische Sternstunde mit der gebrauchten E-Klasse

Die Mercedes E-Klasse (W 213) ist inzwischen erschwinglich geworden. AUTO BILD klärt, worauf es bei der Stuttgarter Limousine gebraucht ankommt.
Bild: AUTO BILD/Olaf Itrich
Als die Mutter aller Dienstwagen deutscher Führungskräfte ist er rollendes Büro, Cheflimousine und auf Autobahnen zu Hause. Kaum ein anderes Fahrzeug verkörpert die Idee der deutschen Businessclass so konsequent wie die E-Klasse.
Mit der 2016 eingeführten Baureihe 213 erreichte Mercedes einen Punkt, an dem sich die Limousine ein gutes Stück weit wie eine kleine S-Klasse anfühlte. Die Linien markentypisch elegant, die Technik aufwendig, das Finish geschliffen und der Innenraum als Tribut an den Zeitgeist digitaler als jemals zuvor.
Dieses Profil macht den 213er als Gebrauchtwagen hochinteressant. Zehn Jahre nach Markteinführung findet man etliche Fahrzeuge am Markt, die einst über 60.000 Euro kosteten, aber inzwischen in Preisregionen durchschnittlicher Kleinwagen angekommen sind. Bestes Beispiel ist unser E 200 d aus dem Baujahr 2020 mit Burmester-Soundsystem, LED-Widescreen-Cockpit, Ambientebeleuchtung und Automatik. Er kostet nach 160.000 Kilometern weniger als manch neuer VW Polo.
Das ist er: Von 2016 bis 2023 gebaut, 2020 modellgepflegt und innerhalb des Marken-Portfolios offiziell obere Mittelklasse, ist die E-Klasse ein stattlicher Dampfer. Gediegen ist das Raumangebot. Vorn sitzt man ergonomisch und entspannt, die breite Mittelkonsole und die hochwertige, aber nicht immer gänzlich knisterfreie Verarbeitung erzeugen ein Salon-Gefühl. Hinten reisen auch große Erwachsene komfortabel, die Limousine bietet mit 540 Litern einen üppig geschnittenen, optional erweiterbaren Kofferraum.

Für Mercedes war die E-Klasse stets extrem wichtig. Von der Baureihe 213 wurden über den Bauzeitraum gerechnet über 1,2 Millionen Einheiten gefertigt.
Bild: AUTO BILD/Olaf Itrich
Beeindruckend ist die Geräuschdämmung, bei hohem Autobahntempo herrscht erstaunliche Ruhe. Optisch setzte Mercedes auf zurückhaltende Eleganz, was den W 213 erstaunlich gut altern lässt. Während manch Konkurrent schon überholt wirkt, strahlt die E-Klasse ein zeitloses und seriöses Selbstverständnis aus.
Technische Daten
E 200 9G-TRONIC | E 200 d | E 300 | |
|---|---|---|---|
Motor | Vierzylinder/vorn längs | Vierzylinder/vorn längs | Vierzylinder/vorn längs |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 1991 cm³ | 1597 cm³ | 1991 cm³ |
Leistung | 135 kW (184 PS) bei 5500/min | 118 kW (160 PS) bei 3200/min | 180 kW (245 PS) bei 5500/min |
Drehmoment | 300 Nm bei 1200/min | 360 Nm bei 1600/min | 370 Nm bei 1300/min |
Höchstgeschwindigkeit | 240 km/h | 226 km/h | 250 km/h |
0–100 km/h | 7,7 s | 8,4 s | 6,2 s |
Tank/Kraftstoff | 50 l (opt. 66 l)/Super | 50 l (opt. 66 l)/Diesel | 66 l/Super |
Getriebe/Antrieb | 9-Stufen-Automatik/Hinterrad | 9-Stufen-Automatik/Hinterrad | 9-Stufen-Automatik/Hinterrad |
Länge/Breite/Höhe | 4923/1852/1468 mm | 4923/1852/1468 mm | 4923/1852/1468 mm |
Kofferraumvolumen | 540 l | 540 l | 540 l |
Leergewicht/Zuladung | 1615/630 kg | 1680/640 kg | 1655/640 kg |
Anhängelast (gebremst/ungebremst) | 1900/750 kg | 2100/750 kg | 2100/750 kg |
Das hat er: Sein Ausstattungsspektrum macht den W 213 einzigartig. Er war als nüchterner Fuhrpark-Dienstwagen bis zur vollwertigen Luxuslimousine konfigurierbar, von chromlastig bis sportlich-böse ist alles möglich. Basis, Avantgarde, Exclusive, AMG, Sportstyle und Designo gehen auf individuelle Vorlieben ein. Oberklasse-Extras wie Zierelement-Konzepte, Burmester-Sound, Multikontursitze mit Massage, Sitzklimatisierung, Akustikverglasung, Head-up-Display, Luftfederung, Soft-Close, Panoramadach und erweiterte Nappaleder-Umfänge sind gesucht und preistreibend.
Bei den Assistenzsystemen war die E-Klasse ihrer Zeit klar voraus: Distronic, Spurhalteassistent, teilautonomes Fahren im Stau und aufwendige LED-Lichtsysteme mit Benchmarkanspruch machten die Baureihe zu einem der technologisch anspruchsvollsten Fahrzeuge ihrer Bauzeit.

