Mercedes GLA: Gebrauchtwagen-Test
Ist der gebrauchte Mercedes GLA einen Tipp wert?

Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Zu Höherem berufen fährt der erste Mercedes GLA 2013 in die Showräume der Mercedes-Händler. Mit dem Neuling stießen die Stuttgarter erstmals in das kompakte SUV-Segment vor. Optisch ist die konstruktive Nähe des GLA zur dritten A-Klasse unverkennbar. Und auch technisch teilt sich das 13 Zentimeter längere SUV alle wesentlichen technischen Merkmale mit dem kleineren Schwestermodell, offiziell sind es rund 70 Prozent Gleichteile.
Unser Testwagen trägt bereits das 2017 eingeführte und bis zum Modellauslauf im Jahr 2020 gültige Facelift. Der kosmosschwarze GLA 200 d mit Style-Paket und Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe ist für den Alltag gut gerüstet. Im November 2018 wurde er als Neufahrzeug einst in Belgien ausgeliefert. Damals summierte sich sein Preis laut Schwacke-Datenbank auf sündhaft teure 45.742 Euro.
Mercedes GLA gebraucht: Nach fünf Jahren für rund 20.000 Euro
Dafür gab es bei Weitem keine Vollausstattung, aber das von einem Mercedes erwartete Niveau. Neben LED-Scheinwerfern mit Lichtassistent sind dies einige weitere aufpreispflichtige Goodies. Keyless-System, elektromechanisch angetriebene Heckklappe, ein nach heutigen Maßstäben altbackenes 8-Zoll-Infotainment mit Garmin-Navigation und die sehr gut funktionierende Rückfahrkamera sind verbaut. Außerdem an Bord sind Klimaautomatik, Sitzheizung und eine schwenkbare Anhängerkupplung (750 Kilogramm Anhängelast ungebremst, 1500 Kilogramm gebremst). Assistenten sind dagegen Mangelware, hier machte der Besteller kaum Kreuze.

Sportlich schickes Cockpitdesign, Automatikwählhebel am Lenkrad. Insgesamt ein überzeugender Qualitätseindruck.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Nach 117.680 Kilometern auf dem digitalen Zähler wäre der GLA jetzt beim Autohus in Bockel bei Bremen für 20.680 Euro zu haben. Dieser interessante Wertverlust kommt bei diesem Exemplar nicht ganz von ungefähr. Seine bewegte Vergangenheit sieht man insbesondere dem Vorderwagen an. Motorhaube und Kotflügel tragen etliche Steinschläge, die Frontschürze hat außerdem links und rechts leichte Parktouchierungen. Und der Bordcomputer mahnt einen dringend fälligen Regelservice an.
Technische Daten
Mercedes GLA 200 d Style | |
|---|---|
Motor | Vierzylinder/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 2143 cm³ |
Leistung | 100 kW (136 PS) bei 3200/min |
Drehmoment | 300 Nm bei 1400/min |
Höchstgeschw. | 205 km/h |
0–100 km/h | 9,1 s |
Tank/Kraftstoff | 50 l/Diesel |
Getriebe/Antrieb | Siebengang-DCT/Vorderrad |
Länge/Breite/Höhe | 4424/1804/1494 mm |
Kofferraumvolumen | 421-1235 l |
Leergewicht/Zuladung | 1540/495 kg |
Der Innenraum ist dagegen deutlich erfreulicher, bis auf Kratzer im Bereich der Fußräume und kleinere Dellen an den Einstiegen passt der optische Eindruck. Die Sitzpolster aus Artico-Kunstleder und Macapá-Stoff sind riss- und fleckenfrei, das Sitzgefühl nicht zuletzt dank ausziehbarer Beinauflage und Lordosenstütze selbst für 1,90 Meter große Fahrer nicht üppig, aber angenehm. Im Fond sitzt man bis etwa 1,80 Meter Körpergröße komfortabel und spürbar luftiger als im A-Klasse-Schwestermodell.
Der Check ergibt: Hier ist alles tadellos in Schuss
Für die Kompaktklasse ordentlich fällt der 421 bis 1235 Liter große Kofferraum aus, 495 Euro kostet der im Laderaumpaket inkludierte umklappbare Beifahrersitz. Klapper- und Knarrgeräusche sind auf unserer ausgedehnten Probefahrt kein Thema, die Fahrwerkslager und die Dämpfer wirken fit. Und auch der Check der Bodengruppe gibt keinen Anlass zur Sorge. Ölverlust und Rost sind nicht festzustellen.
Der 136-PS-Diesel mit Euro 6, Rußpartikelfilter und NOX-Speicher-Kat punktet in der Praxis mit Mix-Verbräuchen von deutlich unter sechs Litern und seinen früh anliegenden 300 Newtonmeter Drehmoment. Erst ab 200.000 Kilometer Laufleistung muss man mit vereinzelten Injektor-Ausfällen sowie gelängten Steuerketten rechnen. So ist der GLA in Kombination mit dem erfreulich haltbaren 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe mehr als ausreichend flott. Zwar erledigen die größeren, als Benziner und Diesel verfügbaren GLA 220 und 250 die meisten Fahraufgaben nochmals lässiger, kosten jedoch gebraucht oftmals unverhältnismäßig mehr Geld.
Als Geländewagen ist der GLA nicht zu verstehen
Für etliche GLA-Kunden dürfte sich die Frage stellen, ob die Allrad-Version 4Matic ein sinnvolles Investment ist. Im GLA beherrscht die 4Matic eine variable Momentenverteilung zwischen beiden Achsen und ermöglicht Anhängelasten bis 1800 Kilogramm. Als Geländewagen sollte das Kompakt-SUV deshalb jedoch keinesfalls interpretiert werden. Mäßig sind 13,4 Zentimeter Bodenfreiheit, 15,8 Grad Böschungswinkel vorne, 21,5 Grad Böschungswinkel hinten sowie 13,3 Grad Rampenwinkel. Nur für solvente Fans und mit ZR-Sportbereifung kaum für Sandpisten geeignet sind die gebraucht ab rund 28.000 Euro erhältlichen, mindestens 360 PS starken AMG-Modelle GLA 45. Sie verursachen Performancemodell-typisch höhere Unterhaltskosten, taugen dafür zum Sportwagen-Ärgern.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 5,8 l D/100 km |
|---|---|
CO2 gem. NEFZ-Zyklus | 147 g/km |
Inspektion | 350-600 Euro |
Haftpflicht (20)* | 589 Euro |
Teilkasko (22)* | 659 Euro |
Vollkasko (22)* | 1059 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 341 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine (AT) | 1240 Euro |
|---|---|
Anlasser (AT) | 820 Euro |
Wasserpumpe | 509 Euro |
Zahnriemen | entf., Steuerkette |
Nachschalldämpfer | 806 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1036 Euro |
Bremsscheiben und -klötze | 576 Euro |
Infotainmentbildschirm | 652 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 215/60 R 17 V) | 740 Euro |
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