Kaum zu glauben, dass dieser Nobel-Offroader 1979 als Militärauto für den Iran geplant und nach dem Sturz des Schahs 1979 todgeweiht war. Der größtenteils von Steyr-Puch in Graz (heute Magna Steyr) entwickelte G-Mercedes konnte sich aber im zivilen Markt etablieren.
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Der anfangs nutzfahrzeughaft karge und PS-schwache Geländegänger wurde in mehreren Schüben gentrifiziert. 1990 kamen mit der Baureihe W 463 Permanent-Allrad (auch auf Asphalt von Vorteil) und Limousinen-Komfort ins Auto.

Optisch ändert sich nur wenig

Der erste 500er erschien 1993 und hatte tatsächlich einen 5,0-Liter-V8 unter der Haube – eine Sonderserie als schüchterner Versuchsballon. Niemand staunte mehr als die Marketingabteilung selbst, dass die Kundschaft ihr den wohl-tönenden, aber fürchterlich durstigen Kasten aus den Händen riss. Heute stellen die AMG-Versionen die Mehrheit der G-Modelle – vom Profi-Werkzeug zum Bollerwagen.
Mercedes G 500
Aufgefrischt: Die jüngste Ausgabe der G-Klasse erkennt man an den vier statt drei bisher drei Querspangen im Kühlergrill.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Dem veränderten Nutzungsprofil trägt die Neuauflage von 2018 Rechnung: zwölf Zentimeter mehr Breite und zielgenauere Lenkung, da mit Einzelradaufhängung statt Starrachse vorn. Die jüngste Auffrischung ist am leichtesten erkennbar an vier statt drei Querspangen im Kühlergrill und trägt das Baureihen-Kürzel W 465.

Weniger Zylinder im großen G 500

Der 4,0-Liter-V8 flog raus, stattdessen sitzt nun ein 3,0-Liter-Reihensechszylinder mit integriertem Startergenerator unter der Kantenhaube. Adaptive Verstelldämpfer sind nun Serie, neu ist auch das Offroad-Cockpit mit Neigungs- und Kippwinkelanzeigen, aufzurufen via Direktwahltaste.
Mercedes G 500
Der G 500 hat seinen V8 gegen einen Dreiliter-Reihensechszylinder getauscht. Und der schiebt mit 560 Nm ganz ordentlich.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Natürlich ist das noch immer ein traditioneller Geländewagen mit Leiterrahmen, Starrachse hinten, kurzer Geländeuntersetzung und gleich drei Differenzialsperren. Die Türen wollen noch immer zugeknallt werden. Und deren Griffe sehen aus, als entstammten sie einem 70er-Jahre-Teileregal, nun auf Wunsch mit Schlüssellos-Zugang (1880 Euro) kombiniert. Geländewagentypisch sind auch die hohen Sitzpositionen 92 Zentimeter über dem Asphalt und der für Großgewachsene zu kurze Verstellbereich der Vordersitze – nicht so schlimm wie im Ur-Defender, aber ebenfalls zu kurz.

Fahrzeugdaten

Fahrzeugdaten
Motor Bauart/Zylinder 
Sechszylinder, Turbo, Hybrid 
Einbaulage 
vorn längs 
Ventile/Nockenwellen 
4 pro Zylinder/2 
Nockenwellenantrieb 
Kette 
Hubraum 
2999 cm³ 
kW (PS) bei 1/min
330 + 15 (449 + 20)/5800 
Nm bei 1/min
560/k. A. 
Vmax
210 km/h 
Getriebe 
Neunstufenautomatik 
Antrieb 
Allradantrieb 
Bremsen vorn/hinten 
Scheiben/Scheiben 
Testwagenbereifung 
275/50 R 20 V 
Reifentyp 
Falken Azensis FK 520 
Radgröße 
9,5 x 20" 
Abgas CO2* 
256 g/km 
Verbrauch* 
11,2 l/100 km 
Tankinhalt 
100 l 
Kraftstoffsorte 
Super Plus 
Partikelfilter 
Serie 
Vorbeifahrgeräusch 
71 dB(A) 
Anhängelast gebr./ungebr. 
3500/750 kg 
Stützlast 
140 kg 
Kofferraumvolumen 
640-2010 l 
Länge/Breite/Höhe 
4825/1984–2187**/1973 mm 
Radstand 
2890 mm 
Grundpreis
132.328 Euro
Testwagenpreis (wird gewertet)
151.100 Euro
Ein Druck auf den Startknopf, und der schwere Wagen legt ab. Vermissen wir den V8? Schon, weil der so schön blubberte, dass er die AMG-Versionen fast verzichtbar erscheinen ließ. Langweilig klingt der Sechsender aber auch nicht: Daimler hat den Klang per Sounddesign (536 Euro) erotisch angeraut und angewummert – das brauchte der V8 auch, da mit 4,0 Liter Hubraum recht klein.

