Mercedes EQC: Gebrauchtwagen-Test
Ist der gebrauchte Mercedes EQC eine gute Idee?

Er ist luxuriös, elektrisch und trägt einen Stern. Trotzdem war dem Mercedes EQC als Neuwagen kein Verkaufserfolg vergönnt. Nun gibt es das SUV-Modell gebraucht für unter 30.000 Euro.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Der erste Versuch ist selten perfekt. Beim Mercedes EQC ist das nicht anders. Als 2019 die Fahrzeugauslieferung an Kunden begann, war das für die Marke ein Meilenstein. Der EQC markierte den Einstieg von Mercedes in die Großserienfertigung vollelektrischer Pkw und sollte zeigen, dass Elektromobilität und klassischer Mercedes-Komfort zusammenpassen.
Gebaut wurde der EQC im Werk Bremen, wo parallel auch der SUV-Bruder GLC vom Band lief. Beide teilen sich eine Basis, da der EQC keine reine EV-Architektur nutzt, sondern im Grunde ein sorgfältig umkonstruierter Verbrenner ist. Damals sollte der Mercedes vor allem bestehende Premiumkunden bei der Stange halten, die auf die neuen E-Modelle der Mitbewerber schielten, und E-Fahren ohne Umgewöhnung ermöglichen. Ein Verkaufserfolg wurde der EQC allerdings nie. Der hohe Preis, die starke Konkurrenz sowie eine technische Basis mit vergleichsweise hohem Gewicht und mäßiger Ladeleistung verhinderten größere Stückzahlen.
Optisch wagt der EQC keine Experimente
Das ist er: Optisch setzt der EQC auf eine Kombination aus Tradition und Moderne. Er ist sofort als Mercedes erkennbar, meidet Experimente. Der geschlossene Black-Panel-Kühlergrill, das durchgehende Leuchtenband und aerodynamische Details lassen ihn aber durchaus moderner wirken als den Verbrenner-Bruder. Technisch setzte Mercedes auf zwei Asynchronmaschinen. Je eine an Vorder- und Hinterachse, als Basis für einen elektrischen Allradantrieb. Beeindruckend dabei waren seinerzeit die Leistungsdaten: 408 PS Spitzenleistung und 760 Nm Drehmoment waren damals AMG-verdächtig.

Der EQC ist 10,6 Zentimeter länger als ein gleich alter GLC. Das Heck müht sich um Eigenständigkeit.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Beim 650 Kilogramm schweren Lithium-Ionen-Akku betrieb Mercedes einen immensen Aufwand, fuhr sogar eine eigene Produktion bei der Konzerntochter Accumotive in Kamenz (Sachsen) hoch. Die Zellchemie lieferten asiatische Partner zu. Mit 80 kWh nutzbarer Kapazität gehörte der Hochvoltakku vor rund sieben Jahren definitiv zu den großen Kalibern in der Premium-Klasse.
Auch im Innenraum wagte man den Schritt in eine neue, digitalere Mercedes-Welt. Raumangebot und Sitzkomfort sind wie zu erwarten in beiden Reihen tadellos und auch für große Passagiere voll langstreckentauglich. Lediglich der Kofferraum ist durch die E-Technik an Bord etwas enger geschnitten als beim GLC-Bruder.

Premium ist der Cockpiteindruck noch immer. Der EQC paarte digitale Bildschirme mit recht aufwendigen Dekorakzenten. Kratzempfindliche Hochglanz-Mittelkonsole, ansonsten aber haltbar gebaut.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Im Mittelpunkt steht jedoch das MBUX-System mit zwei großen Displays, Sprachsteuerung, recht hochauflösenden Grafiken und zahlreichen Energiedarstellungen. Gleichzeitig fühlte sich die Bedienung damals noch recht klassisch an. Der Mix aus hochwertigen Materialien, durchdachter Ergonomie und penibler Verarbeitung sorgt unterm Strich für das erhoffte Mercedes-Gefühl.
Viele Gebrauchte waren als gehobene Dienstwagen unterwegs
Das hat er: Viel Sinn für Komfort – kaum ein anderer mittelgroßer Mercedes wurde serienmäßig so komplett ausgestattet wie der EQC. Etliche Extras, die beim GLC teils saftige Aufpreise kosteten, gehörten stets zur Grundausstattung; Multibeam-LED-Scheinwerfer, elektrische Sitze, Ambientelicht, MBUX mit Navigation, Rückfahrkamera, Zwei-Zonen-Klimaautomatik, zahlreiche leistungsfähige Assistenzsysteme sowie ein elektrischer Antrieb für die Heckklappe sind weitaus mehr als eine schwäbische Premium-Basisversorgung.
Technische Daten
EQC 400 4Matic | |
|---|---|
Motor | 2x ASM/vorn + hinten |
Batterieart | Lithium-Ionen-Akku |
Dauerleistung | 145 kW (197 PS) |
Spitzenleistung | 300 kW (408 PS) |
Drehmoment | 760 Nm |
Höchstgeschwindigkeit | 180 km/h |
0–100 km/h | 5,1 s |
Akkugröße/Kraftstoff | 80,0 kWh (netto)/Strom |
Getriebe/Antrieb | Einstufenautomatik/Allrad |
Länge/Breite/Höhe | 4762/1884/1624 mm |
Kofferraumvolumen | 500-1460 l |
Leergewicht/Zuladung | 2495/445 kg |
Anhängelast (gebremst/ungebremst) | 1800/700 kg |
Viele Gebrauchtwagen wurden als gehobene Dienstwagen üppig konfiguriert. Sie verfügen zusätzlich über das Fahrassistenz-Paket mit adaptivem Tempomat und Spurassistent, AMG-Ornat, Burmester-Soundsystem, Head-up-Display, Keyless Go, Sitzklimatisierung oder eine praktische Anhängerkupplung. Und genau diese Vielfalt macht gebrauchte EQC für Interessenten spannend, die E-Mobilität mit Qualität und Markenstatus als bezahlbare Secondhand-Ware suchen.
Realistisch liegt die Reichweite bei 250 bis 350 Kilometern
So fährt er: Ultra-komfortabel – sein enormes Leergewicht von fast 2,5 Tonnen kaschiert Mercedes erstaunlich gut. Fahrwerk, durchdachte Geräuschdämmung mit Akustikverglasung sowie die fein abgestimmte Lenkung erzeugen den typisch geschliffenen Mercedes-Eindruck. Die möglichen Fahrleistungen sind noch heute beeindruckend. Der Sprint auf 100 km/h gelingt in gut fünf Sekunden, Überholmanöver sind nicht zuletzt durch das gewaltige Drehmoment extrem mühelos. Der Allradantrieb verteilt die Leistung in Sekundenbruchteilen variabel zwischen beiden Elektromotoren, sorgt selbst bei Nässe und Schnee (mit fitten Reifen) für hohe Traktion.