Trotz 160.000 Kilometer auf der Uhr, wirkt der Innenraum wirkt enorm fit. Genau das ruft beim W 213 leider aber häufiger Tachotrickser auf den Plan!
Bild: AUTO BILD/Olaf Itrich
So fährt er: Unglaublich souverän. Mercedes gelang ein bemerkenswert ausgewogenes Fahrgefühl aus Komfort, Sicherheit und Langstreckentalenten, das auch zehn Jahre nach Stapellauf noch überzeugt. Die Serienfahrwerke federn sauber und souverän, mit optionaler Airmatic-Luftfederung hat der W 213 Oberklasse-Niveau Schlaglöcher und Querfugen werden fein gefiltert, jedenfalls, solange alle Fahrwerkslager fit sind. Die Motorenpalette reicht vom zivilen Vierzylinder-Diesel bis zu den fast schon obszönen AMG-Versionen von 401 PS (E 43 AMG 4Matic) bis 612 PS (E 63 S AMG 4Matic+).

Zügig meistert der hinterradgetriebene W 213 enge Kurvenradien. Optional gab es 4Matic-Allrad.
Bild: AUTO BILD/Olaf Itrich
Gebraucht dominieren klar die meist aus geschäftlicher Vornutzung stammenden Vernunftmodelle wie der E 200 d und E 220 d mit modernem 1,6-Liter-OM-654-Motor sowie die bei Dienstwagenfahrern gefragten Plug-in-Hybridmodelle (Benzin-Hybrid 320 PS, Diesel-Hybrid 306 PS). Der kleine E 200 d mit 160 PS genügt im Alltag vollkommen, harmoniert mit der Neunstufenautomatik. Sehr souverän, aber auch teurer ist der E 400 d mit 340 PS. Er ist für viele Kenner der heimliche Sweetspot der Modellreihe. Gerade wer häufig zügig lange Strecken mit viel Ladung absolviert, die hohe Anhängelast nutzt oder mehr Antriebskomfort erwartet, dürfte den Sechszylinder bevorzugen. Toll: Zuladungen jenseits der 600 kg.
Stärken
- Hervorragendes Langstreckenfahrzeug
- Hohes Technologieniveau
- Überdurchschnittliche Langlebigkeit
Schwächen
- Hohe konstruktive Komplexität
- Kostspielige Kasko-Versicherung
- Im Unterhalt abgehobene AMG-Modelle
Das macht Ärger: Mercedes bot zwei Jahre Neuwagengarantie und 30 Jahre Durchrostungsschutzgarantie. Auf Hybridkomponenten gab es sechs Jahre, auf die nicht immer unauffällige Hochvoltbatterie sechs Jahre oder 100.000 Kilometer (SoH-Wert 70 Prozent). Trotz insgesamt solider Qualität ist auch die W-213-Baureihe nicht makellos. Häufiger sind die AdBlue-, SCR- und AGR-Systeme der Dieselmodelle auffällig. Defekte NOx-Sensoren, Fehlermeldungen oder Probleme mit der AdBlue-Dosierung können teuer werden.
Beim OM-654-Diesel gab es anfangs vereinzelt Probleme mit Kipphebeln und Steuerkettenkomponenten. Fahrzeuge mit Airmatic-Fahrwerk können bei hohen Laufleistungen und im Alter bei Defekten teuer werden: Luftbälge, Kompressor und Ventilblock sind klassische Verschleißthemen. Die komplexe Elektronik sorgt gelegentlich für Ärger. Sporadische Displayausfälle, Kommunikationsprobleme im Bordnetz oder Phantomfehlermeldungen durch schwache Batterien und Unterspannung gehören zu den typischen Themen. Die 9G-Tronic gilt grundsätzlich als robust, reagiert aber empfindlich auf verschleppte Wartung.
Regelmäßige Getriebeölwechsel bei etwa 100.000 Kilometern sollten nachvollziehbar sein. Bei hohen Laufleistungen ärgern zudem öfter Lagerspiel an Vorderachse und Querlenkern sowie teils korrodierte Achskörper. Insgesamt ist ein gepflegter W 213 mit seriöser Historie deutlich empfehlenswerter als ein vermeintliches Schnäppchen mit Wartungsstau. Deshalb sind penibel gewartete Langstrecken-Dienstwagen häufig besser als mit Kurzstrecken geplagte Exemplare. Das KBA notiert mit knapp 80 Themen auffällig viele Rückrufe.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 5,8 l D/100 km |
|---|---|
CO2 | 127 g/km |
Inspektion | 350-1000 Euro |
Haftpflicht (23)* | 861 Euro |
Teilkasko (25)* | 1183 Euro |
Vollkasko (27)* | 2011 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6d) | 218 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine (AT) | 1431 Euro |
|---|---|
Anlasser | 1104 Euro |
Wasserpumpe | 1148 Euro |
Zahnriemen | entf., Steuerkette |
Nachschalldämpfer | 1065 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1281 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 699 Euro |
Infotainmentbildschirm | ab 1463 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 245/45 R 18 100 Y) | 700 Euro |
Service-Links


























