Angesichts der heranrollenden Monumente überrascht es vielleicht ein wenig, wenn wir als Erstes über Leichtbau sprechen. Angeregt hat das Thema der neue Range Rover, der gegenüber seinem Vorgänger nach eigener Aussage bis zu 420 Kilogramm abgenommen haben will. Kling recht imposant, wenn man bedenkt, dass Audi die 80 Kilo Mindergewicht eines A6 einst wie die Entdeckung des Perpetuum mobile gefeiert hat. Ursachenforschung: Den Grundstein für die Radikaldiät legt bereits die vergangene Modellgeneration. Mit ihr trennt sich der Range erstmals vom Leiterrahmen, was angesichts der Tatsache, dass Opel diesen Schritt schon vor fast 80 Jahren wagte, aber nicht mehr ganz so innovativ erscheint.
Range Rover V8 Supercharged
Dank Wanksystem bewahrt der Range stets Haltung – ausbaden müssen es die Reifen.
Bild: Ronald Sassen
Die entscheidende Innovation kommt jetzt mit Range Rover Nummer vier. Auch dessen Karosserie trägt sich natürlich selbst, baut – erstmals überhaupt bei einem Geländewagen – aber komplett aus Aluminium auf. Zusammen mit erleichterten Fahrwerksteilen speckt das Kompressor-Topmodell damit auf etwas über 2,3 Tonnen ab, spachtelt sich – im konkreten Fall – mit der reichhaltigen Autobiography-Ausstattung aber das allermeiste davon wieder drauf. Die 2542 Kilogramm sind am Schluss zwar gut 100 weniger, als der GL 63 wiegt, aber auch nicht die ganz große Sensation.
Mercedes GL 63 AMG
Der GL lenkt satter ein und bleibt länger neutral als sein etwas indifferenter Kontrahent. Sportler ist auch er nicht.
Bild: Ronald Sassen
Der Mercedes macht um Körperlichkeiten nicht so viel Tamtam, schwärmt in seiner Pressemappe lieber von Leistung, Luxus und seiner Premiere in Moskau, wo der denkbar beste Lebensraum für einen wie ihn sein dürfte. Hierzulande jedenfalls fehlt ihm – je nach Blickwinkel – entweder das Verständnis oder eine dieser Bezahlspuren für Bessergestellte, über die man den ganzen automobilen Pöbel, der ständig vor einem herumschneckt, standesgemäß verblasen würde. 557 PS schaufeln seine beiden Lader aus dem 55er, womit er in der AMG-Hierarchie auf Höhe von E-Klasse und CLS eincheckt, jedoch nicht unbedingt beschwichtigend auf seine Skeptiker einwirkt. Soziale Spannungen provoziert vor allem sein exzentrischer Klang. Drinnen nimmt man den V8 zwar als angenehmes Bollern wahr, von draußen jedoch ist die Botschaft schon eine – nun ja – ziemlich unmissverständliche.

Fazit

von

Stefan Helmreich
Sieger zu küren bedeutet, einen über den anderen zu stellen – wozu wir uns emotional hier nicht in der Lage sehen. Der Range motorisiert elegant, sprintet schneller, bremst und kurvt aber unmotiviert. Genau hier brilliert der Mercedes. Trotz der Dimensionen hangelt er sich muskulös zwischen Scheitelpunkten hindurch. Das dunkle Grollen des AMG egalisiert der Range mit hinreißendem Mobiliar.