Auf der Straße geht er ordentlich

Aerodynamik-Feinschliff an der A-Säule und Spoilerlippen an der Dachzierleiste senken den Lärmpegel leicht. Auch das Schiebedach (1797 Euro Aufpreis) ist geöffnet bis etwa 70 km/h nicht zu laut. Die Aerodynamik-Tricks können diesen Kasten aber nicht in eine Concorde verwandeln: Ab Tempo 140 schwellen die Windgeräusche an.
Mercedes G 500
Präzise steuerbar: Die elektromechanische Lenkung arbeitet viel genauer als die Exemplare in früheren Baureihen.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die elektromechanische Lenkung arbeitet viel genauer als die Lenkungen klassischer G vor 2018, bleibt aber G-typisch gewollt träge vom Rückstellmoment her, was der Verreißsicherheit geschuldet sein dürfte. Das ESP ist markentypisch sicherheitsorientiert, regelt sehr früh. Die Bremsen liegen eigentlich ständig an, was bei diesem Gewicht einen gewissen Belagverschleiß erwarten lässt. Bei Vollbremsungen hält der Dicke entspannt die Spur, aber Bremswege um 37 Meter sind es dann doch.

Messwerte

Messwerte
Beschleunigung
0–50 km/h
2,2 s 
0–100 km/h 
5,5 s 
0–130 km/h 
8,6 s 
0–160 km/h 
12,9 s 
0–200 km/h 
23,3 s 
Zwischenspurt
60–100 km/h
2,8 s 
80–120 km/h 
3,5 s 
Leergewicht/Zuladung 
2565/635 kg 
Gewichtsverteilung v./h. 
52/48 % 
Wendekreis links/rechts 
13,4/13,5 m 
Sitzhöhe 
920 mm 
Bremsweg
aus 100 km/h kalt
37,1 m 
aus 100 km/h warm 
37,0 m 
Innengeräusch
bei 50 km/h
53 dB(A) 
bei 100 km/h 
64 dB(A) 
bei 130 km/h 
69 dB(A) 
Verbrauch
Sparverbrauch 
8,2 l SP/100 km 
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde
(Abweichung zur WLTP-Angabe)
11,5 l SP/100 km
(+3 %)
Sportverbrauch 
17,6 l SP/100 km 
CO2 (Testverbrauch) 
273 g/km 
Reichweite (Testverbrauch) 
869 km 
Das Gewichtige des G ist stets spürbar, denn geblieben sind die leichten Aufbaubewegungen bei Spurwechseln, ebenso leichte Rollbewegungen geradeaus. Auf Kopfsteinpflaster wird das Safe-artige der Rahmenkonstruktion deutlich. Die hat Haltbarkeitsvorteile bei harter Beanspruchung – nichts erschüttert diesen Tresor.
Spätestens an der Zapfsäule beginnt die Freundschaft mit dem hybridisierten Reihensechser, denn er ist signifikant sparsamer als der V8: Ein Testverbrauch von 11,5 Litern/100 km war mit dem V8 nicht zu schaffen. Unser Sparverbrauch hat sogar eine Acht vor dem Komma.
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Wir verdrängen geistig mal den Preis und drehen einige Runden im Kieswerk Koops in Zarrentin (herzlichen Dank!). Hier gibt die G-Klasse eine beeindruckende Vorstellung, trotz der asphaltorientierten Falken Azenis mit 50er-Querschnitt – geländewagenüblich sind 80er-Querschnitte. Ein sonderlich bewegliches Fahrwerk, dessen Räder wild ondulierten Untergründen folgen können, brachte der G noch nie mit, zugunsten der Onroad-Fahrsicherheit.

