Mercedes E36 AMG Cabrio Brabus 6.0 (1995) Auktion
Dieser Mercedes A 124 ist ein Einzelstück

Bild: Jan Götze
Dieses edle, aber unscheinbare Mercedes Cabrio hat einst so viel gekostet wie zwei neue Ferrari F355. Der Grund? Brabus hat den A 124 aufwendig modifiziert. Nur der Umbau hat ein kleines Vermögen gekostet. Schon bald wird das Einzelstück auf der Auktionsplattform "thembmarket" versteigert. Eine einmalige Gelegenheit für Mercedes-Sammler aus der ganzen Welt!
Knapp 34.000 Mercedes E-Klasse Cabriolets der Generation 124 wurden zwischen Ende 1991 und 1997 gebaut, doch dieses Exemplar toppt sie alle. Ab Werk war die noch heute zeitlos wirkende Cabrio-Version des W 124 mit verschiedenen Motoren erhältlich. Anders als die Limousine wurde das Cabrio jedoch nie offiziell mit einem Achtzylinder vertrieben. Leistungshungrige Kunden konnten sich zu jener vertrauensvoll an AMG wenden. Anfänglich wurde das 300 CE-24 3.4 AMG Cabriolet mit dem 3,3-Liter großen Reihensechszylinder (M 104 E34) angeboten, der 252 PS leistete. Ab 1994 gab es dann den E36 AMG mit 3,6-Liter-Sechszylinder (M 104 E 36) und 272 PS. Mutmaßlich wurden vom E36 AMG Cabrio jedoch nur 68 Exemplare gebaut, womit er zu den seltensten 124ern überhaupt gehört.
Basis ist ein seltenes E36 AMG Cabrio
Das hier gezeigte Exemplar in der Außenfarbe "Azuritblau Metallic" (Farbcode 366) wurde 1995 ab Werk mit der Sonderausstattung 957 AMG geordert und ist damit eines der geuschten E36 Cabriolets. Dem Erstbesitzer waren die 272 PS seines AMG aber schlichtweg nicht genug, sodass er sich noch im selben Jahr mit einem besonderen Wunsch an die Mercedes-Spezialisten von Brabus wandte. Er wollte mehr Leistung, deutlich mehr Leistung. Gleichzeitig sollte der 124er aber optisch dezent bleiben – Understatement ist schließlich Trumpf.

Der auf 6,0 Liter aufgebohrte V8 passt in den Motorraum des A 124. Die Batterie ist in den Kofferraum verlegt wurden.
Bild: Jan Götze
In Bottrop machte man sich ans Werk und warf kurzerhand den Reihensechszylinder raus. Stattdessen kam mit dem praktisch unkaputtbaren M 119 ein standesgemäßer V8 zum Einsatz. Der Motor wurde einem Mercedes SL 500 der Baureihe R 129 entliehen, wie sich dem Angebot aus dem Mai 1995 entnehmen lässt. Doch damit nicht genug, Brabus modifizierte den V8 nach allen Regeln der Kunst. So wurde der Hubraum von 5,0 auf 6,0 Liter aufgebohrt, neue Krümmer verbaut und die Motorelektronik sowie die Steuergeräte vom E 500 übernommen. Außerdem musste selbstverständlich der gesamte Vorderwagen des A 124 an den neuen Motor angepasst werden. Das Ergebnis sind noch heute beeindruckende 408 PS und ein maximales Drehmoment von 560 Nm – eine deutliche Steigerung gegenüber den 272 PS und 385 Nm des ebenfalls nicht langsamen E36 AMG. Die Höchstgeschwindigkeit wurde bei 270 km/h elektronisch begrenzt.
Bremsanlage vom Mercedes SL 600
Doch mit dem Motortausch war es noch längst nicht getran. Auch das Fahrwerk, die Bremsanlage und das Getriebe mussten an die enorme Mehrleistung angepasst werden. Besonders wichtig war dem Besitzer neben einer dezenten Optik dabei, dass der aufwendig umgebaute 124er so wartungsfreundlich wie möglich sein sollte. Damit das Cabrio im Idealfall bei jeder autorisierten Mercedes-Werkstatt gewartet werden kann, wurde beispielsweise die komplette Bremsanlage eines SL 600 (R 129) mit größerer Bremsscheiben verbaut. Die Batterie wanderte aufgrund von Platzmangel und einer optimierten Gewichtsverteilung in den Kofferraum, wo sie jedoch nicht einfach nur lieblos verbaut, sondern in einem speziell angefertigten Gehäuse Platz findet. Solche individuellen Lösungen zeigen auf welch qualitativ hohem Niveau der A 124 von Brabus modifiziert wurde.

Die dreiteiligen Brabus Monoblock sind frisch aufgearbeitet und passen hervorragend zum Dezent sportlichen Look.
Bild: Jan Götze
Bemerkenswert ist, wie unauffällig der einstige AMG dabei ist. Das optische Highlight sind die dreiteiligen Brabus Monoblock III-Felgen in 18-Zoll. Auf weitere optische Veränderungen wurde ganz bewusst verzichtet, sodass keinerlei Schriftzüge und nicht mal Endrohrblenden auf den gigantischen V8 unter der Haube hinweisen. Auch der Innenraum mit einer grauen Lederausstattung (Code 268) wurde nur sehr behutsam veredelt. Verbaut wurden ein Holz-Schaltknauf, Brabus-Fußmatten sowie die Tempmatic-Öltemeperaturanzeige und ein 300 km/h-Tacho, der aufgrund des Topspeeds von abgeregelten 270 km/h notwendig war.
Neupreis von über 390.000 DM
Aufgrund der enormen Komplexität des Umbaus standen schlussendlich knapp 200.000 DM netto (inklusive damals geltender Mehrwertsteuer von 15 Prozent also 230.000 DM) auf der Rechnung. Nur zur Verdeutlichung: Diese Summe bezieht sich lediglich auf den Umbau exklusive Basisfahrzeug. Ein neues Mercedes E36 AMG Cabrio kostete 1995 etwa 162.000 DM, sodass der Gesamtpreis bei unglaublichen 392.000 DM lag. Eine Summe, für die es damals zwei brandneue Ferrari F355 gab. Doch so ein Ferrari hatte mit 381 PS nicht nur weniger Leistung, er war auch ein Massenprodukt im Vergleich zum Brabus A 124.

Auch im Innenraum legte Brabus nur dezent Hand an und verbaute unter anderem einen Tacho mit 300 km/h-Skala. Angeboten wird das Cabrio mit 107.670 Kilometern.
Bild: Jan Götze
Angeboten wird das Einzelstück inklusive einer vollständigen Dokumentation, einem Hardtop, fünf (!) Schlüsseln (sobald die Batterie in einem Schlüssel leer war, orderte der Besitzer stets einen neuen Schlüssel) und Wartungs-Nachweisen in Höhe von etwa 65.000 Euro. Allein die Getriebeüberholung im Mai 2023 schlug mit etwa 7000 Euro zu Buche. Frischer TÜV sowie eine frische Aufbereitung sind bei einem solchen Auto fast schon eine Selbstverstädnlichkeit.
Eine einmalige Gelegenheit
Mercedes-Sammlern aus der ganzen Welt bietet sich hier eine einmalige Gelegenheit, denn einen zweiten A 124 mit 6,0-Liter-V8 von Brabus wird es kein zweites Mal geben. Mit noch mehreren verbleibenden Tagen in der Auktion liegt das Höchstgebot aktuell bei umgerechnet rund 68.000 Euro (70.000 US Dollar), doch der Preis wird ganz sicher sechsstellig werden.
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