Gediegene Schwere dominiert den Fahreindruck des EQC. Kein Wunder, er bringt leer rund 2,5 Tonnen auf die Waage, fühlt sich auf Langstrecken extrem wohl.
Bild: AUTO BILD/Christoph Börries
Weniger aktuell wirkt die gebotene Effizienz. Der EQC zählt zu den verbrauchsintensivsten Premium-SUV seiner Generation. Im Alltag liegt der Stromkonsum häufig zwischen 24 und 32 kWh je 100 Kilometer, auf der Autobahn teils auch noch darüber. Und entsprechend schrumpfen die realistischen Reichweiten meist auf etwa 250 bis 350 Kilometer. Ärgerlich ist die heute deutlich veraltete Schnellladeleistung. Als Peak rund 110 kW Gleichstrom waren 2019 noch absolut akzeptabel, inzwischen dauert die Ladepause gegenüber modernen Elektroautos aber spürbar länger. Wer häufig Langstrecke fahren muss, den könnte diese Rückständigkeit durchaus nerven.
Erfreulicher fällt dagegen die Akkuhaltbarkeit aus. Unsere Aviloo-Messung ergab beim Testwagen nach immerhin 141.712 Kilometern einen SoH-Wert von 93,9 Prozent, was ein ausgezeichnetes Ergebnis und ein starkes Indiz für die langlebige Auslegung des Batteriesystems ist. Ein Haken, über den man sich richtig freuen darf: Bis zu 1800 Kilogramm Anhängelast sind bei montierter Anhängerkupplung gebremst möglich.
Stärken
- Voll familientaugliches Fahrzeugkonzept
- Hoher Fahrkomfort
- Gutes Ausstattungsniveau
Schwächen
- Teure Vollkasko
- Trotz großem Akku mäßige Reichweite
- Überholte DC-Ladeperformance
Defekte können sehr teuer werden
Das macht Ärger: Mercedes bot ab Werk zwei Jahre Neuwagengarantie (Edition 1886 sechs Jahre) sowie 30 Jahre Durchrostungsschutzgarantie bei Einhaltung der Serviceintervalle. Auf die Hochvoltbatterie gab es acht Jahre oder 160.000 Kilometer Garantie (SoH 70 %). Schwerwiegende Ausfälle am Hochvoltsystem sind bislang äußerst selten dokumentiert. Dennoch ist ein genauer Check mit einem geeigneten Tester vor dem Kauf Pflicht.
Gelegentlich kommt es zu Softwareproblemen des MBUX-Systems, Kommunikationsfehlern einzelner Steuergeräte oder Fehlermeldungen der Assistenzsysteme. Software-Updates taugen oftmals als dauerhafte Lösung. Mit zunehmendem Fahrzeugalter treten Defekte an der 12-Volt-Batterie auf, die vielfältige Fehlermeldungen auslösen können. Auch die Ladeklappenmechanik und die Sensorik machen gelegentlich Probleme. Die Reifen leiden bei zügiger Fahrweise unter den beladen fast drei Tonnen Gewicht. Entscheidend beim Gebrauchtkauf bleiben Akkuzustand, vollständige Servicehistorie und der Softwarestand. Ein Batterie-Zertifikat gibt zusätzliche Sicherheit. Beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) wurden bislang insgesamt 13 Rückrufe für die nur dreieinhalb Jahre gebaute EQC-Baureihe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 28,9 kWh/100 km |
|---|---|
CO2 | 0 g/km |
Inspektion | 350-700 Euro |
Haftpflicht (19)* | 806 Euro |
Teilkasko (22)* | 1011 Euro |
Vollkasko (23)* | 1924 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6)* | 0 Euro |
Ersatzteilpreise*
Hochvoltbatterie | 28.645 Euro |
|---|---|
Steuereinheit E-Motor | 364 Euro |
E-Motor | 5760 Euro |
Antriebswelle h. | 1649 Euro |
Wasserpumpe HV-Batterie | 674 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1422 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 1035 Euro |
Infotainmentbildschirm | 1560 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 235/55 R 19 105 V) | 700 Euro |
Service-Links






