Sperren sorgen für viel Geländetalent

Und bei der Neuauflage von 2018 ist die Achsverschränkung durch die vordere Einzelradaufhängung gesunken, von 270 auf 220 mm. Wo beim Wrangler Rubicon alle Räder am Boden bleiben, hebt die G-Klasse ein Bein. Das macht aber nichts: Dieser Klassiker operiert lieber mit drei Differenzialsperren – so kann die Vortriebskraft nicht an durchdrehenden Rädern verpuffen.
Mercedes G 500
Hoch das Bein: Die G-Klasse arbeitet seit jeher nicht mit großer Achsverschränkung, stattdessen mit drei Sperren.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Die zahlreichen Geländeanzeigen auf beiden Cockpit-Bildschirmen sind schön gemacht, aber verspielter, als es der Ablesbarkeit guttut. Und was da alles angezeigt wird: künstlicher Horizont, Positionsdaten, Kompass, Höhenlage, Lenkwinkel, Status der Sperren – als ob man die Mars-Oberfläche erkunden wollte. Sinn macht die "transparente Motorhaube": In einem Steilhang, in dem der Fahrer nur noch Himmel sieht, weiß er dank nach unten gerichteter Kameras stets, wohin er lenkt.

Wertung Mercedes G 500

Wertung Mercedes G 500
Karosserie
Top: Qualitätseindruck, Übersichtlichkeit, Raumgefühl. Hohe Zuladung. Nicht besonders variabel.
3,5 / 5
Antrieb
Beschleunigung und Zwischenspurt flott in Relation zum Gewicht. Laufkultur und Dosierbarkeit gut.
4 / 5
Fahrdynamik
Agilität in Relation zum Gewicht okay. Geradeauslauf und Traktion top, fahrsicher. Wendekreis riesig.
3,5 / 5
Connected Car
Telefon, Sprachsteuerung, Audio und Touchpad-Bedienung sind top. Aber: rudimentäre Navi-Karte.
4,5 / 5
Umwelt
Schwer und hoch, aber modern mit Mildhybrid, Segelfunktion, Eco-Modus. Außengeräusch hoch.
2 / 5
Komfort
Tolle Sitzposition und Sitze vorn. Viel Ausstattung. Herber gefedert als Limousinen dieser Klasse.
4 / 5
Kosten
Abgehobener Kaufpreis. Auch Steuer, Versicherung, Wartung: alles teuer. Prozentual sehr wertstabil.
1,5 / 5
AUTO BILD-Testnote
3+
Nur: Wer jagt eine solche Hochpreis-Preziose noch durch die Sandgrube – mit Manufaktur-Leder, Fond-Entertainment, Burmester-Rundum-Klang und Kirschholz-Ladeboden? So etwas wie einen Sinn ergibt der G am ehesten noch als Zugfahrzeug (3,5 Tonnen Anhängelast), aber auch da gibt es halb so teure Lösungen.

Bildergalerie

Mercedes G 500
Mercedes G 500
Mercedes G 500
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Mercedes G 500 im Test

Fazit

Für 132.000 Euro erwirbt man hier kein Auto, das Sinn ergibt, sondern ein Stück Automobilbau-Tradition – und dieses besondere Tresor-Fahrgefühl. Der im Vergleich zum V8 klar niedrigere Verbrauch gibt dem Sechszylinder-Hybridkonzept recht. AUTO BILD-Testnote: 3+